Prinz Haakons Rede im Wortlaut: "Liebe als Antwort auf Gewalt"

Mit einer bewegenden Rede hat sich Norwegens Kronprinz Haakon an sein Volk gewandt. Der Terror habe das ganze Land getroffen, doch nun müsse man der Gewalt mit Liebe entgegentreten, erklärte er in Oslo. Auszüge aus der Ansprache im Wortlaut.

Norwegens Kronprinz Haakon, Kronprinzessin Mette-Marit: "Straßen mit Liebe gefüllt" Zur Großansicht
DPA

Norwegens Kronprinz Haakon, Kronprinzessin Mette-Marit: "Straßen mit Liebe gefüllt"

"Heute Abend sind die Straßen mit Liebe gefüllt. Wir wollen Grausamkeit mit Nähe beantworten. Wir wollen Hass mit Zusammenhalt beantworten. Wir wollen zeigen, wozu wir stehen. Norwegen ist ein Land in Trauer. Wir denken an alle, die Verluste erlitten haben. (...)

Diejenigen, die sich auf Utøya und im Regierungsviertel aufgehalten haben, waren Ziel des Terrors. Aber er hat uns alle getroffen. (...) Nach dem 22. Juli können wir uns nie wieder die Annahme erlauben, dass unser Meinungen und Haltungen ohne Bedeutung sind. Wir müssen einander jeden Tag begegnen, gerüstet sein für den Kampf um die freie und offene Gesellschaft, die wir so mögen. (...)

Heute Abend sind die Straßen mit Liebe gefüllt. Wir stehen vor einer Wahl. Wir können das Geschehene nicht ungeschehen machen. Aber wir können uns entscheiden, was es mit uns als Gesellschaft und als Einzelne macht. Wir können uns dafür entscheiden, dass niemand allein stehen muss. Wir können uns dafür entscheiden, zusammenzustehen.

Jeder Einzelne hat diese Entscheidung, du hast sie, und ich habe sie. Zusammen haben wir eine Aufgabe zu erledigen. Diese Aufgabe steht an, wenn wir beim Abendessen zusammensitzen, in der Kantine, beim Vereinsleben, als Freiwillige, Männer und Frauen, auf dem Land und in der Stadt.

Wir wollen ein Norwegen: In dem wir zusammenleben in einer Gemeinschaft mit der Freiheit, Meinungen zu haben und uns zu äußern. In der wir Unterschiede als Möglichkeiten sehen. In der Freiheit stärker ist als Angst. Heute Abend sind die Straßen mit Liebe gefüllt."

jok/dpa

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1. Hübsch gesagt
blaudistel 26.07.2011
was sollte er auch sonst sagen!
2. Zerstörung einer Illusion
MonaM 26.07.2011
Zitat von sysopMit einer bewegenden Rede hat sich Norwegens Kronprinz Haakon an sein Volk gewandt. Der Terror habe das ganze Land getroffen, doch nun müsse man der Gewalt mit Liebe entgegentreten, erklärte er in Oslo. Auszüge aus der Ansprache im Wortlaut. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776616,00.html
Die Norweger erleben gerade eine schmerzhaften Prozess, durch den auch die Schweden schon durchmussten: den Verlust der geliebten Illusion, auf einer Insel der Seligen zu leben, in einem kleinen Paradies des Friedens, in dem sich gutwillige Bürger gegenseitig nichts Böses antun. Diese Illusion ist nun brutal und ein für allemal zerstört worden. Die emotionalen Worte des Kronprinzen sind sicher Balsam auf den verwundeten Seelen seiner Landleute, an der bitteren Tatsache, dass das Böse, wie überall, auch im idyllischen Norwegen zuschlagen kann, ändern sie nichts.
3. Holla
feuercaro1 26.07.2011
Eine hochemotionale Rede, die anders nicht zu halten ist. RESPEKT.
4. Blauberrpfannkuchen
Sherlock70 26.07.2011
Zitat von blaudistelwas sollte er auch sonst sagen!
Nun, mal überlegen... Er hätte sagen können: Jetzt werden wir hart durchgreifen, jeder bürger steht erstmal unter Terrorverdacht, und ist in der Pflicht das Gegenteil zu beweisen. Dazu werde ich dem Ministerpräsidenten die totale Überwachung unserer Bürger empfehlen. Sowas zumindest hört man derzeit von der absolut unbetroffenen Bundesregierung. Also insofern: Hut ab, Herr Kronprinz.
5. mag ja sein
janne2109 26.07.2011
Zitat von feuercaro1Eine hochemotionale Rede, die anders nicht zu halten ist. RESPEKT.
mag ja sein, aber dass hier zur Diskussion zu stellen ist nicht Spiegel-würdig.
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"Abscheuliche Akte der Gewalt"

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Waffen in Norwegen
Zahlen
Die Zahl der Schusswaffen, die sich in Privatbesitz befinden, wird auf rund 1,4 Millionen geschätzt, bei einer Bevölkerung von etwa fünf Millionen Menschen. Die hohe Zahl ist vor allem auf die Jagd zurückzuführen: Nach Angaben der Behörden besaß vor drei Jahren ungefähr jeder zehnte Norweger eine Jagdlizenz. Ähnlich beliebt ist das Sportschießen.
Waffengesetze
Die Waffengesetze Norwegens sind vergleichsweise strikt. Privater Waffenbesitz ist möglich, allerdings unter strengen Auflagen. Dass auch sie nicht vor grausamen Verbrechen schützen, beweist der Massenmord durch Anders Breivik: Er hatte seine Schusswaffen offenbar auf legalem Weg erworben.
Allgemeine Vorschriften
In Norwegen dürfen laut dem Waffengesetz "vernünftige und verantwortungsbewusste" Personen ab 18 Jahren Schrotflinten und Gewehre besitzen. Handfeuerwaffen sind ab 21 erlaubt. Wer einen Waffenschein haben möchte, muss seine Gründe darlegen. Meistens werden hier die Jagd oder Sportschießen genannt. Es darf keine Vorstrafe vorliegen. Dies traf auf Anders Breivik zu.
Waffenbesitz für die Jagd
Die meisten Waffenscheine werden in Norwegen für die Jagd vergeben. Für die Jagdlizenz müssen Anwärter einen 30-stündigen Kurs absolvieren. Zudem müssen sie einen Multiple-Choice-Test bestehen. Der Jagdschein muss jährlich erneuert werden, allerdings nur durch die Entrichtung einer Gebühr. Breivik erwarb die halbautomatische Schnellfeuerwaffe Ruger Mini 14, die die Standardmunition westlicher Streitkräfte verschießt, offenbar auf diesem Weg. "Ich habe den einwöchigen Jagdkurs absolviert", schreibt er im September 2010 in sein Tagebuch. "Die Polizei hat keinen Grund, meinen Antrag abzuweisen."
Waffenbesitz für das Sportschießen
Wer als Sportschütze einen Waffenschein erwerben will, muss einen mindestens neunstündigen Sicherheitskurs absolvieren, der zu zwei Dritteln aus praktischen Übungen mit der Waffe besteht. Der Kurs endet mit einem schriftlichen Test, der allerdings kürzer ist als im Fall des Jagdscheins. Nach dem bestandenen Test müssen die Anwärter über einen Zeitraum von sechs Monaten mindestens 15-mal an einem Training im Schützenverein teilnehmen. Erst danach darf man einen Waffenschein beantragen. Auch seine Pistole, eine halbautomatische Glock 17 scheint Breivik auf diesem vorgeschriebenen Weg erworben zu haben: "15-mal Training im November, Dezember und Januar wurden abgeschlossen und dokumentiert. Der Antrag für eine Glock 17 wurde Mitte Januar abgeschickt", schreibt Breivik in seinem Tagebuch.
Unterbringung von Waffen
Waffen und Munition müssen in einem verschlossenen Schrank gelagert werden. Der Polizei ist es erlaubt, die Unterbringung zu überprüfen.
Transport von Waffen
Das Mitführen von Waffen an öffentlichen Plätzen ist streng geregelt. Der Besitzer darf nur aus bestimmten Gründen Waffen transportieren, etwa wenn sie zur Reparatur müssen oder er auf dem Weg zur Jagd ist. Die Waffen dürfen nicht geladen und nicht nach außen hin sichtbar sein. Es ist verboten, sie am Körper zu tragen. Selbst Polizisten tragen in Norwegen im Normalfall keine Pistolen bei sich. Die Waffen müssen im Polizeiwagen in einer verschlossenen Box gelagert werden. Die Beamten dürfen sie erst herausholen, wenn sie die Erlaubnis eingeholt haben. Insofern war schon das Auftreten Breviks ungewöhnlich, als er auf der Insel ankam: Er soll zwei Waffen offen getragen haben.

Fläche: 323.787 km²

Bevölkerung: 4,920 Mio.

Hauptstadt: Oslo

Staatsoberhaupt:
König Harald V.

Regierungschef:
Erna Solberg

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