Angehörige vs. Unicef Im Namen des Schwagers

Ein Mann stirbt. 1,168 Millionen Euro Erbe sollen an seinen Bruder und Unicef gehen. Doch der Bruder ist schon vor dem Erblasser gestorben - nun will Unicef die ganze Summe. Das sei nicht im Sinne des Erblassers, sagte nun eine Verwandte vor Gericht.

Erbengemeinschaft, Anwältin Silke Wenk: "Testamente gehören in die Hände von Fachleuten"
Oliver Killig

Erbengemeinschaft, Anwältin Silke Wenk: "Testamente gehören in die Hände von Fachleuten"


Zweite Runde im Streit zwischen Unicef und einer deutsch-schweizerischen Familie: Vor dem Amtsgericht im bayerischen Wolfratshausen geht es um die Frage, wem das Millionenerbe von Hans Helmut Hosemann zusteht. Hosemann war im Dezember 2013 gestorben. Er hatte in seinem Testament 1,168 Millionen Euro zu zwei Dritteln der Hilfsorganisation und zu einem Drittel seinem Bruder Georg vermacht. Weil Georg bereits 2007 verstarb, Hans Helmut Hosemann sein Testament aber nicht mehr änderte, beansprucht Unicef das ganze Erbe - und die Familie soll leer ausgehen.

Nun musste Hans Helmut Hosemanns Schwägerin, Georgs Witwe Sonja Hosemann, vor Gericht aussagen. Wann sie mit ihrem Schwager über das Erbe gesprochen habe, wollte das Gericht von ihr wissen: 2013, wie sie in einem ersten Brief ans Gericht schrieb - oder doch schon früher? Für Unicef-Anwalt Joachim Müller ist das eine wichtige Frage: Hans Helmut Hosemann war 2013 bereits dement und lebte in einem Pflegeheim.

"Es war im Frühjahr 2011, ich hab leider die Jahre durcheinandergebracht", sagte Sonja Hosemann, 63, nun vor Gericht. Da ging es dem Schwager noch gut. "Wir haben erst beim Griechen gegessen, das Essen war schlecht," erinnerte sie sich. Dann hätten sie sich auf die große Terrasse seiner Wohnung gesetzt und lange miteinander geredet, auch über das Testament. Für ihren Schwager sei klar gewesen: Nach seinem Tod erben Sandra und Andreas, die beiden Kinder von seinem Bruder Georg und ihr, Sonja Hosemann.

"Immer wieder Probleme mit privat verfassten Testamenten"

Das hatte Richterin Anne Köhn auch in einer ersten Entscheidung so gesehen, Unicef legte Beschwerde ein. Ihre Entscheidung will Köhn am 24. Juli verkünden.

"Es gibt leider immer wieder Probleme mit privat verfassten Testamenten", sagte Hosemanns Rechtsanwältin Silke Wenk. "Ein juristischer Laie kommt selten auf die Idee, Kinder als Ersatzerben einzusetzen, weil er das als selbstverständlich ansieht." Dann komme es leider immer wieder vor, dass sich Familien wie die Hosemanns plötzlich mit Anwälten herumschlagen müssten.

Unicef erklärt auf Anfrage, dass "gerichtliche Auseinandersetzungen mit potenziellen Erben selten vorkommen". Und: "Bei Unklarheiten suchen wir die Verständigung."

"Testamente gehören in die Hände von Fachleuten, das erspart viel Ärger und auch Kosten", rät Wenk. Gutgemeinte Laienwerke würden oft Anlass zu Streitereien bieten. Das könne einem der Gang zum Notar ersparen, dort werde auch immer die Erbfolge eindeutig geregelt.



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insgesamt 58 Beiträge
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meinmein 03.07.2015
1.
Gut dass darüber berichtet wird. Dass Unicef hier nicht kulant ist, bewirkt, dass es aus meiner Spendenliste gestrichen wird.
oldhenry49 03.07.2015
2. Ich nehme
Zitat von meinmeinGut dass darüber berichtet wird. Dass Unicef hier nicht kulant ist, bewirkt, dass es aus meiner Spendenliste gestrichen wird.
solche großen Organistationen garnicht erst in meiner Spendenliste auf.Statt dessen unterstütze ich kleine und überschaubare Projekte,wie z.B.Ärzte,die ihren Urlaub nehmen, um Menschen in der 3 Welt zu behandeln.
ambulans 03.07.2015
3. so,
und das war jetzt der leider gottes unvermeidliche werbe-block für die lieben notare, fach-anwälte für erbrecht, usw. ... mann gottes
watwollnsedenn 03.07.2015
4.
Zitat von meinmeinGut dass darüber berichtet wird. Dass Unicef hier nicht kulant ist, bewirkt, dass es aus meiner Spendenliste gestrichen wird.
Dann wären wir schon 2. Und die Weihnachtskarten an die Kunden kommen dieses Jahr auch von einem anderen.
Doc Holmes 03.07.2015
5. Schuss ins Knie
Liebe UNICEF, diese Aktion wird sie mehr Geld kosten als sie durch denn vielleicht gewonnenen Prozeß gewinnen (wenn überhaupt). Der Image-Schaden, der bereits jetzt entstanden ist, ist nicht wieder gut zu machen. Sie haben schlechte PR-Berater. Jeder normale Mensch (und das sind die Spender!) würde im Sinne der Familie entscheiden. Juristische Spitzfindigkeiten dieser Art mögen formal korrekt ablaufen, aber was bleibt, ist der Eindruck: GIER
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