Polizistenmord in Heilbronn Weiblich, drogensüchtig, skrupellos

Die Liste ihrer Verbrechen wird immer länger. Die Mittäterin des Heilbronner Polizistenmords ist eine Schwerstkriminelle - und geht den Fahndern seit 14 Jahren durch die Lappen. Doch die Polizei ist dem Phantom jetzt näher gekommen.


Heilbronn - Auch wenn die Polizei von einem Durchbruch spricht: Im Fall der ermordeten Polizistin und ihres schwer verletzten Kollegen sind die Ermittler nur bedingt weiter gekommen. Zwar weiß man, dass es sich bei der Täterin um eine europaweit gesuchte Serientäterin handelt, wie alt die Frau ist, wie sie aussieht und wo sie sich zur Zeit aufhält, ist bislang aber völlig unklar.

Schockierender Polizistenmord: Beamte sichern am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese den Tatort
DPA

Schockierender Polizistenmord: Beamte sichern am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese den Tatort

Fest steht bis jetzt: Der Aktionsradius der Täterin ist groß - sie hinterließ DNA-Spuren an Tatorten in Österreich, Deutschland und Frankreich - und sehr brutal. In Idar-Oberstein wurde 1993 eine 62-jährige Rentnerin mit einer Drahtschlinge erdrosselt, 2001 wurde in Freiburg ein Rentner erdrosselt aufgefunden. Anfang März dieses Jahres tauchten DNA-Spuren an einem Tatort in Linz auf: Dort waren bei einem Einbruch Bargeld, Sonnenbrillen und ein Notebook gestohlen worden.

"Das ist auffallend: es wurde immer alles gestohlen, was irgendwie vermarktbar ist", zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Leiter des oberösterreichischen Landeskriminalamts, Rudolf Keplinger. Weil vor sechs Jahren in der Eifel zu ihrem DNA-Material auch eine Einwegspritze gefunden wurde, gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um eine Süchtige handelt, die für die Drogenbeschaffung bis zum Äußersten geht. Die Heilbronner Polizei mutmaßt, dass sich die Täterin zweitweise im Drogen- und Obdachlosenmilieu aufhielt oder immer noch aufhält.

Festnahmen in Österreich

Dafür ergaben sich weitere Details über das Umfeld der Schwerverbrecherin: In Österreich wurden zwei Verdächtige einer Bande gefasst, die in Verbindung zu dem Mord in Heilbronn stehen sollen. Sie seien nicht kooperativ und würden schweigen, sagte der oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl der Nachrichtenagentur APA.

Die Männer kommen aus Serbien und Polen, ihnen werden Eigentumsdelikte wie Autodiebstähle und Einbrüche in Oberösterreich und Tirol zur Last gelegt. An einigen Orten, an denen DNA-Spuren der Männer gefunden worden waren, stellten die Ermittler auch Spuren der Frau fest. In Österreich gibt es laut Polizei allerdings keine Mordfälle, die mit der Gruppe in Verbindung gebracht werden. Es gebe auch keinen Hinweis auf weitere Verdächtige.

Das Heilbronner Verbrechen gehört zu den kaltblütigsten, die in den letzten Jahren an Polizeibeamten verübt wurden. Ende April hatten die Täter auf dem Heilbronner Messegelände mit Kopfschüssen aus naher Distanz eine 22-jährige Streifenpolizistin regelrecht liquidiert, ihr 24 Jahre alter Kollege überlebte nur knapp.

Die beiden Beamten waren neben ihrem Streifenwagen liegend aufgefunden worden. Weil die mit Schutzwesten gesicherten Polizisten keinen Alarm oder Notruf ausgelöst hatten, vermuten die Fahnder, dass sie überrascht wurden und unvermittelt auf sie geschossen wurde.

Der angeschossene Polizist war vor einiger Zeit aus dem Koma erwacht, konnte sich an die Tat aber nicht mehr erinnern. Die Fahnder der Sonderkommission "Parkplatz" waren vor der heißen Spur vergeblich Hunderten Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen.

dan/AFP/dpa



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