Gewalt gegen Berliner Polizisten "Angriff auf Menschen in Uniform"

In Berlin wurde ein Streifenwagen mit Steinen beworfen. Das passiert nicht selten. Doch in diesem Fall hatten die Beamten genug - und schrieben sich auf Facebook den Frust von der Seele.

Beschädigter Streifenwagen (Bild von der Polizei)
DPA

Beschädigter Streifenwagen (Bild von der Polizei)


Polizisten sind es gewohnt, auf Widerstand zu stoßen, vor allem die Beamten in der Hauptstadt - sollte man meinen. Wenn man den jüngsten Facebook-Eintrag der Berliner Polizei liest, klingt das anders. Unter dem Titel "In unseren Fahrzeugen befinden sich Menschen" schreiben sich die Beamten den Frust von der Seele.

Um 2 Uhr sei ein Fahrzeug des "Zentralen Objektschutzes" während einer Streifenfahrt mit Steinen beworfen worden, heißt es in dem Eintrag. "Als wenige Minuten später die alarmierten Funkwagen eintrafen, prasselten erneut Steine nieder und trafen die Autos unserer Kolleginnen und Kollegen." Ein Angestellter des Objektschutzes sei bei dem Angriff leicht verletzt worden. "Die Täter flüchteten anschließend und blieben bislang unerkannt. Insgesamt wurden fünf Polizeiautos stark beschädigt."

In der Hauptstadt ist Gewalt gegen Polizeibeamte schon lange ein Thema: Erst im vergangenen Sommer kam es bei den Protesten um ein besetztes Haus in der Rigaer Straße 94 in Berlin-Friedrichshain zu Angriffen auf Beamte. Die Berliner Polizei sprach damals von den "aggressivsten und gewalttätigsten Demonstration der zurückliegenden fünf Jahre".

"Feige Angriffe"

Die Beamten der Polizei seien auf der Straße für jeden rund um die Uhr da, schreibt das Social-Media-Team der Polizei in Berlin. Natürlich mache man sich dabei auch bei dem Einen oder Anderen unbeliebt, heißt es weiter in dem Facebook-Eintrag. "Was jedoch gar nicht geht, sind feige Übergriffe, wie in der letzten Nacht."

Die emotionale Botschaft der Polizei bekam auf Facebook über 7000 Likes und wurde über 3000 Mal geteilt. Solidarität kam unter anderem von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der kommentierte den Beitrag mit den Worten: "Herzlichen Dank für Ihre tägliche Polizeiarbeit in unserer Bundeshauptstadt Berlin!" Auch das Bundesinnenministerium brachte auf Twitter seine Unterstützung zum Ausdruck und Sprach im Zusammenhang mit dem Facebook-Eintrag der Polizei von einer "Botschaft, die wir wichtig finden und gerne teilen".

In dem Statement der Beamten aus Berlin heißt es weiter, Polizisten würden harte Arbeit leisten. Sie hätten es nicht leicht. "Die vielen Überstunden, wechselnde Dienste - auch an Wochenenden und in der Nacht, unvorhersehbare Alarmierungen, von all dem können auch die Familien und Angehörigen zur Genüge berichten." Polizisten seien Männer und Frauen, die sich für diese Entbehrungen bei der Berufswahl entschieden haben.

"Wofür sie sich jedoch nicht entschieden haben - und was sie sich auch nicht gefallen lassen müssen, sind solche feigen Angriffe."

Am Ende entschuldigen sich die Beamten für ihren emotionalen Ausbruch. Die Mitteilung endet mit den Worten: "Sorry für diesen langen Text."

gia/dpa



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