Suche nach US-Polizistenmörder Unschuldiger wird täglich von Polizei gestoppt

Weil er einem gesuchten Mörder ähnlich sieht, wird James Tully bis zu sieben Mal am Tag von Polizisten festgehalten. Nachbarn haben jetzt 22.000 Dollar gespendet, damit er sich ein Auto kaufen kann - und seltener gesehen wird.

AP

Harrisburg - Ermittler im US-Bundesstaat Pennsylvania fahnden seit Wochen mit Hochdruck nach einem Mann, der einen Polizisten erschossen und einen weiteren schwer verletzt haben soll. Schon Dutzende Male haben sie dabei den Falschen festgehalten.

James Tully sieht dem gesuchten Eric F. zum Verwechseln ähnlich, und da er täglich mehrere Kilometer zu Fuß zur Arbeit läuft, halten ihn immer wieder Ermittler für den flüchtigen Täter. Er sei so oft kontrolliert worden, dass er aufgehört habe, zu zählen, sagte Tully dem Lokalsender WNEP. Es seien deutlich mehr als 20-mal gewesen, allein an einem Tag sei er sieben Mal gestoppt worden.

Und die Polizisten gingen dabei mitunter wenig zimperlich vor: "Einer sprang aus seinem Wagen, schrie, ich solle mich auf den Boden legen und zielte mit seiner Waffe auf meinen Kopf", so Tully. Von dem Vorfall habe er einen Bluterguss davongetragen.

Mittlerweile trage er seinen Arbeitsausweis schon um den Hals, um schneller kontrolliert werden zu können. Außerdem ziehe er jetzt immer eine Warnweste an: "Wenn ich mich auffällig anziehe, sehen sie, dass ich nicht der Gesuchte bin. Der würde doch nicht auffallen wollen."

Um ihn nicht länger zur Zielscheibe der Fahnder werden zu lassen, nähmen Anwohner ihn inzwischen auch im Auto mit. In einer Spendensammelaktion kamen laut CNN 22.000 Dollar aus der Gemeinde zusammen, damit sich Tully ein Auto kaufen kann und endlich von den fieberhaft suchenden Ermittlern in Ruhe gelassen wird.

Das FBI führt den verdächtigten Eric F. als einen der meistgesuchten Kriminellen. Er soll einer "militärischen Simulationsgruppe" angehören, deren Mitglieder osteuropäische Soldaten spielen. Seine Rolle lebt er nun anscheinend in der Realität aus. Weil er es geschafft hat, sich seit mehreren Wochen versteckt zu halten, wird vermutet, dass er von Militär oder Polizei ausgebildet wurde.

vet/dpa



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