Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Piratenangriff im Golf von Aden: Verdächtiger Somalier in Sachsen-Anhalt festgenommen

Von

Piraten vor somalischer Küste (Archivbild): 70 Tage hielten die Entführer die Besatzung als Geiseln Zur Großansicht
REUTERS/ U.S. Navy

Piraten vor somalischer Küste (Archivbild): 70 Tage hielten die Entführer die Besatzung als Geiseln

Vor drei Jahren brachten Piraten den Frachter "Susan K" in ihre Gewalt, sie kassierten später 3,5 Millionen Euro Lösegeld. Nun wurde ein Verdächtiger in Sachsen-Anhalt festgenommen. Dem Asylbewerber wurde ein Fingerabdruck zum Verhängnis.

Hamburg - Die Polizei hat in Eisleben (Sachsen-Anhalt) einen Asylbewerber aus Somalia festgenommen, der im Verdacht steht, 2011 an der Entführung des Frachters "Susan K" vor der Küste Omans beteiligt gewesen zu sein.

Das unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Schiff war auf dem Weg vom indischen Mumbai nach Sudan am 7. April 2011 im Golf von Aden rund 35 Seemeilen vor der Küste Omans gekapert worden. Rund ein Dutzend Piraten hatten das Schiff angegriffen und in ihre Gewalt gebracht. Wegen ihrer niedrigen Bordwand war die "Susan K", die der Reederei Nimmrich & Prahm aus dem ostfriesischen Leer gehört, ein leichtes Opfer für die Freibeuter.

An Bord des Schiffes befanden sich zehn Seeleute, sechs von den Philippinen und vier aus der Ukraine. Die deutsche Fregatte "Niedersachsen", die im Rahmen der Operation "Atalanta" in den Gewässern patrouillierte, hatte zwar den Notruf der Besatzung aufgefangen, konnte dem Schiff aber nicht rechtzeitig zur Hilfe eilen. Die Fregatte befand sich zu diesem Zeitpunkt rund hundert Seemeilen vom Ort des Überfalls entfernt.

Geldübergabe per Charterflug

Als sie endlich eintraf, war die Besatzung bereits in der Gewalt der Piraten. Eine Befreiungsaktion schied wegen der damit verbundenen Gefahr für Leib und Leben der Seeleute aus. So musste die Bundesmarine wieder einmal zusehen, wie die Piraten mit ihrer Beute in somalische Gewässer fuhren.

70 Tage blieb die "Susan K" in der Gewalt somalischer Piraten. Die Besatzung blieb körperlich unverletzt, durchlitt aber ein seelisches Martyrium. Piraten setzen ihre Geiseln erheblich unter Druck, um die Reederei zur Zahlung zu bewegen und den Preis hochzutreiben. Schließlich war die Reederei bereit, rund 3,5 Millionen Euro Lösegeld zu bezahlen.

Das Geld wurde in bar zum Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel gebracht, ein Falcon Jet eines Charterunternehmens aus Baden-Baden brachte es nach Port Sudan, wo es in eine Propeller-Maschine umgeladen wurde. Solche Flugzeuge können deutlich langsamer fliegen als ein Jet, was für einen zielgerichteten Abwurf der Millionen nötig war.

Nachdem der Frachterfreigelassen und in einen sicheren Hafen gebracht wurde, sicherten deutsche Polizisten routinemäßig Spuren auf dem Schiff. Ein Fingerabdruck wurde dem Somalier nun zum Verhängnis. Als Asylbewerber musste er ebenfalls einen Fingerabdruck abgeben. Und der erwies sich beim automatischen Abgleich mit der zentralen Spurendatei im Bundeskriminalamt als Treffer. Der Somalier, der sein Alter mit 20 angab, kam in Untersuchungshaft. Die Polizei wollte sich zu der Festnahme nicht äußern.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Fotostrecke: Piraten am Horn von Afrika

SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: