Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Fehlerhafte Brustimplantate: Betroffene scheitert mit Schadensersatzklage

Entfernung eines minderwertigen Implantats: Klage abgewiesen Zur Großansicht
DPA

Entfernung eines minderwertigen Implantats: Klage abgewiesen

Wegen minderwertiger Brustimplantate forderte eine Frau aus Baden-Württemberg Schadensersatz. Unter anderem beschuldigte sie ihren Arzt, sie nicht ausreichend informiert zu haben. Das Landgericht Karlsruhe lehnte die Klage ab.

Karlsruhe - Im Kampf um Schadenersatz wegen minderwertiger Brustimplantate hat das Landgericht Karlsruhe die Klage einer Frau abgewiesen. Der Arzt habe seine Aufklärungspflicht nicht verletzt, hieß es im Urteil.

Jahrelang hatte der französische Hersteller Poly Implant Prothèse (PIP) die Kissen mit billigem Industriesilikon gefüllt. Diese waren 2007 auch der Klägerin aus dem baden-württembergischen Waghäusel eingesetzt worden. Vor dem Landgericht Karlsruhe forderte sie nun eine Entschädigung von 30.000 Euro. Auch, weil sie ihrem Arzt mangelnde Aufklärung vorwirft.

Ebenfalls angeklagt waren der PIP-Pflichtversicherer Allianz France und der für die Prüfung der Kissen zuständige TÜV Rheinland. PIP ist mittlerweile insolvent. Von dem Skandal sind bundesweit rund 5000 Frauen betroffen; im Südwesten mehrere Hundert.

Die Klägerin will jetzt vor das Oberlandesgericht ziehen. Auch andere Schadensersatzklagen betroffener Frauen gegen Ärzte oder den TÜV blieben in Deutschland bislang ohne Erfolg. Ein weiterer Fall ist vor dem Bundesgerichtshof anhängig.

(Az.: 2 O 25/12)

gam/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ewig grüßt das Murmeltier
kumi-ori 25.11.2014
Man kann den TÜV nicht wegen Implantate verklagen, man kann es aber immer wieder versuchen. Der TÜV prüft nicht das einzelne Implantat, sondern den Herstellungsprozess so wie er vom Antragsteller eingereicht worden ist. Wenn PIP das Herstellungsverfahren ändert oder andere Ausgangsmaterialien verwendet, dann gilt die Zertifizierung durch den TÜV nicht mehr und PIP war nicht berechtigt, das CE-Siegel auf seinen Produkten anzubringen, vielmehr handelt es sich um Urkundenfälschung seitens PIP.
2. Wie hätte der Arzt warnen sollen?
noalk 25.11.2014
"Liebe Patientin, wenn der Implantathersteller wider Erwarten mangelhafte Implantate, die für mich nicht als solche zu erkennen sind, liefern sollte, kann das für Sie alle möglichen Folgen haben."
3. recht wenig Prüfung...
fliegender-robert 25.11.2014
Zitat von kumi-oriMan kann den TÜV nicht wegen Implantate verklagen, man kann es aber immer wieder versuchen. Der TÜV prüft nicht das einzelne Implantat, sondern den Herstellungsprozess so wie er vom Antragsteller eingereicht worden ist. Wenn PIP das Herstellungsverfahren ändert oder andere Ausgangsmaterialien verwendet, dann gilt die Zertifizierung durch den TÜV nicht mehr und PIP war nicht berechtigt, das CE-Siegel auf seinen Produkten anzubringen, vielmehr handelt es sich um Urkundenfälschung seitens PIP.
Nun ja, "... sondern den Herstellungsprozess so wie er vom Antragsteller eingereicht worden istt. ..." Das klingt nach recht wenig "Prüfung"! Gab es keine Blindkäufe auf dem freien Markt, keine Stichproben beliebiger Chargen aus dem Lager und von Rückstellproben? Keine Kontrolle der Einkaufsbelege? (Wenn sie pro forma eine kleine Menge med. Silikon eingekauft haben, jedoch eine riesige Menge Industriesilikon - hätte dies nicht bei der "Prozesskontrolle auf dem Papier" bemerkt werden können?) Welchen Sinn hat eine terminlich angekündigte Vor-Ort-Kontrolle? Mir scheint, der Name TÜV leuchtet doch heller, als der Inhalt... Und auch der Hersteller + Lieferant des Industriesilikons redet sich nett heraus. Was soll sich der Schlachthof denken, der jeden Tag Schweinehälften an eine Firma für vegetarische Würstchen liefert... Ich denke, das blinkte bei allen nur das $$$-Zeichen in den Augen.
4. Egal
Herr Hold 26.11.2014
"Die Klägerin will jetzt vor das Oberlandesgericht ziehen. Auch andere Schadensersatzklagen betroffener Frauen gegen Ärzte oder den TÜV blieben in Deutschland bislang ohne Erfolg." Egal, auch wenn es aussichtslos ist, man versucht es trotzdem? Da scheint, neben dem vermeintlichen Brust-Defizit, noch ein anderes Problrm zu bestehen.
5. Zeitgeist
penie 26.11.2014
Anscheinend muß, egal was passiert, immer jemand gefunden werden, der für einen Schaden finanziell geradestehen muß. Ist der eigentlich Schuldige im Knast, wird eben ein Waffenhersteller verklagt. Ist die verantwortliche Firma insolvent, eben TÜV und Ärzte. Ekelhaft!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Medizinprodukte: Risiko mit System


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: