Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Polizeieinsatz in Toulouse: Belagerung von Haus Nummer 17

Aus Toulouse berichtet

Eine Kalaschnikow, eine Uzi, mehrere weitere Waffen: Seit Stunden hat sich der mutmaßliche Mörder von Toulouse in seiner Wohnung verschanzt. Die Polizei belagert das Haus, in dem sich der 24-Jährige aufhält. Er will sich angeblich bald ergeben.

AP

Toulouse - Es herrscht Ausnahmezustand in der Rue du Sergent Vigné: Seit kurz nach 3 Uhr in der Nacht läuft hier ein Großeinsatz der Polizei gegen den mutmaßlichen Attentäter von Toulouse. Ein 24-Jähriger, der behauptet, zum Terrornetzwerk al-Qaida zu gehören, hat sich schwerbewaffnet in seiner Wohnung im Haus Nummer 17, einem mehrstöckigen Gebäude, verschanzt.

Als ein Spezialkommando in der Nacht eindringen wollte, schoss der Verdächtige durch die Tür auf die Einsatzkräfte, drei Polizisten sollten verletzt worden sein. Seitdem belagern die Beamten das Gebäude in dem ansonsten ruhigen Viertel Cotê Pavée in der Nähe des Bahnhofs.

Es gibt mittlerweile Hoffnung auf ein unblutiges Ende: Der Verdächtige habe angekündigt, sich am Nachmittag ergeben zu wollen, sagte Innenminister Claude Guéant dem Nachtrichtensender BFM. Der Mann habe eine Waffe aus dem Fenster geworfen und seine Absichten einem Polizisten mitgeteilt. "Er hat aber weitere Waffen, darunter eine Kalaschnikow, eine Uzi und diverse Feuerwaffen", sagte Guéant. Der Mann habe mehrfach mit den automatischen Waffen um sich gefeuert.

Präsident Nicolas Sarkozy bestätigte, der Verdächtige sei identifiziert, Namen nannte er allerdings nicht. Laut französischen Medien soll es sich bei dem mutmaßlichen Attentäter um Mohammed Merah handeln, einen Franzosen algerischer Abstammung.

Am frühen Nachmittag meldete der TV-Sender BFM die Festnahme des Verdächtigen - doch der Bericht stimmte offenbar nicht. Innenminister Guéant dementierte die Festnahme.

"Bis an die Zähne bewaffnet"

Das Viertel ist durchzogen von Straßensperren, überall stehen Polizeiautos, Krankenwagen, die Feuerwehr. Hunderte Polizisten belagern die Rue du Sergent Vigné. "Wir sind seit 5 Uhr hier", sagt ein Beamter in Zivil. Er sperrt mit einem Kollegen eine Nebenstraße ab. Etwa hundert Meter Luftlinie sind es bis zum belagerten Gebäude. "Als wir ankamen, wurde noch geschossen", berichtet er. "Es waren 50, 60 Schüsse, schätze ich. Der Täter ist bis an die Zähne bewaffnet."

Fotostrecke

12  Bilder
Toulouse: Ausnahmezustand im Wohnviertel
Die Ermittler sind sich laut dem Innenminister sicher: Es handelt sich um den Mörder, der in Toulouse und Montauban drei Soldaten, einen Lehrer und drei Kinder erschossen hat. Die Justiz wolle ihn lebend festnehmen und vernehmen. Offenbar ist der 24-Jährige auskunftsfreudig: "Dieser Mann hat bereits mehrere Straftaten auf französischem Boden begangen, einige mit Gewalt (...) Er spricht viel, er ist dabei, seinen gesamten kriminellen Weg zu erzählen", so Guéant. Gegen 1 Uhr in der Nacht soll der Mann eine Journalistin des Nachrichtensenders France24 angerufen haben, um sich zu den Angriffen von Toulouse und Montauban zu bekennen - das berichten die Zeitung "Le Monde" und die Nachrichtenagentur AFP. Elf Minuten lang habe der Mann Details seiner Taten geschildert, darunter die Zahl der abgefeuerten Kugeln und den Waffentyp.

Außerdem habe er weitere Taten angekündigt, sagte die Journalistin, sie habe sich sofort an die Polizei gewandt. Der Anrufer sagte demnach, er habe seine Angriffe gefilmt und werde sie demnächst veröffentlichen. Beim Angriff auf die jüdische Schule soll der Täter tatsächlich eine Kamera getragen haben.

Auch der Bruder des Verdächtigen wurde festgenommen. Seine Mutter ist ebenfalls am Einsatzort, weigerte sich aber zunächst, Kontakt zu ihrem Sohn aufzunehmen.

Die Ermittler kamen dem 24-Jährigen laut Guéant via Internet auf die Spur. Der erste Soldat, der getötet wurde, wollte sein Motorrad verkaufen - und geriet so offenbar an seinen Mörder. Ermittler konnten die identifizierte IP-Adresse einem Computer der Mutter des Verdächtigen zuordnen. "Das hat bei den Ermittlungen die Wende eingeleitet", sagte Guéant, der sich ebenfalls am Einsatzort befindet. Die Mutter habe bereits seit längerem wegen ihrer Nähe zu radikalen Salafisten unter Beobachtung der Ermittler gestanden. In anderen Berichten war jedoch die Rede davon, der Computer habe dem Bruder des Verdächtigen gehört.

Auch der Motorroller führte die Polizei zum mutmaßlichen Täter. Ein Yamaha-Händler berichtete von einer verdächtigen Nachfrage: Ein Mann habe sich erkundigt, wie der Chip aus dem Motorroller entfernt werden könne, mit dem das Fahrzeug bei Diebstahl lokalisiert werden kann.

Das Gebäude, in dem sich der Mann verschanzt, liegt nur wenige Kilometer von der jüdischen Schule entfernt, vor der am Montag drei Kinder und ein Rabbiner erschossen wurden. Einer Anwohnerin zufolge befinden sich hauptsächlich günstige Mietwohnungen in dem Haus.

Er behauptet, ein Mudschahidin zu sein

Der Verdächtige habe der Polizei gesagt, er habe seine Taten begangen, um palästinensische Kinder zu rächen, so Guéant. Der mutmaßliche Täter soll einige Zeit in Pakistan und Afghanistan zugebracht haben. Er habe erklärt, dass er zum Terrornetzwerk al-Qaida gehöre, er habe auch die französische Armee angreifen wollen. Der Verdächtige habe Verbindungen zu Salafisten- und Dschihadisten-Gruppen. "Er behauptet, ein Mudschahidin zu sein und zu al-Qaida zu gehören", sagte Guéant.

In ersten Reaktionen zeigten sich vor allem Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft erleichtert darüber, dass der Täter offenbar identifiziert wurde.

"Der Terror kann unsere Gesellschaft nicht zerstören. Wir müssen jetzt zusammenstehen, die nationale Einheit bewahren. Das schulden wir unserem Land", sagte Präsident Nicolas Sarkozy.

In Jerusalem begann am Morgen unterdessen die Bestattungszeremonie für die vier Opfer des Mordanschlags auf die jüdische Schule. Hunderte von Trauergästen versammelten sich auf dem Friedhof, darunter auch der französische Außenminister Alain Juppé.

Die Leichen waren in der Nacht per Flugzeug nach Israel gebracht worden. In Jerusalem werden der ermordete Lehrer und Rabbiner mit seinen zwei kleinen Söhnen sowie eine weitere Schülerin beigesetzt.

Mit Material von dpa, AFP und Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ist
keppler 21.03.2012
Zitat von sysopAPEine Kalaschnikow, eine Uzi, mehrere weitere Waffen: Seit Stunden hat sich der mutmaßliche Mörder von Toulouse in seiner Wohnung verschanzt. Die Polizei belagert das Haus, in dem sich der 24-Jährigen aufhält. Er will sich angeblich bald ergeben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822677,00.html
der vermutliche täter Europäer oder Araber? Die wissen das sicher schon aber ja die political correctness.
2.
glen13 21.03.2012
Zitat von sysopAPEine Kalaschnikow, eine Uzi, mehrere weitere Waffen: Seit Stunden hat sich der mutmaßliche Mörder von Toulouse in seiner Wohnung verschanzt. Die Polizei belagert das Haus, in dem sich der 24-Jährigen aufhält. Er will sich angeblich bald ergeben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822677,00.html
Ich bin froh, dass dieser Mörder gestellt ist. Wer wird wohl als nächstes die unschuldig getöteten Kinder im Irak, Afghanistan und und und rächen wollen? Was haben diese ganzen sogenannten Friedenseinmärsche gebracht?
3. aber warum
Luna-lucia 21.03.2012
Zitat von kepplerder vermutliche täter Europäer oder Araber? Die wissen das sicher schon aber ja die political correctness.
lässt man diesem Verbrecher soviel Zeit!? Jetzt kann er doch noch jede Menge Bomben basteln. Wer weiß denn schon? was der alles in dieser Wohnung versteckt hat?
4. Und wieder ein Spinner "der die Welt bewegt..."
Wolfgang J. 21.03.2012
Zitat von sysopAPEine Kalaschnikow, eine Uzi, mehrere weitere Waffen: Seit Stunden hat sich der mutmaßliche Mörder von Toulouse in seiner Wohnung verschanzt. Die Polizei belagert das Haus, in dem sich der 24-Jährigen aufhält. Er will sich angeblich bald ergeben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822677,00.html
Was hatte sich die internationale Presse an diesem Vorfall abgearbeitet. Selbst Kommentatoren des Deutschlandfunks witterten Fremdenhass als Motiv und machten Sarkozys neue Wahlkampfstategie indirekt für diesen Vorfall verantwortlich... Und letztendlich handelt es sich um EINEN EINZIGEN Spinner unter insgesamt ca. 65 Millionen Franzosen die eben nicht auf Nordafrikaner und auf Schulkinder schießen. Ich weis auch nicht was solche Kommentaoren eigentlich umtreibt: Fordern sie wirklich eine Politik die in der Lage sein soll jeden Spinner für alle Zeiten zu verhindern? Eine Art Psychoparadies auf Erden in dem alle geschlossenen Anstalten geschlossen werden können? Oder wissen sie eigentlich gar nicht worüber sie sich beklagen, und pappen gedanklich nur zwei Teile zusammen die irgendwie so ähnlich aussehen? Und wenn es so sein sollte, warum kann man davon leben und eine Familie ernähren? Ratlos
5. Merkwürdig
akrisios 21.03.2012
Zitat von sysopAPEine Kalaschnikow, eine Uzi, mehrere weitere Waffen: Seit Stunden hat sich der mutmaßliche Mörder von Toulouse in seiner Wohnung verschanzt. Die Polizei belagert das Haus, in dem sich der 24-Jährigen aufhält. Er will sich angeblich bald ergeben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822677,00.html
Ein paar (gerne auch durchs Fenster) Blend- & Schockgranaten und der Fall dürfte doch erledigt sein. Ich denke da gibt es doch sehr adäquate Mitel dem freundlichen Herrn Hilfe angedeien zu lassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Anschläge in Südfrankreich: Schüsse vom Motorroller


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: