Schüsse an Schule in Florida "Ich dachte, dass ich vielleicht sterben muss"

17 Menschen sterben, als vor einer Schule in Florida ein junger Mann das Feuer eröffnet. Augenzeugen schildern, was sie erlebten, wie sie überlebten. Und die Frage wird lauter: Gibt es diesmal Konsequenzen?

Twitter/@Melody_Ball

Max hat überlebt. Zusammen mit Mitschülern und einem Lehrer harrte er in Todesangst in einem Klassenzimmer aus, während an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, 17 Menschen erschossen wurden.

"Wir waren in der Raumecke, weg von den Fenstern", sagte ein Junge namens Max zu Reportern. "Der Lehrer hat dann die Tür geschlossen und das Licht ausgemacht. Ich dachte, dass ich vielleicht sterben muss."

Beim Verlassen des Gebäudes habe er dann begriffen, was geschehen war: Er ging an den Leichen einiger Mitschüler und eines Lehrers vorbei. Dann habe er seine Mutter erblickt: "Ich war glücklich, noch am Leben zu sein", sagt Max: "Sie hat geweint, als sie mich gesehen hat."

Fotostrecke

17  Bilder
US-Bundesstaat Florida: Schüsse an der Marjory Stoneman Douglas High School

Die Schüsse eines 19-Jährigen an der Schule im Städtchen Parkland erschüttern die USA. Am Valentinstag tötete Nikolas Cruz, ein ehemaliger Schüler, mit einem halbautomatischen Gewehr 17 Menschen, zumeist Schüler. 15 weitere Menschen wurden verletzt, fünf von ihnen schwer (mehr über den Tathergang erfahren Sie hier). Die Ermittler nahmen Cruz kurz nach der Tat fest. Sie werfen ihm Mord in 17 Fällen vor.

Wie sehr die Stadt unter Schock steht, zeigen erste Reaktionen aus dem 30.000-Einwohner-Ort. "Unser Bezirk ist in einem fürchterlichen Zustand von Trauer und Leid", sagte der Chef des Schulbezirks Parkland, Robert Runcie. "Das ist ein grauenhafter Tag für uns." Ähnlich äußerte sich der örtliche Sheriff: "Das ist eine Katastrophe", sagte Scott Israel, "dafür gibt es wirklich keine Worte."

In der Kritik steht nun auch die Politik. Die Regierung müsse endlich etwas unternehmen, sagte Lehrerin Melissa Falkowski, die an der Schule unterrichtet, dem Sender MSNBC. Die Sicherheitsvorschriften für Notfälle seien in diesem Fall sehr hilfreich gewesen. Trotzdem könnten 17 Menschen nun nicht zu ihren Familien heimkehren, sagte sie unter Tränen - das könne man nicht einfach hinnehmen.

Video: Lehrerin Melissa Falkowski im Interview

"Es ist Zeit, dass der Kongress, die Regierung, irgendjemand etwas unternimmt", sagte Falkowski mit tränenerstickter Stimme. "Und es ist Zeit darüber zu reden, was das Problem ist, um es dann zu lösen." Sie werde nun nach Hause gehen und ihrem siebenjährigen Sohn erklären müssen, was ein paar Straßen von seiner Grundschule entfernt passiert sei.

Auch viele Politiker zeigten sich entsetzt. Der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut ging mit der politischen Klasse hart ins Gericht: "Das passiert nirgendwo sonst, außer in den Vereinigten Staaten", sagte er und sprach von einer "Epidemie von Massentötungen".

Allein im noch jungen Jahr 2018 habe es in den USA 19 Vorkommnisse mit Schusswaffen an Schulen gegeben: "Wir alle sind für diese Tragödien mitverantwortlich", sagte Murphy. "Das passiert nicht durch Zufall, nicht durch Unglück, sondern als Konsequenz aus unserer Untätigkeit."

SPIEGEL ONLINE (Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL); Foto: Google Earth)

Murphys Kritik richtet sich gegen die konservativen Republikaner, die an der Seite der Waffenlobby seit Jahren Einschränkungen beim äußerst liberalen US-Waffenrecht ablehnen. Die Demokraten hingegen fordern strengere Gesetze.

Dafür plädieren auch Experten wie der Rechtsprofessor Richard W. Painter. Dass der Schütze von Parkland ein Gewehr vom Typ AR-15 für seine Tat genutzt habe, eine der bevorzugten Waffen von Amokschützen in den USA, ist demnach nicht überraschend. In vielen Bundesstaaten ist die AR-15 relativ problemlos für einige Hundert Dollar zu kaufen, wie Painter sagte: "Für einen 19-Jährigen in Florida ist es wahrscheinlich schwieriger, ein Bier zu bekommen als eine solche Waffe."

In die Debatte mischen sich auch Prominente ein. "Drei der zehn schlimmsten Massenschießereien in der US-Geschichte haben sich in Ihrem ersten Jahr ereignet, Herr Präsident", twitterte der britische TV-Moderator Piers Morgan an die Adresse von US-Präsident Donald Trump: "Was werden Sie dagegen unternehmen?" Die Schauspielerin Bette Midler schrieb in Richtung US-Kongress: "Herzlichen Glückwunsch an die rückgratlosen Feiglinge, die nichts tun, um uns zu helfen, diese schreckliche Epidemie einzudämmen."

Trump, ein Befürworter des freien Zugangs zu Schusswaffen, ließ sich nach Angaben des Weißen Hauses über die Lage in Florida unterrichten. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Betroffenen", hieß es in einer Stellungnahme - diese Worte sind angesichts der Vielzahl solcher Gewalttaten fast schon zur Phrase verkommen.

Auf Twitter teilte Trump mit, er werde für die Opfer beten. Zudem schrieb er: "Kein Kind, kein Lehrer und niemand anderes sollte sich jemals in einer amerikanischen Schule unsicher fühlen müssen."

mxw/AP/Reuters/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.