15-Jähriger nach Prügelei gestorben Angeklagte zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt

Der 15-jährige Maurice K. wurde in der Innenstadt von Passau zu Tode geprügelt. Nun hat das Landgericht vier Angeklagte für schuldig befunden. Ein Schläger soll für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Landgericht Passau
DPA

Landgericht Passau


Ein Dreivierteljahr nach dem gewaltsamen Tod des 15-jährigen Schülers Maurice K. in Passau sind die Urteile gefallen: Einer der Angeklagten soll für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Passau erklärte den 25-Jährigen unter anderem der vorsätzlichen Körperverletzung und fahrlässigen Tötung für schuldig.

Die anderen drei Angeklagten, allesamt Deutsche, bekamen Bewährungsstrafen - in einem Fall von einem Jahr und neun Monaten, in zwei Fällen von jeweils einem Jahr. Der Hauptvorwurf lautete Körperverletzung. Ob Staatsanwaltschaft und Verteidigung Rechtsmittel einlegen, ist offen.

Maurice K. hatte sich im April 2018 mit einem der Angeklagten zu einer Schlägerei verabredet. Laut Anklage mischten sich Umstehende ein, die Situation eskalierte. Der 15-Jährige wurde tödlich verletzt, er erstickte nach einem Nasenbeinbruch an seinem eigenen Blut. Anfangs waren sechs Verdächtige angeklagt; gegen zwei wurden die Verfahren eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche Freiheitsstrafen zwischen drei Jahren sowie vier Jahren und drei Monaten gefordert, in einem Fall zwei Jahre ausgesetzt zur Bewährung.

"Im Zweifel für die Angeklagten"

Die Verteidiger sahen lediglich bei zwei der Angeklagten gefährliche Körperverletzung als gegeben an. Aus Sicht der Verteidigung wäre bei einem Angeklagten eine Haftstrafe und bei zwei Angeklagten Freispruch angemessen gewesen. Der vierte Angeklagte sollte nach dem Willen seines Anwalts Sozialstunden leisten und in einer Jugendeinrichtung bleiben.

"Im Zweifel für die Angeklagten", sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Raab-Gaudin zum Ende eines gut zweimonatigen Prozesses. Das Gericht machte den inzwischen 16-jährigen Kontrahenten und den 25-jährigen Angeklagten als Haupttatverdächtige aus. Einer der beiden habe wohl den entscheidenden Schlag ausgeführt, sagte die Vorsitzende Richtern. Jedoch lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, wer von ihnen.

Nach Überzeugung des Gerichtes hatten sich die 15 und 17 Jahre alten Angeklagten in den Kampf eingemischt. Ihr 25-jähriger Cousin sei dann mit zwei brutalen Schlägen dazwischen gegangen, einer gegen den Kopf und einer in den Bauch - das hätten auch Zeugen so ausgesagt. Von dem Moment an sei Maurice benommen und nicht mehr zur Gegenwehr fähig gewesen.

"Da mischt sich ein durchtrainierter, überlegener Erwachsener in einen Kampf ein"

Danach schlug der eigentliche Kontrahent wieder zu, mehrere Schläge gegen den Kopf. Maurices Reflexe seien ausgeschaltet gewesen, er habe zwar Blut eingeatmet, aber nicht mehr ausgehustet. Er habe mit dem Rücken zu einer Wand gestanden, die Arme nur noch kurz gehoben und dann die Hände sinken lassen. Keine Abwehr mehr.

Dem 25-Jährigen legt das Gericht unter anderem vorsätzliche Körperverletzung, fahrlässige Tötung und die Beteiligung an einer Schlägerei zur Last. Mit seinen Schlägen sei das Bewusstsein des Opfers bereits getrübt worden. Der 16-Jährige habe sich der vorsätzlichen Körperverletzung sowie Beteiligung an einer Schlägerei strafbar gemacht. Zudem habe er später Polizisten angegriffen und beleidigt. Die weiteren Angeklagten verurteilt das Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei.

Nach der Schlägerei brüstete sich der 25-Jährige noch mit einer Botschaft in sozialen Netzwerken: "Ich habe einen k.o. geschlagen." Dass sich der junge Mann mit derartig brutalen Schlägen gegen Maurice richtete, sei völlig unverhältnismäßig gewesen, so das Gericht. "Da mischt sich ein durchtrainierter, überlegener Erwachsener in einen Kampf ein."

Nicht nachvollziehbar war für das Gericht das Verhalten des Kontrahenten von Maurice nach der Tat. Als die Polizei T-Shirt und Hose des Schülers zur Spurensicherung sicherstellen wollte, griff dieser die Beamten heftig an und überzog sie demnach mit übelsten Beleidigungen: "Das ist ja wohl der Hammer: Da führt sich ein 15-jähriger Schüler dermaßen auf, dass Polizisten zu sechst eingreifen mussten, um ihm T-Shirt und Hose auszuziehen."

Positiv rechnete das Gericht den vier Angeklagten an, dass sie in ihren - unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragenen letzten Worten - Bedauern gezeigt hätten. Da hätten sie ihre Coolness abgelegt, sagte die Richterin. Die letzten Worte seien teilweise sehr eindringlich und emotional gewesen. Der Jüngste habe gesagt, immer an die Mutter von Maurice denken zu müssen, weil er sich frage, wie es seiner eigenen Mutter gehen würde, wenn er gestorben wäre.

wit/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.