Prozess in Marseille: Ehemaliger PIP-Chef verteidigt Billig-Silikon

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Jean-Claude Mas vor Gericht: "PIP-Gel hätte zugelassen werden können"

Im Strafprozess gegen die Verantwortlichen des Skandals um Brustimplantate aus billigem Industriesilikon hat der Angeklagte das Produkt verteidigt: Jean-Claude Mas, Gründer des Herstellers PIP, behauptete, das verwendete Gel sei sogar besser als anerkanntes Material.

Marseille - Im Prozess um mit Industriesilikon gefüllte Brustimplantate hat sich der Hauptangeklagte Jean-Claude Mas am Freitag vehement verteidigt. Seine hausgemachten Billig-Silikoneinlagen seien "kein Risiko" gewesen, versicherte der langjährige Chef der Brustimplantate-Firma PIP vor dem Gericht im südfranzösischen Marseille. "Das PIP-Gel war nicht zugelassen, aber es hätte durchaus zugelassen werden können."

Bei der Bindekraft sei es dem anerkannten Nusil-Gel sogar überlegen gewesen. "Bei der Giftigkeit war es genauso", versicherte der 73-Jährige.

Mas und vier mitangeklagten ehemaligen Mitarbeitern drohen in dem Prozess wegen Betrugs und schwerer Verbrauchertäuschung bis zu fünf Jahre Haft. Weltweit haben Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausende Silikonkissen des französischen Unternehmens implantiert, in Deutschland sind mehr als 5000 Frauen betroffen. Ermittlungen zufolge sparte das mittlerweile insolvente Unternehmen PIP jährlich eine Million Euro durch den Betrug.

Mas hatte bereits im Polizeiverhör gestanden, seine Silikoneinlagen mit einem billigen Industriegel gefüllt und die Kontrolleure des TÜV Rheinland darüber getäuscht zu haben, um Geld zu sparen. Er versicherte aber, seine Produkte seien nicht gesundheitsschädlich gewesen. Die PIP-Einlagen reißen schneller und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht. Ob sie auch Krebs auslösen, ist bisher nicht bewiesen.

Nach dem Auftakt des ersten Strafprozesses gegen ihn - zwei weitere Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung sowie wegen betrügerischen Bankrotts laufen noch - hatte sich das Gericht bis Freitag zunächst mit Verfahrensfragen beschäftigt.

Die mündliche Verhandlung in dem ersten Strafprozess soll bis Mitte Mai dauern. Ein Urteil wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

bim/AFP/dpa

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