Polizistenmord in Augsburg: Täter schoss mit Kriegswaffe auf wehrloses Opfer

Schockierende Details zum Polizistenmord von Augsburg: Die mutmaßlichen Täter sollen noch auf Matthias V. geschossen haben, als der Beamte schon am Boden lag. Mindestens drei der Schüsse in Kopf und Hals waren tödlich, ergab eine 3D-Rekonstruktion.

Augsburger Polizistenmord: Kriegswaffen in Ganovenhand Fotos
DPA

Im Augsburger Polizistenmord von Ende Oktober sind neue Details bekannt: So soll einer der mutmaßlichen Täter, der 58-jährige Raimund M., in seinem privaten Waffenarsenal auch Kriegswaffen besessen haben, was in Deutschland verboten ist. Mindestens eine der Tatwaffen bei der Tötung war nach bisherigen Ermittlungen eine solche Schnellfeuerwaffe, von der am Tatort Projektile gefunden wurden.

Außerdem fand die Ermittler Munition einer Pistole sowie eine weitere Handfeuerwaffe, die einer der Täter am Tatort verloren hatten. M. war am Donnerstag verhaftete worden, genau wie Rudi R., sein Bruder, mit dem er die Tat gemeinsam begangen haben soll.

Über den Tathergang sagte ein Polizeisprecher am Samstag, die Täter hätten aus zehn bis 20 Meter Entfernung aus einem Hinterhalt im dunklen Wald geschossen. Das habe eine 3D-Analyse des Tatorts ergeben. Auch als der Polizist Matthias V., 41, bereits am Boden lag, schossen der oder die Täter weiter und trafen den mit einer schusssicheren Weste geschützten Beamten in den Kopf, den Hals und in den Unterkörper. Mindestens drei der Schussverletzungen seien tödlich gewesen.

Mutmaßlicher Täter saß bereits 19 Jahre wegen Mordes ein

Wegen der Brutalität und des verdeckten Angriffs auf die Polizisten geht die Staatsanwaltschaft von einer heimtückischen Tat aus, was eine Anklage wegen Mordes rechtfertigen würde. Außerdem hatten die Täter ein Motorrad gestohlen und illegale Waffen mitgeführt, was für eine sogenannte Verdeckungstat spricht.

Am Tatort hatten die Ermittler auf mehreren Gegenständen Schweißspuren gefunden, die mittels DNA-Analyse Raimund M. zugeordnet werden konnten. Der mutmaßlichen Täter soll am 28. Oktober gemeinsam mit seinem Bruder nach einer Verfolgungsjagd den Polizisten V. erschossen und seine Kollegin verletzt haben. Die angeschossene Beamtin sei weiterhin krankgeschrieben und in psychologischer Behandlung, sagte der Polizeisprecher. Sie habe einen Streifschuss neben ihrer schusssicheren Weste erlitten, weil sie versetzt zu ihrem Kollegen gestanden hatte und der oder die Täter das Feuer zuerst auf ihn richteten.

Auf die Spur der mutmaßlichen Täter war die mit dem Fall befasste Soko "Spickel" sehr früh gekommen, weil der 56-jährige Rudi R. bereits 1975 einen Polizisten erschossen und deshalb 19 Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Auch damals war mit mehreren Waffen aus einem Hinterhalt geschossen worden. Außerdem waren die Brüder in den Tagen nach dem Polizistenmord durch ihr konspiratives Verhalten aufgefallen, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte.

Die Täter seien "bis an die Zähne bewaffnet" gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz. Sie hätten wohl einen Raubüberfall geplant und gefürchtet, dass die Polizisten diesen aufdecken könnten. Nach Ansicht der Ermittler sollen beide Männer Schüsse abgegeben haben, sagte Nemetz. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, falls sich der Verdacht bestätige, erwarte er, dass der Haupttäter den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen werde.

cht

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