Piratenprozess in Osnabrück Anklage fordert zwölfeinhalb Jahre Haft

In Osnabrück steht der Prozess gegen einen mutmaßlichen somalischen Piraten vor dem Ende: Der Mann soll an der Entführung des Tankers "Marida Marguerite" beteiligt gewesen sein. Unklar ist jedoch, welche Rolle genau er bei der Tat gespielt hat.

Angeklagter (M.), Anwalt (r.) und Übersetzer: Piratenprozess in Osnabrück
DPA

Angeklagter (M.), Anwalt (r.) und Übersetzer: Piratenprozess in Osnabrück


Osnabrück - Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess gegen einen mutmaßlichen somalischen Piraten eine Haftstrafe von zwölfeinhalb Jahren gefordert. Der Verteidiger des 44-Jährigen plädierte hingegen vor dem Landgericht Osnabrück auf eine Haftstrafe von maximal sieben Jahren.

Der Angeklagte muss sich für die achtmonatige Entführung des Tankers "Marida Marguerite" vor der somalischen Küste im Jahr 2010 verantworten. Er soll ein führendes Mitglied der Piratenbande gewesen sein. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

Die Anklage wirft dem Mann schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub sowie banden- und gewerbsmäßiger Erpressung vor. Uneinigkeit bestand zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung in der Bewertung der Aussage eines früheren Besatzungsmitglieds des Tankers.

"Es hat keinen freien Zugang zu Beweismitteln gegeben"

Der Zeuge hatte in der vergangenen Woche den Angeklagten als Mitglied der Kommandantenriege der Piraten beschrieben. Diese Behauptung habe keiner der anderen drei als Zeugen gehörten Besatzungsmitglieder aufgestellt, sagte Anwalt Jens Meggers. "Darauf kann sich keine Verurteilung stützen."

Staatsanwalt Jörg Schröder räumte ein, dass es sich um ein Verfahren am Rande der rechtsstaatlichen Möglichkeiten gehandelt habe. Die Tat geschah 6000 Kilometer von Deutschland entfernt, die Besatzung bestand aus Seeleuten aus Indien, Bangladesch und der Ukraine, die Täter waren Somalier. "Es hat keinen freien Zugang zu Beweismitteln gegeben", schilderte Schröder die schwere Ermittlungsarbeit.

Weil der Angeklagte nicht zum Angriffsteam der Piraten gehörte und nicht an den Folterungen der Besatzungsmitgliedern beteiligt war, ließ der Staatsanwalt den ursprünglich erhobenen Vorwurf des Angriffs auf den Schiffsverkehr und der gefährlichen Körperverletzung fallen. Der mutmaßliche Pirat war im vergangenen Mai bei seiner illegalen Einreise nach Deutschland festgenommen worden.

wit/dpa



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20099 17.04.2014
1. optional
Illegale Einreise ist gut! Der Mann hat politisches Asyl in D beantragt! - Übrigens: im Hamburger Piraten Prozess hat sich folgender Dialog abgespielt. Richter: wann wurden wie geboren? Angeklagter somalischer Pirat: im Sommer! Richter: und wo? Angeklagter: unter einem Baum! - Da treffen offensichtlich Welten aufeinander!
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