Berlin - Dem in einem Brüsseler Vorort verhafteten Porno-Unternehmer Fabian Thylmann droht nach SPIEGEL-Informationen eine lange Freiheitsstrafe. Die ermittelnden Behörden, die Kölner Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität sowie Steuerfahnder aus Koblenz und Aachen, glauben, Hinweise auf hinterzogene Steuern in Höhe von weit mehr als zehn Millionen Euro gefunden zu haben.
Dabei geht es vor allem um nicht abgeführte Umsatzsteuer, da bei jedem Klick, mit dem ein deutscher Kunde Thylmanns kostenpflichtige Seiten nutzt, 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden. Die Geschäfte des Internetmillionärs sind für die Ermittler nun nachzuvollziehen - sie haben einen Datenbestand von mehreren Terabytes gesichert. Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sollte schon bei einer Million Euro hinterzogener Steuern eine Haftstrafe ohne Bewährung verhängt werden.
Thylmanns Düsseldorfer Anwalt Sven Thomas hat dieser Tage versucht, Haftverschonung für seinen Mandanten zu erreichen. Zu den Vorwürfen gegen die Porno-Größe will er sich "gegenwärtig nicht äußern". Mittlerweile ist Thylmann gegen eine Sicherheitsleistung von mindestens zehn Millionen Euro wieder auf freiem Fuß. Das Kölner Amtsgericht habe den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt, sagte der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft. Der 34-Jährige habe eine Summe im niedrigen zweistelligen Millionenbereich hinterlegt und müsse sich an strikte Meldeauflagen halten.
Der aus Aachen stammende Internetunternehmer hat innerhalb weniger Jahre ein Imperium für Online-Pornografie aufgebaut. Zu seiner in Luxemburg ansässigen Dachholding Manwin Holding Sarl sollen mehr als 35 Firmen gehören, die sich auf den Betrieb von pornografischen Web-Angeboten spezialisiert haben.
Die Manwin-Gruppe beschäftigt ungefähr tausend Mitarbeiter. Sie macht laut Thylmann mit pornografischen Angeboten wie YouPorn, Pornhub, Brazzers oder My Dirty Hobby einen mittleren dreistelligen Millionenumsatz im Jahr und erzielt 30 Prozent Marge vor Steuern und Abschreibungen.
Thylmann war an seinem Wohnsitz in Belgien festgenommen und vergangene Woche nach Deutschland ausgeliefert worden. Er bestreitet die Vorwürfe.
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