Urteil zu Fahrtüchtigkeit Bei 1,1 Promille ist für Kutscher Schluss

Betrunken auf dem Bock zu sitzen, war für Kutscher bisher kein Problem - für sie gab es keine offizielle Promillegrenze. Das Oberlandesgericht Oldenburg hat nun entschieden, dass sie nicht betrunkener sein dürfen als Autofahrer.

Kutschen in der Lüneburger Heide (Archiv): Gerichtsurteil zu Fahrtüchtigkeit
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Kutschen in der Lüneburger Heide (Archiv): Gerichtsurteil zu Fahrtüchtigkeit


Oldenburg - Ab einem Alkoholpegel von 1,1 Promille gilt ein Kutscher als fahruntüchtig. Das hat das Oberlandesgericht in Oldenburg entschieden. Damit gilt für Kutscher und für Autofahrer der gleiche Grenzwert. Bisher galt für Kutscher weder die 1,1-Promille-Grenze für Kraftfahrer, noch die 1,6-Promille-Grenze für Fahrradfahrer.

Kutscher seien langsam unterwegs, da komme es nicht auf den Gleichgewichtssinn an - so argumentierte im August 2012 das Landgericht Oldenburg. Ein Kutscher war mit fast zwei Promille auf einer öffentlichen Straße im Emsland unterwegs gewesen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein.

Das Oberlandesgericht befand nun, eine Promillegrenze sei angemessen. Kutscher müssten im Straßenverkehr vielfältige Anforderungen erfüllen, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Ein Pferd sei zu keiner angemessenen Eigenreaktion fähig, sondern verlasse sich auf den Fahrer. Ein Kutscher müsse anders als ein Radfahrer jederzeit in der Lage sein, schnell zu reagieren. Außerdem müsse er immer seine Stimme und die Fahrleinen einsetzen können.

In Deutschland gelten Autofahrer spätestens ab 1,1 Promille als absolut fahruntüchtig. Dabei ist es unerheblich, ob sie andere gefährden. Als eingeschränkt fahruntüchtig gilt man bei einem Blutalkoholgehalt von 0,3 bis 1,09 Promille.

som/dpa

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