Prozess in Frankfurt (Oder) Mutmaßlicher Dreifachmörder widerspricht früheren Aussagen

Jan G. tötete seine Großmutter und überfuhr auf der Flucht zwei Polizisten. Vor Gericht hat der Angeklagte nun seine Sicht der Dinge geschildert.

Jan G. (l.) mit seinem Verteidiger Stefan Böhme (Archiv)
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Jan G. (l.) mit seinem Verteidiger Stefan Böhme (Archiv)


Der mutmaßliche Dreifachmörder Jan G. hat vor Gericht in Brandenburg seine eigenen Aussagen aus Vernehmungsprotokollen der Polizei infrage gestellt. "Das ergibt doch gar keinen Sinn", sagte der 25-Jährige am vierten Verhandlungstag vor den Richtern des Landgerichts Frankfurt (Oder). Mehrfach präsentierte G. eine andere Version der Geschehnisse am 28. Februar.

An diesem Tag tötete er laut Staatsanwaltschaft seine Großmutter in ihrem Haus in Müllrose und überfuhr anschließend auf der Flucht mit hoher Geschwindigkeit zwei Polizisten, die ihn mit einer Straßensperre stoppen wollten. Die Beamten waren sofort tot.

Die 79-jährige Großmutter, bei der er lebte, hatte er brutal verprügelt. Sie schleppte sich ins Bad, doch er trat die Tür ein und erstach sie schließlich mit einem Messer. Als eine Gerichtsmedizinerin von der Schwere der Verletzungen berichtete und die Obduktionsbilder gezeigt wurden, tat er so, als habe er die Seniorin erlöst. Seine Einlassungen waren teilweise wirr und kaum verständlich.

Auf die Frage, ob sie die Polizei habe rufen wollen, sagte G, seine Großmutter hätte ihn nie verraten - ein Widerspruch zu seiner polizeilichen Vernehmung. Damals hatte er den Angriff damit begründet, dass seine Großmutter ihn habe verpfeifen wollen.

Er sei geflohen, weil er mit dem Auto der Großmutter die Möglichkeit dazu gehabt habe, so G. Auf die Straßensperre angesprochen sagte er, er habe keine Möglichkeit zu bremsen gehabt. "Es ging zu schnell." Ihm wurden die Vernehmungen vorgehalten, seine Schilderungen des Tathergangs. Doch während der Befragung durch die Richterin konnte sich G. an wenig erinnern.

Die Lebensgeschichte von Jan G. ist die Geschichte eines tragischen Irrwegs. Er wurde schon als Jugendlicher straffällig, war immer wieder in psychiatrischer Behandlung, drogenabhängig, bedrohte seine Mutter und deren Partner, die sich trotz verzweifelter Hilferufe mit dem Problem alleingelassen fühlten (mehr zu dem Fall lesen Sie hier).

"Ich hatte in meinem Leben so viel schöne Momente", sagte Jan G. nun vor Gericht und zeigte vielleicht zwei Zentimeter zwischen Zeigefinger und Daumen. Dann riss er seine Arme auseinander. "Und so viel war scheiße in meinem Leben."

Nach Vorstellung der Staatsanwaltschaft soll G., der zurzeit in einem Krankenhaus untergebracht ist, entweder zeitlich unbefristet in der forensischen Psychiatrie bleiben oder aber nach Verbüßung einer lebenslangen Freiheitsstrafe in die Sicherungsverwahrung kommen.

SPIEGEL TV Magazin über den Fall Jan G. (15.10.2017)

hut/the/dpa

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