Prozess gegen Jackson-Arzt: Murray soll Informationen unterschlagen haben

Eine Notärztin hat Michael Jacksons früheren Leibarzt schwer belastet: Conrad Murray soll der Medizinerin verheimlicht haben, dass er dem Sänger ein starkes Betäubungsmittel verabreicht hatte. Allerdings hätte selbst diese Auskunft Jackson wohl nicht gerettet.

Angeklagter Murray: Von Ärztin belastet Zur Großansicht
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Angeklagter Murray: Von Ärztin belastet

Los Angeles - Eine Notärztin hat im Prozess gegen den früheren Leibarzt Michael Jacksons den Vorwurf der Unterschlagung medizinisch wichtiger Informationen bestätigt. Am Todestag des Popsängers habe der Angeklagte Conrad Murray ihr gegenüber mit keinem Wort erwähnt, dass er Jackson das starke Betäubungsmittel Propofol verabreicht habe, sagte die Medizinerin Richelle Cooper.

Der Ärztin zufolge erwähnte Murray nur, er habe Jackson ein Beruhigungsmittel gegeben. Allerdings gab Cooper zu, dass selbst vollständige Informationen von Murray den Sänger vermutlich nicht gerettet hätten.

Cooper sagte, sie habe von Murray nie verlangt, die Todesurkunde zu unterschreiben, weil Jackson zum Zeitpunkt, als er ins Krankenhaus gebracht worden sei, ihr Patient gewesen sei. "Herr Jackson war mein Patient und ich hatte keine Erklärung für seinen Tod", sagte Cooper. Sie habe die Erlaubnis gegeben, Jackson für tot zu erklären; Murray habe gewollt, im Krankenhaus weitere Wiederbelebungsversuche durchzuführen. Laut Cooper war der Sänger "klinisch tot", als er in der Notaufnahme ankam.

In der vergangenen Woche hatten vor dem Gericht in Los Angeles bereits mehrere Sanitäter als Zeugen ausgesagt, Murray habe die Verwendung des Mittels nicht angegeben und auf Fragen nur ausweichend geantwortet.

Die Sanitäter und Cooper sind nicht die einzigen Zeugen, die Murray belasten. Ende September hatte bereits Jacksons früherer Leibwächter ausgesagt. Demnach soll Murray mit einer Hand versucht haben, den Musiker auf einem weichen Bett wiederzubeleben. Normalerweise wird eine Herz-Lungen-Massage auf einer harten Unterlage mit beiden Händen durchgeführt. Der Leibwächter war von Murray am 25. Juni 2009 zu Hilfe gerufen worden, als Jackson leblos in seinem Schlafzimmer lag.

Laut Anklage hat Murray "grob fahrlässig" gehandelt und den Tod durch das Verabreichen starker Medikamente herbeigeführt. Murray weist jede Schuld von sich. Die Verteidigung will beweisen, dass der Sänger am Todestag sich selbst den tödlichen Cocktail aus Propofol und Lorazepam verabreichte, nachdem der Arzt den Raum verlassen hatte. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Murray vier Jahre Haft und der Entzug seiner Approbation.

ulz/dapd/AP

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