Einsatz vor Berliner Rathaus Polizeigewerkschaft verteidigt Todesschützen

Die Polizeigewerkschaft verteidigt den tödlichen Schuss auf einen nackten Mann vor dem Berliner Rathaus. Man könne nicht alle Konflikte dieser Welt sprachlich lösen, heißt es. Inzwischen ist im Internet ein Video des Vorfalls am Neptunbrunnen aufgetaucht.


Berlin - Das Video ist keine zwei Minuten lang, doch das reicht, um zu schockieren: Zu sehen ist der Polizeieinsatz beim Berliner Neptunbrunnen, bei dem am Freitag ein nackter Mann erschossen wurde. Die Bilder seien menschenverachtend, sagte Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer dem "Focus". So etwas dürfe nicht gepostet werden. Facebook müsse sofort reagieren.

Durch die Aufnahmen nimmt nun auch die Kritik an dem Polizisten zu, der auf den Mann geschossen hatte. Der mutmaßlich verwirrte Nackte hatte sich mit einem 20 Zentimeter langen Messer zunächst selbst verletzt und dann einen Polizisten bedroht. Der Beamte schoss dem Mann in den Oberkörper - er starb trotz Rettungsversuchen eines Notarztes noch am Tatort.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft verteidigte das Vorgehen des Beamten. Kein Polizist mache es sich leicht, auf einen anderen Menschen zu schießen, sagte der Berliner Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, im RBB. Es sei nicht möglich, alle Beamten zu Kampfkünstlern oder Scharfschützen auszubilden, die in solchen Situationen auf Arme oder Beine schießen. Bei Notwehr sei zudem der ganze Körper die Trefferfläche.

"Wenn am Ende jemand mit der Waffe auf einen losgeht, dann ist auch das staatliche Gewaltmonopol gefragt, weil man nicht alle Konflikte dieser Welt sprachlich lösen kann", sagte Pfalzgraf. Zugleich zeigte er Verständnis für die durch den Vorfall ausgelöste Debatte: "Es wird jetzt eine Diskussion geführt über die Verhältnismäßigkeit der Polizei-Maßnahme. Das ist auch in Ordnung."

aar/dpa/AFP



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