Prozess nach Suizid: Lokführer bekommt Schmerzensgeld von Hinterbliebenen

Stefan S. wurde im Januar 2009 zwischen Nürnberg und Lauf von einem Zug erfasst. Der Lokführer verlangte vor Gericht Schmerzensgeld von den Eltern des Getöteten - nun einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich.

Nürnberg - Wegen Alpträumen und starken Kopfschmerzen: Ein Lokführer forderte Schmerzensgeld von einem Ehepaar, nachdem deren Sohn sich vor seinen Zug geworfen hatte. Nun haben sich die Parteien auf einen außergerichtlichen Vergleich verständigt. Die als Erben belangten Eltern des 20-Jährigen hätten sich zu einer Geldzahlung an den Lokführer bereiterklärt, teilte ein Sprecher des Landgerichts Nürnberg-Fürth am Montag mit. Über die Höhe der Summe sei Stillschweigen vereinbart worden.

Bei einem eintägigen Prozess zu dem Fall Ende Juli hatte das Gericht in seinem Vergleichsvorschlag einen Betrag zwischen 3000 und 5000 Euro zur Diskussion gebracht.

Der Student Stefan S. hatte sich in der Nacht zum 5. Januar 2009 auf der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Lauf vor einen Zug geworfen. Der Lokführer hatte die Erben des Toten ursprünglich auf Zahlung von 15.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Er leide unter Alpträumen und starken Kopfschmerzen, hatte sein Anwalt die Klage begründet.

Formell geklagt hatte dabei die Ehefrau des Lokführers, an die er seine Schmerzensgeldforderung abgetreten hatte. Dank dieses juristischen Kniffs konnte der Lokführer als Zeuge in eigener Sache aussagen.

Der Vergleich könnte sich auf ähnliche Fälle auswirken. Nach Kenntnis des Frankfurter Anwalts Andreas Wirz ist bisher kaum ein Lokführer gegen Angehörige von Selbstmördern vor Gericht gezogen - oft wegen moralischer Bedenken. Aus juristischer Sicht könnten Erben aber durchaus für das Verhalten des Verstorbenen verantwortlich gemacht werden.

wit/dpa

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