Philippinen: Polizei beendet Bus-Geiseldrama

Mehr als zehn Stunden hielt er seine Opfer in der Gewalt. Jetzt hat die Polizei in Manila die Geiselnahme in einem Touristenbus beendet. Der Kidnapper, ein entlassener Polizist, soll tot sein. Unklar ist, wie viele Urlauber das Drama überlebten.

AFP

Manila - Nach mehr als zehn Stunden ist das Geiseldrama von Manila beendet. Der Polizei ist es gelungen, den Touristenbus zu stürmen, den ein ehemaliger Polizist in der philippinischen Hauptstadt in seine Gewalt gebracht hatte. Der Kidnapper ist nach Polizeiangaben tot. Wie viele der 15 Geiseln, die während der Stürmung noch im Bus waren, überlebt haben, war zunächst unklar.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie einige Geiseln aus dem Bus kletterten. Nach Informationen von CNN sollen mindestens sieben Menschen überlebt haben und zwei Geiseln gestorben sein.

Fernsehstationen übertrugen live, wie die Polizei den Bus stürmte. Bewaffnete Spezialeinheiten rannten zu dem Bus, in dem ein ehemaliger Polizist seit Stunden mehrere Menschen in seiner Gewalt hält. Es dauerte jedoch fast eine Stunde, bis das Spezialteam den Bus gestürmt hatte. Zunächst mühten sich die Einsatzkräfte vergeblich, die Fenster und Türen des Busses einzuschlagen.

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Geiselnahme in Philippinen: Polizei stürmt den Bus
Zuvor waren aus dem Fahrzeug Schüsse zu hören gewesen. Der Geiselnehmer habe mit seinem Sturmgewehr vom Typ M16 auf die Geiseln geschossen, sagte der Polizeichef von Manila, Leocadio Santiago, CNN.

Informationen aus dem Bus hatte die Polizei nach eigenen Angaben von dem Busfahrer. Diesem sei es gelungen, während des Schusswechsels zu entkommen, sagte Santiago. Laut CNN sagte der philippinische Busfahrer den wartenden Journalisten, alle Insassen seien tot. Die Polizei hat nach eigenen Angaben keinen Kontakt mehr zu dem Entführer. Dieser sei zuletzt nicht mehr zur Kooperation bereit gewesen.

Der Ex-Polizist Rolando M. hatte in der Nacht auf Montag in der philippinischen Hauptstadt Manila einen Touristenbus in seine Gewalt gebracht - um seine Wiedereinstellung zu erpressen. Zunächst waren laut Polizei 25 Menschen an Bord, überwiegend Touristen aus Hongkong. Im Laufe des Vormittages ließ der Kidnapper zehn Geiseln frei.

Zuerst durften zwei Frauen gehen, dann folgten eine Mutter mit drei Kindern sowie ein aus Hongkong stammender Reiseleiter, sagte Kriminalhauptkommissar Rodolfo Magtibay. Später seien zwei ältere und kranke Männer freigelassen worden.

Die Polizei setzte zunächst auf Verhandlungen mit dem Geiselnehmer. Fernsehbilder zeigten, wie ein Vermittler in orangefarbenem T-Shirt immer wieder zu dem Bus lief und mit dem Entführer verhandelte. Außerdem war ein Bruder des Mannes als Vermittler eingesetzt worden.

Der Geiselnehmer wollte nach Angaben der Polizei seine Wiedereinstellung erpressen. Rolando M. war demnach im vergangenen Jahr entlassen worden. Zeitungsberichten zufolge war er zusammen mit vier weiteren Polizisten wegen Raubes, räuberischer Erpressung und gefährlicher Bedrohung für schuldig befunden worden. Ein Hotelmanager hatte die Männer angezeigt, nachdem die Polizisten ihn fälschlicherweise des Drogenmissbrauchs bezichtigt hatten, um Geld von ihm zu erpressen.

Sein Bruder sei wütend über seine Behandlung bei der Polizei und die Entlassung, so Gregorio M., der Bruder des Geiselnehmers: "Er war enttäuscht, dass er für ein Verbrechen entlassen wurde, das er nicht begangen hat, obwohl er seinen Dienst stets so gut erfüllt hat." Es habe kein richtiges Verfahren gegeben, keine Anhörung, keine Beschwerde, sagte der Bruder des Kidnappers dem Sender ANC.

siu/Reuters

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