Polizeigewalt in Texas Empörung nach tödlichen Schüssen auf 17-Jährige

Kristiana Coignard litt seit Jahren unter psychischen Problemen. Als die 17-Jährige in Texas eine Polizeiwache aufsuchte, kam es zum Gerangel, die Beamten feuerten fünf Schüsse ab. Jetzt sorgt ein Überwachungsvideo für Aufregung.

Überwachungsvideo des Longview Police Departments: Fünf Schüsse auf Kristiana Coignard
Longview Police Department

Überwachungsvideo des Longview Police Departments: Fünf Schüsse auf Kristiana Coignard


Longview - Kristiana Coignard wurde beim Sterben gefilmt. Eine Überwachungskamera auf der Polizeiwache im texanischen Longview hat festgehalten, wie die 17-Jährige am Donnerstagabend der vergangenen Woche den Raum betritt; wie sie mit einem Beamten rangelt und zu Boden gedrückt wird; wie sie wieder aufsteht und auf einen von drei Polizisten zurennt - der mit seiner Waffe auf ihren Oberkörper zielt.

Fünf Schüsse feuerten die Beamten ab, heißt es in einer Mitteilung des Longview Police Departments. Coignard starb. Damit ist in den USA wieder ein Mensch durch Polizeigewalt ums Leben gekommen - nach Ferguson, nach New York, nach Albuquerque.

Dementsprechend groß ist die Empörung. "Die eine Nachricht, die wir daraus lernen, ist: Suche keine Hilfe bei der Polizei", lautet einer der Kommentare auf Twitter. Eine andere Nutzerin schrieb: "Die Geschichte von noch einem 'Selbstmord durch Polizisten'".

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Drei Beamte sind inzwischen vom Dienst suspendiert, die Texas Ranger ermitteln in dem Fall. Warum Coignard in die Polizeiwache kam, ist unklar. Sie soll den Männern gesagt haben, eine Pistole bei sich zu tragen, heißt es in der Polizeimitteilung. Später habe einer der Polizisten festgestellt, dass die 17-Jährige ein langes Messer bei sich trage. Die Beamten hätten sich bedroht gefühlt, heißt es auf der Facebook-Seite des Police Departments.

Die Polizisten hätten etwas unternehmen können, sie seien schließlich erwachsene Männer, sagte Heather Robertson in einem Interview mit dem Polit-Blog "Think Progress". Sie ist die Tante von Coignard, die Jugendliche lebte bei ihr.

"Ich glaube, es war ein Hilfeschrei", sagte Robertson. Demnach war Coignard psychisch krank. Als sie vier Jahre alt war, sei ihre Mutter gestorben. In den vergangenen Jahren habe die junge Frau mehrfach versucht, sich umzubringen. Doch seit Dezember habe sie Medikamente genommen und sich in Therapie befunden. Sie habe zudem keine Vorstrafen und "war nur sich selbst gegenüber gewalttätig", sagte ihre Tante.

Dem "Think Progress"-Bericht zufolge standen Polizisten aus Longview bereits 2014 in zwei ähnlichen Fällen in der Kritik, sie hatten unter anderem einen 15-Jährigen erschossen. In beiden Fällen seien die Beamten freigesprochen worden.

aar

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insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
war:head 29.01.2015
1.
Das klingt wieder nach so einer Geschichte, wo man sich aus der Ferne praktisch keine Meinung bilden kann. Sie kommt auf Polizisten zugerannt, hat ein Messer dabei und behauptet, eine Waffe zu tragen. Andererseits sollten Polizisten in der Lage sein, so eine Person mit nicht-tödlichen Mitteln zu überwältigen. Wie gesagt, unmöglich, sich hier eine fundierte Meinung zu bilden, ohne genaueres zu erfahren.
kugelsicher 29.01.2015
2. ich habe das ganze 15 min. Video gesehen
Schlicht unglaublich was da passiert ist. Er hatte sie längst am Boden und hätte ihr dreimal Handschellen anlegen können. Dann geht schnell ohne erkennbare Waffe auf den Polizisten zu, genug Platz weg zu gehen und er erschießt sie. USA und ihre Schußwaffen Manie = Kultur des Todes
seiplanlos 29.01.2015
3. also
ich gehe in eine polizeiwache, sagen den beamten das ich eine waffe habe (in diesem fall ein messer) werden von ihnen überwälltigt, befreie mich und stürme auf einen der Polizisten zu. was erwartet man jetzt von diesen Polizisten? Ruhig bleiben und warten wer zuerst schießt?
glen13 29.01.2015
4.
Aufgrund des Artikels kann man nicht wissen, was da wirklich passiert ist. Aber ich bin mir sicher, dass das auf einer deutschen Polizeiwache nicht geschehen wäre. Es scheint so, als seien die US - Polizisten falsch ausgebildet.
khaosgott 29.01.2015
5. Optional
Hab mir gerade das (unzensierte) Video auf LL angesehen, um mir selbst ein Bild zu machen. Polizeigewalt ist unbestritten ein Problem der USA und es gibt dort sicher sehr viele Baustellen. Auch hier im Fall wieder erkennbar. Jedoch war das meiner Ansicht nach eindeutig sbc (suicide by cop), die Polizisten hatten (leider) kaum eine andere Wahl - in Anbetracht der Umstände. Ein Mädchen kommt auf eine Polizeiwache, bewaffnet mit einem nicht allzu kleinen Messer, sie widersetzt sich den Anweisungen der Polizisten und schlussendlich attackiert sie ihn sogar. Klarer Fall. Nun zu den Baustellen: Wie gesagt, in meinen Augen eindeutig sbc. Sicher auch in den Augen der Polizisten vor Ort. Jedoch sind die Polizisten offenbar weder ausgebildet und ausgestattet, um lethale Gewalt in solchen Fällen zu meiden und Todesfälle zu verhindern. Ansonsten klarer Fall von Notwehrhandlung seitens des Polizisten. Wie so häufig, auch wenn es von Öffentlichkeit und Medien anders aufgefasst oder dargestellt wird. Wer sich (gerechtfertigten) Polizeianweisungen widersetzt und dazu noch (scheinbar) gewalttätig gegenüber den Vollzugskräften wird, muss sich über entsprechende Reaktionen nicht wundern.
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