Proteste nach YouTube-Video: Polizisten erschießen Mann in leerer Straßenbahn

Proteste in Toronto: 18-Jähriger stirbt bei Polizeieinsatz Fotos
AP

Der gewaltsame Tod eines 18-Jährigen sorgt im kanadischen Toronto für Proteste. In einer leeren Straßenbahn hatte Sammy Yatim mit einem Messer hantiert; die Polizei streckte ihn mit neun Schüssen nieder. Der Fall erinnert an einen ähnlichen Einsatz in Berlin.

Toronto - Erst fallen drei Schüsse, dann weitere sechs - und am Ende feuern die Polizisten einen Taser auf den Sterbenden ab: Das YouTube-Video eines blutigen Polizeieinsatzes hat in Toronto für Proteste gesorgt.

In der kanadischen Metropole war am Samstag der 18-jährige Sammy Yatim von Polizisten erschossen worden, nachdem er in einer Straßenbahn mit einem Messer hantiert hatte.

Der bei YouTube hochgeladene Film zeigt, wie Polizisten vor dem ansonsten leeren Tramwagen stehen und Yatim immer wieder auffordern, sein Messer fallen zu lassen. Kurz darauf eröffnen sie das Feuer; auch ein Elektroschocker kommt zum Einsatz. Yatim stirbt nach Angaben des "Toronto Star" wenig später im Krankenhaus - "mehrere Schussverletzungen" sind die offizielle Todesursache.

Hunderte Menschen gingen am Montag (Ortszeit) auf die Straße, um gegen den Tod des Teenagers zu protestieren. Für viele Demonstranten handelt es sich um einen extremen Fall von Polizeigewalt. Ein kanadischer Ex-Polizist schloss sich dieser Auffassung an und sagte der Nachrichtenagentur AP, die Beamten in dem Video hätten übertrieben hart gehandelt.

"Ich weiß, dass Antworten nötig sind"

Nach Angaben von Torontos Polizeichef Bill Blair untersuchen Ermittler nun die Umstände des tödlichen Einsatzes. Einer der beteiligten Polizisten wurde vom Dienst suspendiert. Blair sagte, er habe das Video gesehen und verstehe die öffentliche Beunruhigung. "Ich weiß, dass Antworten nötig sind", sagte er.

Unklar ist offenbar, warum es überhaupt zu der Konfrontation mit der Polizei kam. Yatim, der laut "Toronto Star" ein knapp acht Zentimeter langes Messer bei sich trug, hatte zuvor alle Fahrgäste der Straßenbahn zum Aussteigen gezwungen.

An einem Protestmarsch durch Toronto nahmen auch Yatims Mutter und Schwester teil. "Schande!", skandierte die Menge, forderte Gerechtigkeit für den getöteten Teenager und ein Ende der Polizeigewalt.

Nach Angaben seines Onkels war Yatim als Kind kanadischer Eltern in Syrien geboren worden, vor fünf Jahren sei er mit seinem Vater nach Kanada gezogen.

Der Tod des 18-Jährigen weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Fall in Berlin. Dort hatte ein Polizist am Neptunbrunnen einen geistig verwirrten Mann erschossen, nachdem dieser ihn mit einem Messer bedroht hatte. Auch damals war die Frage laut geworden, ob der Beamte angemessen reagiert hatte.

rls/AP

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insgesamt 299 Beiträge
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1. ...
Beobachter123 30.07.2013
Auch wenn das im Internet veröffentliche Video für den aussenstehenden Betrachter verstörend wirkt, muss ein solcher Fall sicher differenziert betrachtet werden. Als Außenstehender können die Abläufe nicht objektiv beurteilt werden. Mit Sicherheit befand sich auch der eingesetzte Polizeibeamte in einer psychischen Ausnahmesituation. Nicht jeder Polizeibeamte ist ein ausgebildeter Präzisionsschütze, Nahkämpfer oder Psychologe. Ein jahrelanger Sparkurs der Politik begünstigt die Ausbildung mit Sicherheit ebensowenig.
2. Warum nicht ausschließlich
streitross2012 30.07.2013
mit dem Elektroschocker? Musste die Straßenbahn geschützt werden?!!!
3.
Marc Anton 30.07.2013
worüber sollen wir hier diskutieren? wir kennen weder vorgeschichte noch einzelheiten. aber das wird sicherlich wie gewünscht kein hysterisches gekreische gegen sog. polizeigewalt verhindern. allein der vergleich mit berlin zeigt doch, wo die journalistische reise hingehen soll
4. Wie war das noch mit demokratie?
mahony1985 30.07.2013
Jetzt möchte ich mal lesen was die foristen über den harten polizeieinsatz in der türkei geschrieben haben von wegen diktatur regime. Wären diese fälle in der türkei oder in den arabischen ländern passiert wäre würden hier alle foristen sturm laufen. Komische welt. Alles was in osten passiert ist böse und alles was in westen passiert ist rechtens.
5. die Polizei ist eben immer der Depp
frowin 30.07.2013
tut mir leid aber wer so einen Mist macht ist selber schuld, bei so einem Vorgehen könnte er auch noch mehr Waffen oder eine Bombe haben.
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