Prozess um entführtes Baby: Angeklagte legt Geständnis ab

Ein deutsches Paar entführte ein Baby aus Tschechien nach Deutschland, ein Polizeikommando musste das Mädchen befreien. Nun hat die Angeklagte Melanie B. vor dem Landgericht Koblenz ein Geständnis abgelegt: Ihr Lebensgefährte habe nicht gewusst, dass das Kind jemand anderem gehört.

Paar im Landgericht Koblenz (Archivbild): Geständnis der Angeklagten Zur Großansicht
dapd

Paar im Landgericht Koblenz (Archivbild): Geständnis der Angeklagten

Koblenz - Im Prozess um die Entführung eines Babys aus Tschechien hat die Angeklagte vor dem Landgericht Koblenz ein Geständnis abgelegt.

Die 48-Jährige Melanie B. ließ über ihre Verteidigerin mitteilen, sie habe ihrem Lebensgefährten Uwe R., der ebenfalls angeklagt ist, die Geburt eigener Kinder vorgespielt. Sie sei zwar schwanger gewesen, ihm aber "wider besseres Wissen" gesagt, dass sie Drillinge erwarte. Dafür gebe es keine Erklärung. Die spätere Fehlgeburt habe sie für sich behalten und wochenlang Lappen und Handtücher unter ihre Kleidung gesteckt, damit sie schwanger aussehe. Der Familie zeigte sie demnach Ultraschallbilder aus dem Internet.

Sie habe dann die Geburt gemeinsamer Drillinge im tschechischen Ústí nad Labem vorgetäuscht. Als Erklärung für den Geburtsort Tschechien habe sie erzählt, sie sei in Deutschland nicht krankenversichert. Nach der angeblichen Geburt - bei der der Vater nicht dabei war - habe sie ihm dann unterschiedliche Versionen über den angeblichen Tod und die Entführung der Kinder aufgetischt.

Später habe sie die kleine Michalá in einem Supermarkt in dem Ort gesehen und gesagt, es handele sich um eines ihrer Kinder. Daraufhin habe der 51-Jährige das Kind aus einem Kinderwagen gerissen - im Glauben, es sei sein eigenes.

Auch der Verteidiger des Angeklagten hatte in dem Verfahren argumentiert, sein Mandant sei getäuscht worden, er habe aus Liebe gehandelt. Die Staatsanwaltschaft hatte allerdings Zweifel geäußert, sie hält die Darstellung für lebensfern und konstruiert: Das Paar habe gemeinsam den Entschluss gefasst, einen Säugling zu entführen.

Ein Polizeikommando hatte knapp eine Woche nach der Entführung die kleine Michalá aus der Wohnung von Melanies Mutter in Neuwied am Rhein befreit.

Melanie B. hatte das Kind gegenüber den Ermittlern zunächst als ihr eigenes ausgegeben, doch ein DNA-Abgleich widerlegte ihre Behauptung. Erst nach Monaten in Untersuchungshaft hatte sie die Entführung gestanden. Sollte das Paar wegen Kindesentführung verurteilt werden, droht beiden eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

bim/dpa

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