Polizistenmord in Augsburg: DNA-Spur am Tatort belastet verhaftetes Brüderpaar

Bei den Verhafteten im Fall des Polizistenmordes von Augsburg handelt es sich um zwei Brüder. Der Jüngere hat schon 1975 einen Polizisten ermordet und saß dafür 19 Jahre im Gefängnis. Das Duo steht unter dringendem Tatverdacht - die Ermittler haben am Tatort die DNA des Älteren nachgewiesen.

Augsburger Polizistenmord: Verdächtiges Brüderpaar Fotos
DPA

Augsburg - Die Polizei hat einem der beiden Verdächtigen im Fall des Augsburger Polizistenmordes eine DNA-Spur am Tatort zuordnen können. Das gab Klaus Bayerl, Leiter der ermittelnden Sonderkommision "Spickel", auf einer Pressekonferenz bekannt. Bei den Verhafteten handelt es sich demnach um Brüder im Alter von 58 und 56 Jahren. Die DNA-Spur sei dem älteren Bruder zuzuordnen.

Zudem bestätigten die Ermittler, dass der jüngere Bruder bereits 1975 einen Augsburger Polizisten ermordet und eine Haftstrafe von 19 Jahren verbüßt hatte. Später wurde er noch zweimal wegen kleinerer Vergehen verurteilt. Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagte, der 56-Jährige sei ein "sozial unangepasster Waffennarr, der schießwütig agiert, wenn er in Konfliktsituationen gerät".

Der 56-Jährige war den Angaben zufolge von Beginn an im Visier der Polizei. Bayerl wies auf die lange Knasterfahrung und den konspirativen Charakter des Verdächtigen hin, weshalb die Ermittlungen äußert vorsichtig geführt worden seien.

Entscheidend waren unter anderem die Beobachtungen zweier Polizisten, denen in der Tatnacht das Auto eines Münchner Geschäftsmanns aufgefallen war. Dieser sei zwar selbst nicht am Tatort gewesen und unverdächtig, er habe aber seit Jahren Kontakt zu einem der Verdächtigen und habe diesem häufig sein Auto geliehen. Der Tatverdacht habe sich durch das Verhalten der Beobachteten, deren Vermögensverhältnisse und schließlich durch den DNA-Treffer erhärtet. Die Staatsanwaltschaft wirft den Brüdern unter anderem gemeinschaftlichen Mord vor.

Nemetz geht nach eigenen Worten davon aus, dass den 56-Jährigen bei einer Verurteilung "mit größter Wahrscheinlichkeit" eine lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung erwarten würde. Auch der ältere Bruder müsse im Falle einer Verurteilung mit einer lebenslangen Haft rechnen.

Laut Staatsanwaltschaft fanden die Ermittler bei den Verdächtigen etwa 20 Schusswaffen, darunter funktionsfähige Maschinenpistolen. Ob beim Einsatz am Donnerstag auch die Tatwaffen sichergestellt wurden, ist bisher nicht bekannt.

Tödlicher Schuss nach Sturz mit Motorrad

Bayerns Justizministerin Justizministerin Beate Merk (CSU) gratulierte den Ermittlern zur "Aufklärung eines feigen und brutalen Verbrechens". Sie sprach von deutlichen Anzeichen der Schuld der beiden Verdächtigen, wies aber auch auf die bestehende Unschuldsvermutung hin. Offenbar haben die Festgenommenen die Tat nicht gestanden.

Der 41-jährige Polizist Mathias V. war Ende Oktober erschossen worden. Gemeinsam mit einer Kollegin wollte er zwei Personen kontrollieren, die auf einem Motorrad unterwegs waren. Der Fahrer der Maschine hielt nicht an. Als die Beamten versuchten, die Flüchtigen zu stellen, stürzten die Männer mit ihrem Motorrad. Anschließend fielen die Schüsse. Der Polizist erlitt dabei tödliche Verletzungen, seine Kollegin wurde leicht verwundet. Die Täter flüchteten zu Fuß.

Die Staatsanwaltschaft vermutet eine Verdeckungstat. "Fakt ist, die Täter waren bis an die Zähne bewaffnet", sagte Nemetz. Die Männer sollen mindestens ein Schnellfeuergewehr und zwei großkalibrige Pistolen verwendet haben. Vermutlich hätten die beiden einen Raubüberfall geplant und fürchteten, dass die Polizisten dies aufdecken würden. Nach Ansicht der Ermittler hätten beide Männer Schüsse abgegeben, sagte Nemetz.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte in Bezug auf den Hauptverdächtigen, falls sich der Verdacht bestätige, erwarte er, dass "dieser Mörder" den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringe.

hut/dpa/dapd

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