21 missbrauchte Jungen Verteidiger fordern neun Jahre Haft für Kinderarzt

Der Missbrauchsprozess gegen einen Kinderarzt in Augsburg steht vor dem Abschluss. Die Verteidigung hält neun Jahre Haft für angemessen, die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine deutlich härtere Strafe.

Angeklagter Kinderarzt (Mitte) mit Anwälten (Archivfoto)
DPA

Angeklagter Kinderarzt (Mitte) mit Anwälten (Archivfoto)


Vor dem Landgericht Augsburg haben die Verteidiger eines Kinderarztes auf eine Haftstrafe von neun Jahren für ihren Mandanten plädiert. Der Angeklagte Harry S. hat zugegeben, 21 Jungen missbraucht zu haben. In dem Prozess verlangten die Anwälte zudem, gegen den 41-Jährigen keine Sicherungsverwahrung zu verhängen. Stattdessen sollte der pädophile Angeklagte ihrer Ansicht nach zur Therapie in eine forensische Klinik eingewiesen werden.

Dem Mediziner werden schwerer Kindesmissbrauchs, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Kinderpornografie vorgeworfen. Teils machte er Bilder und Videofilme, während er sich an den Jungen verging. Zudem wurden bei ihm andere kinderpornografische Bilder gefunden.

Der Mann hatte an Kliniken in Bayern und Hannover sowie ehrenamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz gearbeitet. Seine Opfer waren Kinder in Augsburg, Nürnberg, München und im Raum Hannover.

Schlagzeilen machte die Entführung eines Fünfjährigen im niedersächsischen Garbsen. Der Mann lockte das Kind in sein Auto, betäubte es mit einem Medikament und verging sich an dem Jungen. Später setzte er das benommene Opfer an anderer Stelle wieder aus.

Die Staatsanwältin hatte am Donnerstag eine Gefängnisstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Sie blieb somit nur geringfügig unter der Höchststrafe von 15 Jahren. Das Urteil soll am kommenden Donnerstag verkündet werden.

Der Mediziner war im Oktober 2014 festgenommen worden. Zum Prozessauftakt hatte er gesagt, er sei zu der Einsicht gelangt, "dass der einzige Weg, mit meinen Taten umzugehen, ist, diese vollständig einzuräumen". Eine Entschuldigung für seine Vergehen gebe es nicht. "Ich kann nur um Vergebung bitten", sagte er unter Tränen.

ulz/dpa



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