Unbewaffneter Student Polizist erschießt in Texas einen Schwarzen

Ein Jahr nach Ferguson: In den USA ist erneut ein Polizeieinsatz eskaliert. Ein Polizist erschoss in Texas einen 19-jährigen schwarzen Studenten. Dieser war offenbar mit dem Auto in eine Schaufensterscheibe gefahren, war aber unbewaffnet.


Der Fall könnte die Debatte in den USA über Polizeigewalt und Rassismus erneut befeuern. In Texas ist ein unbewaffneter Schwarzer von einem weißen Polizisten erschossen worden. Bei dem Toten handele es sich um einen 19-jährigen Studenten, teilte die Polizei in Arlington im US-Bundesstaat Texas mit. Der getötete Mann sei unbewaffnet gewesen.

Christian T. war laut Polizei mit seinem Wagen in die Schaufensterscheibe eines Autohauses gefahren. Mit Polizisten, die zu dem Unfallort gerufen wurden, sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, bei der Schüsse gefallen seien. Der Vorfall, der sich bereits am frühen Freitagmorgen ereignete, werde untersucht. Wie das gerichtsmedizinische Institut bekannt gab, hatte der Tote Schusswunden am Hals, im Brustkorb und im Bauch.

Der Vorfall passierte zu einem heiklen Zeitpunkt. Vor einem Jahr, am 9. August 2014, wurde in der US-Kleinstadt Ferguson der schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen. Browns Tod und weitere tödliche Vorfälle haben in den USA eine Debatte über übermäßige Gewaltanwendung im Dienst entfacht. Besonders in Ferguson kam es auch immer wieder zu Unruhen.

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Menschen aus Ferguson: "Mein Leben wird nie mehr das gleiche sein"
Für Aufsehen sorgte zuletzt ein Interview: Der ehemalige Polizist, der Michael Brown in Ferguson erschossen hat, ließ kein Bedauern über dessen Tod erkennen. An Michael Brown soll dieser Tage mit einer Reihe von Veranstaltungen gedacht werden. Auch eine Schweigeminute ist geplant.

Das Opfer wollte offenbar flüchten

In Arlington versammelten sich Angehörige und Freunde des am Freitag getöteten Christian T. zu einer Mahnwache. Angesichts der angespannten Lage versicherte die Polizei in Texas eilig, man werde den aktuellen Todesfall umfassend aufklären. Auch die Bundespolizei FBI wurde eingeschaltet. Der Polizeichef im texanischen Arlington, Will Johnson, sagte auf einer Pressekonferenz, er selbst habe das FBI um Mithilfe gebeten. Er habe vollstes Vertrauen in die lokalen Beamten. Aber ihm sei bewusst, dass der Vorfall zu einer Zeit komme, in der in den USA über soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Rassismus, und polizeiliches Missverhalten debattiert werde.

Mahnwache für getöteten Christian T.: Polizei verspricht Aufklärung
AP/ The Dallas Morning News

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Johnson sagte, der Polizist, der die tödlichen Schüsse auf Christian T. abgegeben habe, sei nicht verletzt worden. Der 49-Jährige sei zunächst routinemäßig vom Dienst freigestellt worden. Über den genauen Tathergang bei den Schüssen sagte Johnson nichts.

Er äußerte sich aber zur Vorgeschichte. Demnach hatte ein Sicherheitsdienst die Polizei gerufen, weil über eine Überwachungskamera beobachtet wurde, dass jemand auf dem Gelände eines Autohauses in Arlington ein Auto beschädigt habe und anschließend mit dem eigenen Fahrzeug in eine Schaufensterscheibe gefahren sei.

Johnson sagte, bei dem Fahrer habe es sich ersten Erkenntnissen zufolge um Christian T. gehandelt. Er sei beim Eintreffen der Polizei in dem Gebäude des Autohändlers gewesen und aufgefordert worden, sich auf den Boden zu legen. Stattdessen habe er versucht, zu flüchten. Bei der dann folgenden Konfrontation habe der Polizist vier Mal geschossen. Ein anderer Kollege habe mit einem Taser, einer Elektroschockpistole, geschossen.

Der Polizist hatte kaum Berufserfahrung

Den Sicherheitsbehörden zufolge war der Polizist, der die vier Schüsse abgegeben hat, zuvor noch nie in eine Schießerei im Dienst verwickelt. Demnach war der Mann erst seit September 2014 bei der Polizei und hatte im März die Polizeiakademie abgeschlossen. Er habe unter Anleitung eines Ausbildungsleiters gearbeitet.

Ein Pastor hält eine Andacht für Christian T.: FBI soll bei Aufklärung helfen
AP/ The Dallas Morning News

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Auch der Vater des erschossenen 19-Jährigen meldete sich zu Wort. Er sagte dem Sender KTVT-TV, er könne sich nicht erklären, warum sein Sohn nachts zu dem Autohaus gefahren sei. "Vielleicht hat er etwas getrunken, vielleicht war er einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort, vielleicht hat er etwas verabreicht bekommen und wusste nicht, was es war." Aber das rechtfertige nicht seinen Tod.

mmq/AP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
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Seite 1
speedy 09.08.2015
1. Dies sind keine Einzelfälle mehr!!!
Es ist nicht möglich das dies Einzelfälle sind.Viel mehr sieht es so aus als wenn in den USA für richtig gefunden wird,in einer breiten Gesellschaftlichen Schicht,das die kleinste Streitigkeit oder auch verbale Äusserung zum Tod führen muss.Dies ist ein Gesellschaftliches Problem das in der Staatsform der USA zusehen ist.Es ist normal auf die Strasse zu gehen und eine Waffe mit zunehmen.Die Waffenindustrie ist nicht nur beteiligt sie ist der Hauptschuldige an dieser Situation.Wenn wir TTIP bekommen könnte es bei uns auch so werden,weil wir strenge Waffengesetze gegen die Profitgier dieser Faschisten nichts mehr machen könnten,ohne hohe Ausgleichszahlungen leisten zu müssen.
IntelliGenz 09.08.2015
2. ganz offensichtlich
kennt der Vater seinen Sohn besser als wir: Es hoert sich an als mutmasse er, dass sein Sohn unter Drogeneinfluss gehandelt habe.n koennte. Was einem Eingestaendnis gleichkommt. Mir tun die Jungs leid, niemand hat Ihnen gezeigt wie man sich Polizisten gegenueber zu verhalten hat. Respektvoll, nicht frech werden, und bitte keine Affekthandlungen! Nicht in einem Land, in dem die Schiesseisen locker sitzen.
Dr.W.Drews 09.08.2015
3.
Zitat: "Der Polizist hatte kaum Berufserfahrung Den Sicherheitsbehörden zufolge war der Polizist, der die vier Schüsse abgegeben hat, zuvor noch nie in eine Schießerei im Dienst verwickelt." Ein amerikanischer Polizist, der noch keine Schießerei im Dienst hatte verfügt tatsächlich über keinerlei "Berufserfahrung".
opinio... 09.08.2015
4. Wenn jeder Depp,
also auch jeder Grünschnabelpolizist, eine Scharfe Waffe bekommt, dann muss man sich nicht wundern. Wenn dann noch eine reichliche Rassismusportion dazu kommt, dann erst recht nicht. Schönen Gruß an die westliche Führungsnation, in der Leute wie Trump einfluss haben.
schorri 09.08.2015
5. Es ist leider wie immer
Nichts hat sie kapiert, die amrikanische Polizei. Nichts gelernt aus den Katastrophen der Vergangenheit. Ihr Ruf ist auf dem Hund - nein; unterm Hund. Aber es ist ihnen Wurscht. Dass Menschenleben nicht zählen bei amerikanischen Cops, das weiß man inzwischen. Und niemand greift ein. Niemand tut was dagegen. Du baust einen Unfall? Du blinkst nicht beim Abbiegen? Vorsicht! Am Ende könntest du tot sein!
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