SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

14. April 2012, 23:45 Uhr

Kannibalismus-Sekte in Brasilien

Menschenfleisch in Teigtaschen

Ein obskurer Fall von Kannibalismus schockiert Brasilien. In der Stadt Garanhuns im ländlichen Bundesstaat Pernambuco hat die Polizei drei mutmaßliche Mörder verhaftet. Das Sekten-Trio soll Frauen getötet und ihr Fleisch in Teigtaschen auf der Straße verkauft haben.

São Paulo/Garanhuns - Isabel Cristina Torreão Pires da Silveira schaut freundlich in die Kamera, ihr Bild geht derzeit um die Welt. Die 51-Jährige war in der brasilianischen Stadt Garanhuns für ihre schmackhaften Teigtaschen bekannt. Doch deren Füllung lässt einen schaudern: Eine Zutat für die pikanten Snacks war offenbar Menschenfleisch. Das gestand Pires da Silveira Zeitungen zufolge jetzt der Polizei, nachdem die Beamten die Straßenverkäuferin und zwei mutmaßliche Mittäter am Mittwoch festgenommen haben.

"Ich habe sogar Ihnen eine verkauft," sagte Pires da Silveira laut der brasilianischen Zeitung "Folha de São Paulo" zu einem der Polizisten, der offenbar zu den Kunden der Frau mit den Teigtaschen gehörte. Dem Bericht zufolge erklärte die Frau in ihrer Aussage, die von der Polizei auf Video aufgenommen wurde, dass sie nur "ein bisschen" Menschenfleisch für die Zubereitung der landestypischen Empadas verwendet habe - diese Teigtaschen sind in Deutschland meist unter ihrem spanischen Namen Empanadas bekannt. "Ich habe nur ein paar Stückchen benutzt, meist in Soße", sagte Pires da Silveira laut der englischsprachigen Ausgabe der "Folha" weiter.

Silveira gehört offenbar zu einem Sekten-Trio, das verdächtigt wird, mindestens drei Frauen getötet zu haben, um sie anschließend zu zerteilen, zu essen und ihre Überreste zu vergraben. Gemeinsam mit der Straßenverkäuferin wurde ihr ebenfalls 51-jähriger Mann Jorge Negromonte da Silveira verhaftet sowie dessen 25-jährige Geliebte Bruna Cristina Oliveira da Silva. Die brasilianische Polizei vermutet laut "Folha", dass acht weitere Menschen den mutmaßlichen Mördern zum Opfer gefallen sein könnten.

Polizeiangaben zufolge sind die drei des Kannibalismus verdächtigten Täter Mitglieder in einer Sekte namens "Cartel", wie die Zeitung "O Globo" in ihrem Online-Auftritt meldet. Ziel der Glaubensgemeinschaft sei es offenbar, die Welt zu reinigen und die Bevölkerung zu dezimieren. Dafür sollten jedes Jahr drei Frauen getötet werden, heißt es in der Meldung.

Die mutmaßlichen Mörder ließen sich von einer mysteriösen Stimme leiten

Deren Fleisch sollen die drei Verdächtigen im Kühlschrank aufbewahrt haben, schreibt die Zeitung "Correio Braziliense". Im Haus der mutmaßlichen Mörder lebte demnach auch ein fünfjähriges Mädchen, das ebenfalls Menschenfleisch gegessen haben soll.

Bei der Festnahme fand die Polizei Überreste von zwei Opfern, die das Trio laut "Folha" im Garten begraben haben soll. Es handelt sich offenbar um die Leichen der 20-jährigen Alexandra Falcão und der 31-jährigen Giselly Helena da Silva; beide waren in diesem Jahr als vermisst gemeldet worden. Auch ein weiteres Opfer stand offenbar schon fest: In einem Notizbuch in dem Haus fanden die Beamten den Namen eines 18-jährigen Mädchens, das offenbar als nächstes ermordet werden sollte.

Die Polizei gab "Folha" zufolge an, dass die drei Verdächtigen sich von einer Stimme leiten ließen. Diese habe ihnen die Namen von Frauen eingegeben, die "nicht gut sind". Das Haus der Gruppe wurde inzwischen geplündert und verbrannt, viele Papiere und Beweise fielen dabei den Flammen zum Opfer.

bos

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH