Polen Pädophilen droht chemische Kastration

Polen hat härtere Gesetze gegen Kindesmissbrauch auf den Weg gebracht: Als erstes EU-Land will es die sogenannte chemische Kastration erlauben. Der Sexualtrieb von verurteilten Pädophilen und Inzesttätern wird dabei mit Arzneimitteln unterdrückt.


Warschau - In Polen sollen verurteilte Pädophile und Inzesttäter künftig einer sogenannten chemischen Kastration unterzogen werden. Das Unterhaus des polnischen Parlaments votierte am Freitag in Warschau nahezu einstimmig für einen entsprechenden Gesetzesantrag der Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk.

Der Entwurf sieht vor, dass ein verurteilter Pädophiler oder Inzesttäter zur Teilnahme an einer entsprechenden pharmakologischen Therapie gezwungen werden kann. Das Gericht muss dazu die Gutachten von Psychiatern und Sexualforschern berücksichtigen. In der Parlamentskammer votierten 400 Abgeordnete für den Entwurf, es gab eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen. Er muss nun noch vom polnischen Senat verabschiedet werden.

Bei der chemischen Kastration werden mit Arzneimitteln Sexualhormone blockiert, so dass der Sexualtrieb unterdrückt wird. Vergewaltigung Minderjähriger wird in Polen bislang mit Haftstrafen von bis zu zwölf Jahren geahndet, mit dem neuen Gesetz sind bis zu 13 Jahre möglich. Die Gesetzentwurf war eingebracht worden, nachdem im September 2008 ein 45-jähriger Mann festgenommen worden war, der jahrelang seine Tochter missbraucht und mit ihr zwei Kinder gezeugt haben soll.

amz/AFP

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