Prozess gegen TV-Moderator Überraschender Anwaltswechsel im Fall Kachelmann 

Seit Monaten verteidigt er den Fernsehmoderator Kachelmann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung - nun hat Anwalt Reinhard Birkenstock das Mandat an Johann Schwenn abgegeben. Über die Hintergründe schweigt er.

Angeklagter Kachelmann (r.), Anwalt Birkenstock (l.): Mandat niedergelegt
dapd

Angeklagter Kachelmann (r.), Anwalt Birkenstock (l.): Mandat niedergelegt


Mannheim - Bereits am Mittwoch soll der Prozess gegen den Fernsehmoderator Jörg Kachelmann weitergehen - dieser ist wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung angeklagt. Doch seinen Hauptanwalt Reinhard Birkenstock wird Kachelmann künftig wohl nicht an seiner Seite haben. Er vertritt ihn nicht mehr.

Er sei "ab sofort nicht mehr der Anwalt von Herrn Kachelmann", teilte Birkenstock am Montag mit. Aus "berufsrechtlichen und prozessualen Gründen" stehe er zu keiner weiteren Auskunft in dieser Sache mehr zur Verfügung.

Im Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur dapd untermauerte der Rechtsanwalt noch einmal seinen Entschluss, "keinerlei weitere Erklärungen" abzugeben. Die Verteidigerin Andrea Combé bleibt ebenso im Amt wie Medienanwalt Ralf Höcker. Wie Höcker SPIEGEL ONLINE sagte, wird der Hamburger Jurist Johann Schwenn die Verteidigung gemeinsam mit Combé in dem Verfahren weiterführen, das vom Landgericht Mannheim bereits bis Ende März 2011 terminiert wurde.

Die Verteidigung war Ende Oktober mit einem Befangenheitsantrag gegen das Gericht gescheitert. Zuletzt hatte im Prozess die Ex-Geliebte Kachelmanns ausgesagt, die auch als Nebenklägerin wegen mutmaßlicher Vergewaltigung auftritt und dem Wettermoderator vorwirft, sie vergewaltigt zu haben.

Alice Schwarzer muss zahlen

Vor einem Monat war Kachelmanns Verteidiger selbst in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion geraten. Die "Emma"-Chefredakteurin und Herausgeberin Alice Schwarzer hatte Mitte Oktober einen "Bild"-Artikel über die "Spielchen der Verteidigung" im Vergewaltigungsprozess geschrieben. Darin warf sie dem Anwalt Birkenstock vor, das vermeintliche Opfer zu diffamieren. Er hätte behauptet, "Jörg Kachelmann kenne diese Frau gar nicht, sie sei eine Stalkerin". Birkenstock hatte das allerdings nie gesagt.

"Bild" korrigierte die falsche Berichterstattung. Schwarzer gab eine Unterlassungserklärung ab, an die sie sich aber nicht hielt. Denn auf emma.de und aliceschwarzer.de war der Vorwurf noch tagelang zu lesen. Damit wurde nach SPIEGEL-Informationen eine Strafe von rund 5000 Euro geltend gemacht. Birkenstock will die Summe spenden.

kgp/dpa/dapd

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