Nachwuchsprobleme Berliner Polizei will junge Leute im Ausland anwerben 

Zu wenig Vollzugsbeamte: Die Berliner Polizeipräsidentin plant, Nachwuchs im EU-Ausland zu rekrutieren. Zur Zeit seien 2000 Stellen zu wenig besetzt.

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Immer wieder hat die Berliner Polizei Schwierigkeiten, Nachwuchs anzuwerben. Vor drei Jahren startete sie deshalb sogar schon einmal eine Werbekampagne mit einem eigens eingespielten Elektro-Song. Darin hieß es: "Bewirb dich jetzt, greif dir die Sterne und werde Polizist."

Nun überlegt die Polizeiführung der Hauptstadt, zu noch drastischeren Mitteln zu greifen. Nach Vorstellung von Behördenchefin Barbara Slowik könne man im Ausland nach Nachwuchs suchen. Sie sei dafür, junge Leute in EU-Ländern anzusprechen und für die Berliner Polizei zu begeistern, sagte Slowik in einem Pressegespräch.

Potenzielle Bewerber könnten über die Goethe-Institute im Ausland Deutsch lernen und Sprachtests absolvieren. Angesprochen werden könnten junge Laute, die in ihren eigenen Ländern ohne Job sind. Slowik, die seit April im Amt ist, will Ende August ein Strategiepapier zur Gewinnung von Personal vorlegen.

Eine weitere Idee sei, ein Oberstufenzentrum einzurichten, in dem Jugendliche auf einen Beruf im Bereich der öffentlichen Sicherheit vorbereitet werden könnten. In Berlin gibt es solche Bildungsstätten für Bau, Handel und Sozialwesen.

Es sei nicht ganz einfach, ausreichend geeignete Bewerber zu finden, so die Präsidentin. Die Polizei müsse attraktiver werden. Dazu könnte gehören, Bewerbern günstigen Wohnraum bereitzustellen oder den Erwerb des Führerscheins zu finanzieren. "Im Kern geht es um eine bessere Bezahlung."

Derzeit werden rund 1300 Polizisten für den mittleren und höheren Dienst ausgebildet. Ihr Ziel sei es, wieder 19.000 Vollzugsbeamte auf die Straße zu bringen. Jetzt seien es rund 17.000.

cbu/dpa



insgesamt 46 Beiträge
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Ökofred 04.08.2018
1. Das selbe Berlin wie in den 90ern??
Ich kann es nach wie vor nicht fassen, ist das wirkliche das selbe Berlin wie vor 20 Jahren? An die, die sich nicht erinnern können: Damals galt "Sparen bis es quietscht" und Abschmelzen des wasserkopfigen Berliner öffentlichen Dienstes bis zum Abwinken. Was wäre Berlin erspart geblieben, hätte man damals etwas mehr Geld ausgegeben. Aber der Länderfinanzausgleich... jeder Bayer und BaWüler hat ja damals beim Berliner Haushalt mitentschieden und so ganz verdenken konnte man es ihnen ja nicht. Jetzt gibt es nicht mal Bauleiter m die Gelder für die Schulsanierung auszugeben, Zuwenig Beamte auf den Fluren und auf der Strasse….
Riven 04.08.2018
2.
"Derzeit werden rund 1300 Polizisten für den mittleren und höheren Dienst ausgebildet." Gemeint ist wohl der gehobene Dienst. Aber das ist ja nichts neues. Der Öffentliche Dienst ist überall unterbesetzt. Klar, die Wähler honorieren es ja nicht, wenn die Parteien mehr Beamte einstellen wollen. Die Konsequenzen sieht man jetzt überall. In meinem Heimatbundesland sterben aktuell die Richter und Staatsanwälte aus. Man hat in den letzten Jahren kaum eingestellt, und falls doch, fast nur Frauen, um auf ein ausgewogenes Verhältnis zu kommen. Und nun hat man überraschend festgestellt, dass junge Frauen auch gerne mal schwanger werden. Hinzu kommen Pensionierungen, Mehrbelastung durch Flüchtlingskrise und nicht zuletzt auch die Unattraktivität des Arbeitsplatzes, die dazu führt, dass kaum ein junger Jurist Richter oder Staatsanwalt werden möchte. Warum sollte man das auch wollen?
ayee 04.08.2018
3. Langfristigkeit statt Kurzschlüsse
Hätte man in der Vergangenheit etwas vorausschauend also langfristig geplant, wäre man jetzt überhaupt nicht in der Situation. Jetzt versucht man durch genauso kurzsichtige Planung die Situation zu verändern. Anstatt mal völlig unhysterisch ein langfristiges Konzept zu entwickeln und dann umzusetzen. Lernresistent würde ich sagen.
bammy 04.08.2018
4.
"Im Kern geht es um bessere Bezahlung" Damit ist (fast) Alles gesagt. Bei solchen Arbeitslosenzahlen, sollte das kein Thema sein, Leute einzustellen, die für ein sicheres Monatliches Einkommen und Aufstiegsperspektiven diesen Job auszuüben. Nun ist es natürlich auch die Frage, wie in allen Branchen, was von den Schulen kommt und sich bewirbt. Und jetzt das Niveau der Einstellungsqualifkation herunterzusetzen, halte ich für falsch. Dafür jetzt innerhalb der EU vernünftiges Personal zu rekrutieren, ist erst mal eine temporäre Lösung. Aber es muss unbedingt was in der Bildung und Erziehung der jungen Menschen getan werden. Da fängt die Misere an, bei 2,5-3,5 Mio Arbeitslosen, 800.000 unbesetzte Stellen und 30.000-40.000 nicht besetzte Lehrstellen.
Tharsonius 04.08.2018
5. Vielleicht
die Einstellungsvoraussetzungen und Erwartungen etwas runterschrauben? Gibt genügend die sicher einen Quereinstig in Erwägung zögen.
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