Maik Mahlow Angeblicher PC-Fritz-Millionär packt über Hintermänner aus

Er gab sich todkrank und feierte mit seiner Firma PC Fritz rauschende Promotionpartys. Dann wurde Maik Mahlow wegen des Verdachts auf Urheberrechtsverstöße festgenommen. Nach Informationen von SPIEGEL TV hat er über seine Hintermänner ausgepackt.

Von Thomas Heise

Stephan Pick/ Maik-Mahlow.de

Oliver Pocher fühlt sich sichtlich wohl: Lauter leicht bekleidete Mädchen umschwirren ihn, der Beat wummert aus den Boxen, Fotografen knipsen um die Wette. Eine Promotionsparty im Sommer 2013 in Leipzig. Außer Pocher treiben sich noch RTL-Promis wie Joey Heindle auf dem Event herum. Sie sollen die Produkte von PC Fritz öffentlichkeitswirksam bekannt machen. Neben dem für mindestens 10.000 Euro angemieteten Pocher steht an diesem Tag auch der Geschäftsführer des Unternehmens: Maik Mahlow, blaues Shirt, Glatze, angeblich Millionär und angeblich schwer krebskrank.

Mahlow hat es dank seiner Geschichte innerhalb kürzester Zeit zu einiger Berühmtheit gebracht: Er war der flippige Ossi, der auszog, Millionär zu werden; der krebskranke Unternehmer, der sich von der Krankheit nicht stoppen lässt und mit billiger Software große Gewinne macht. Doch wie sich mittlerweile herausstellt, war offenbar nicht nur die Ware gefälscht. Sondern auch die Geschichte von Maik Mahlow.

Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt seit Mai 2013 gegen PC Fritz wegen Urheberrechtsverletzungen. Der US-Softwaregigant Microsoft hatte den Online-Händler angezeigt, der zum Beispiel Windows 7 für den Dumpingpreis von 19,90 Euro verkaufte. Vermutlich handelt es sich um einen der größten Fälle von Software-Piraterie der vergangenen zehn Jahre. Teilweise lagen die Preise, die PC Fritz für Software-Produkte auf verschiedenen Internetplattformen verlangte, 70 Prozent unter den offiziellen Preisen. Woher die Software und die dazugehörigen Produktschlüssel stammen, versucht die Staatsanwaltschaft Halle unter dem Aktenzeichen 506 Js 15467/13 zu klären. Der Verdacht: Alles wurde im großen Stil mit jeder Menge krimineller Energie gefälscht.

"Ich werde sterben! Na und?"

Zum Geschäftsmodell gehörte offenbar auch die angebliche Erkrankung des Firmenchefs. Im vergangenen Sommer gaben Mahlow und seine Partner richtig Gas. Man wollte schnell wachsen, dafür brauchte man die Medien, die brauchten wiederum eine Story - und die vom krebskranken Millionär zog richtig gut. So suchte Mahlow auf VOX in "mieten, kaufen, wohnen" ein edles und gerne sündhaft teures Dach über dem Kopf für ein paar tausend Euro Miete pro Monat.

Mahlow ging auf Party-Tournee. Auf seinem T-Shirt stand: "Ich werde sterben! Na und?" Auch der Boulevard ging dem angeblich Todgeweihten auf den Leim. Laut "Hamburger Morgenpost" ist Mahlow "an einem Liposarkom erkrankt, einem seltenen bösartigen Tumor des Weichgewebes". Die Masche zog, PC Fritz wurde schnell bekannt, der Verkauf via Ebay und Amazon boomte.

Wegen der Dumpingpreise bei PC Fritz brach bei Microsoft in Deutschland der Verkauf von Windows 7 ein. Eine Detektei sollte im Auftrag der US-Firma ermitteln, woher Mahlow und Co. die Microsoft-Produkte hatten. Schließlich wurden Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Nach monatelangen Ermittlungen gelang im April dieses Jahres wohl der Durchbruch. Die Zahl der Beschuldigten ist auf elf angewachsen, drei von ihnen wurden verhaftet. In den Haftbefehlen ist von mindestens drei Millionen Euro Umsatz die Rede. Als einer der Drahtzieher gilt der 30-jährige Firat Cagac, der mit Yves Wiemann sofort einen der jungen cleveren Ku'damm-Anwälte engagierte. Wiemann will sich zum Verfahren nicht äußern. "Ich kenne noch nicht alle Unterlagen", teilte er mit.

Am 30. April wurde auch Mahlow festgenommen. Ein anonymer Hinweisgeber hatte ihn verpfiffen, als er seine Schwester besuchte. In seiner ersten Vernehmung ließ er sich nach Informationen von SPIEGEL TV umfassend ein, packte über die Vertriebswege und die Hintermänner aus. Er sei nur ein Strohmann gewesen, erklärte Mahlow. Die Sache mit dem Krebs habe angeblich Cagac erfunden, um das Marketing anzukurbeln. Im Übrigen habe er schon vor Monaten aussteigen wollen, doch Cagac und Co. hätten ihm während einer Geschäftsreise gedroht: Sollte er von der Fahne gehen, würden sie ihm erst einen Finger abschneiden, dann den Arm brechen und ihn anschließend erschießen. Er habe protestiert, so Mahlow, woraufhin einer seiner "Geschäftsfreunde" ihn mit einem Fausthieb zu Boden geschlagen habe.

Mahlow ist inzwischen abgetaucht. Er hat große Angst, denn bis auf Cagac sind seine ehemaligen Partner wieder auf freiem Fuß.


Mehr zu Maik Mahlow und PC Fritz im SPIEGEL TV Magazin an diesem Sonntag um 22.15 Uhr auf RTL.



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