Prozess in Peking Anbieter von Homosexuellen-Therapie vor Gericht

In China behandeln manche Krankenhäuser Menschen wegen ihrer Homosexualität. Nun steht erstmals ein Anbieter der umstrittenen Prozedur vor Gericht. Er soll den Kläger mit Hypnose und Elektroschocks behandelt haben.

Proteste vor Gericht in Peking: Gegen Homosexuellen-Therapie
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Proteste vor Gericht in Peking: Gegen Homosexuellen-Therapie


Peking - Seit 2001 gilt Homosexualität in China nicht mehr als Geisteskrankheit. Das hält manche Kliniken aber nicht davon ab, diese sexuelle Orientierung "heilen" zu wollen. Aktivisten finden das empörend und hoffen deshalb auf einen Prozess, bei dem erstmals ein Anbieter der Therapie vor Gericht steht.

Der schwule Kläger Yang Teng wirft einer Klinik in Chongqing vor, ihn durch den Einsatz von Hypnose und Elektroschocks zur Therapierung seiner Homosexualität traumatisiert zu haben. Zudem will der 30-Jährige gegen die Internetsuchmaschine Baidu vorgehen, weil sie Werbeanzeigen der Klinik bringt.

Er habe sich der Prozedur unterzogen, weil seine Familie ihn unter Druck gesetzt habe, zu heiraten und ein Kind zu bekommen, sagte Yang. "Meine Heimatstadt ist klein, dort ist den Leuten die Familienlinie noch wichtig", sagte er. Er könne erst jetzt seine Homosexualität akzeptieren. Yang möchte mehr als 2300 Dollar Schmerzensgeld. Zudem verlangt er, dass auf den Websites beider Unternehmen eine Entschuldigung veröffentlicht wird. Die Klinik und die Suchmaschine gaben keinen Kommentar ab.

Der Chef des Pekinger LGBT Center, das sich für die Rechte Homosexueller einsetzt, sagte, derartige Behandlungen würden immer noch in manchen öffentlichen und privaten Kliniken angeboten. Man hoffe, dass der Prozess zu einem generellen Verbot führe. Vor dem Gericht in Peking demonstrierten Unterstützer und riefen Slogans wie "Homosexualität muss nicht behandelt werden".

In China stoßen Schwule und Lesben in der Gesellschaft oft auf Ablehnung. Wer sich zu seiner Homosexualität bekennt, wird vielfach massiv unter Druck gesetzt, sich einer "Therapie" zu unterziehen und einen Partner des anderen Geschlechts zu heiraten. China steht mit dem Problem nicht allein da. Auch in vielen anderen Ländern werden zweifelhafte Therapien angeboten, die Homosexualität heilen sollen.

ulz/AFP/AP



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