Massaker in US-Synagoge Verbrechen aus Hass

Elf Menschen wurden ermordet, "einfach nur wegen ihres Glaubens": Ermittler haben neue Erkenntnisse zum Massaker in einer Synagoge in Pittsburgh mitgeteilt. Der Bürgermeister richtete eine emotionale Botschaft an die Bürger.

Die "Tree of Life"-Synagoge nach dem Attentat
AFP

Die "Tree of Life"-Synagoge nach dem Attentat


Der mutmaßliche Todesschütze von Pittsburgh wünscht allen Juden den Tod. Das geht aus Unterlagen der Ermittler hervor, die am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) veröffentlicht wurden. Robert B. habe Polizisten gesagt, die Juden verübten einen Genozid "an meinen Leuten" und er wolle, dass alle Juden sterben. Wen genau B. mit "meinen Leuten" meinte, ist unklar. Robert B. habe Aussagen über Genozid und seinen Wunsch, Juden zu töten gemacht, sagte Staatsanwalt Scott Brady.

Das Dokument erhärtet den Verdacht, dass B. sich gezielt eine Synagoge als Ort für sein Massaker aussuchte. Dem 46-Jährigen wird vorgeworfen, acht Frauen und drei Männer getötet zu haben. Nach einem Schusswechsel mit Polizisten schaffen es die Einsatzkräfte, ihn zum Aufgeben zu überreden und sich zu ergeben. B. wurde verletzt und ist derzeit im Krankenhaus (mehr über den mutmaßlichen Schützen lesen Sie hier).

Bei einer Pressekonferenz gaben Offizielle weitere Details bekannt. Die Opfer seien "brutal von einem Schützen ermordet worden", sagte Bob Jones vom FBI, "einfach nur wegen ihres Glaubens". Es sei unklar, weshalb diese Synagoge zum Ziel des Angriffs geworden sei. Die Ermittlungsbehörden behandelten die Tat als Hassverbrechen, nicht als terroristischen Akt. Das heißt, sie sehen die Tat individuell begründet und nicht von einer Gruppe organsiert.

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Elf Tote in Pittsburgher Synagoge: Trauer in Squirrel Hill

Bei der Pressekonferenz wurden die Namen und das Alter der Opfer bekanntgegeben. Die Toten sind 54 bis 97 Jahre alt, darunter ein Brüderpaar sowie Eheleute.

Aufnahmen der Rettungsdienste lassen erahnen, wie unübersichtlich die Lage war und welche Todesängste die Menschen in der Synagoge ausgestanden haben müssen. Die Tür der Synagoge war am Sabbat offen - deshalb konnte der Schütze ungehindert das Gebäude betreten. In dem Gebäude waren drei Gemeinden, die Gottesdienste feierten.

Die ersten Notrufe gingen am Samstagvormittag gegen 10 Uhr Ortszeit ein. B. schoss einen der ersten beiden Polizisten vor Ort in die Hand, der andere wurde durch ein Schrapnell und Glassplitter verletzt. B. verschanzte sich den Aufnahmen zufolge im dritten Stockwerk der "Tree of Life"-Synagoge. Dort schoss er mehrfach auf Polizisten. Schließlich schafften die Einsatzkräfte es, ihn zum Aufgeben zu bewegen.

Insgesamt wurden sechs Personen verletzt, darunter vier Polizisten. Einer wurde bereits aus dem Krankenhaus entlassen, ein weiterer wird heute möglicherweise folgen. Zwei andere müssten noch eine Weile im Krankenhaus bleiben, hieß es bei der Pressekonferenz. Zwei weitere Personen in der Synagoge - eine Frau und ein Mann - erlitten ebenfalls Verletzungen, ihr Zustand sei aber stabil.

Im Video: Polizei veröffentlicht Audiomittschnitt

Pittsburghs Bürgermeister Bill Peduto sprach vom "dunkelsten Tag in Pittsburghs Geschichte". Er dankte aber auch den Einsatzkräften und appellierte an das Gemeinschaftsgefühl in der Stadt. Pittsburgh habe Krisen immer durchgestanden, indem man zusammengearbeitet habe. "Wir als Gesellschaft sind besser als das. Wir wissen, dass der Hass nicht gewinnen wird."

Peduto betonte, das traditionell jüdische Viertel Squirrel Hill, wo die "Tree of Life"-Synagoge liegt, zeichne sich durch die Vielfalt seiner Bewohner aus - eine Eigenschaft, die es besonders beliebt gemacht hätte. Peduto: "Die Leute wollen dort leben, eben weil es diese Diversität gibt."

Die Vorwürfe gegen B. umfassen 29 Punkte, ihm werden Hassverbrechen vorgeworfen. Das Massaker ist laut der Organisation Anti-Defamation League der wahrscheinlich opferreichste Angriff auf die jüdische Gemeinde in der Geschichte der USA. Nur eine Woche vor den Halbzeitwahlen hat die Tat zudem die Debatte über Waffenbesitz und Kontrollgesetze neu angefacht.

US-Präsident Donald Trump sagte, mit bewaffnetem Wachpersonal wäre die Sache womöglich anders ausgegangen. Bürgermeister Peduto erteilte der Idee eine Absage, Kirchen oder Schulen durch bewaffnete Wachen zu sichern. Stattdessen plädierte er indirekt für schärfere Waffengesetze: "Wir sollten uns fragen, wie wir die Waffen aus den Händen derer nehmen, die sich irrational verhalten." Auch Pennsylvanias Gouverneur Tom Wolf sagte, wieder einmal hätten gefährliche Waffen Bürger in Gefahr gebracht.

Zahlreiche Politiker zeigten sich entsetzt über die Tat. Papst Franziskus sagte in Rom, "wir alle sind durch diesen unmenschlichen Gewaltakt verletzt". (Weitere Reaktionen lesen Sie hier.)

ulz/cbu/AP

insgesamt 114 Beiträge
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rrippler 28.10.2018
1. Schöne neue virtuelle Realität
Wer seine virtuelle Karriere bereits im Vorschulalter mit Tablet und TV beginnt, landet später bei der Spiele- und Videosucht. Und da die Reize allmählich abstumpfen, braucht es immer stärkere Dosen, und das endet zwangsläufig bei Gewalt-Spielen und -Videos. Und wenn selbst das keinen Adrenalin-Schub mehr bringt, dann gibts nur noch die Realität. Und wie das endet, sieht man jetzt wieder in den USA bei dem Briefbomben-Versender und dem Massaker in der Synagoge in Pennsylvania. Ich bin überzeugt, daß das ganz liebe Kinder gewesen und gute Erwachsene geworden wären, wenn sie nicht von klein auf von den Eltern mit dem elektronischen Schnuller ruhig gestellt worden wären. Seltsamerweise sind Gewalt-Spiele mittlerweile salonfähig geworden, der SPIEGEL online bringt regelmäßig Kritiken von derlei Spielen - vielleicht nicht von den schlimmsten, aber der Damm ist schon mal gebrochen.
Spiegelleserin57 28.10.2018
2. entsetzt!
es ist einfach nur zu verachten was dort geschah! Menschen wegen ihres Glaubens zu verfolgen muss aufhören. Es ist ein Menschenrecht sein seinen Glauben auszuüben ,egal welcher es ist. Bedauerlicherweise werden Menschen immer wieder wegen ihres Glaubens verfolgt und es werden immer wieder Populisten auftreten die diese Taten auch noch befürworten. Extreme verbreiten sich in letzter Zeit auch hier und das obwohl wir alle die letzten Greueltaten doch gut im Gedächtnis haben. Dies soll auch ein Aufruf sein für alle Menschen in Frieden miteinander zu leben und NICHT nach der Religion des anderen zu schauen und ihn deswegen zu verurteilen.
hardeenetwork 28.10.2018
3. Trump säht den Hass
Und unschuldige Amerikaner kommen dadurch grausam zu Tode. Und wenn er bei den Midtherms im November nicht zu stoppen ist, wird dieses Massaker nur der Anfang sein.
senapis 28.10.2018
4. Zu enger Blickwinkel...
Nein Herr Trump, hier irren sie. Es müssen nicht noch mehr Waffen vor einem Gotteshaus versammelt sein. Anders herum wird "ein Schuh daraus"! Nehmt den Ignoranten, Verantwortungslosen und Fanatikern die Waffen aus der Hand. Aber auf eine differenzierende Betrachtungsweise beim Potus zu hoffen scheint mir vergebliche Liebesmüh.
ex_berliner 28.10.2018
5. Solange Waffen ueber Menschenleben stehen...
...wird sich hier in den USA an diesen unzumutbaren Zustaenden und an dem taeglichen Morden in Amerikas Staedten nichts aendern. Die groesste Gefahr fuer das Leben der Amerikaner sind ihre schwer bewaffneten Landsleute und diejenigen in Politik und Lobbies, die den Status Quo mit aller Macht verteidigen. Alle Kriege der US-amerikanischen Geschichte zusammen, einschliesslich des Buergerkriegs, haben nicht so viele Amerikaner hingerafft, wie der taegliche Waffenwahn in Amerikas Staedten und Gemeinden. Aber der Mann im Weissen Haus macht Panik ueber ein paar Tausen Migranten, die sich in Mexiko auf dem Weg an die US Grenze befinden. Komplett abgefuckte Welt.
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