Prozessbeginn 23-Jähriger wegen Mordes an Lehrer vor Gericht

Weil er sich unfair benotet fühlte, tötete ein 23-Jähriger seinen ehemaligen Mathelehrer mit mehreren Messerstichen. Jetzt hat vor dem Landgericht Frankenthal der Prozess wegen Mordes begonnen.

Der 23-Jährige sitzt in Handschellen im Landgericht Frankentahl - angeklagt wegen Mordes aus niederen Beweggründen.
dapd

Der 23-Jährige sitzt in Handschellen im Landgericht Frankentahl - angeklagt wegen Mordes aus niederen Beweggründen.


Frankenthal - Nach der tödlichen Attacke an einer Berufsschule in Ludwigshafen im Februar hat am Dienstag vor dem Landgericht Frankenthal der Prozess gegen einen 23-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Schüler der Berufsschule Mord aus niederen Beweggründen vor. Er habe sich aus tief empfundenem Hass an seinem früheren Mathelehrer rächen wollen, weil dieser ihn angeblich zu schlecht benotet und ihm dadurch eine berufliche Perspektive verwehrt habe. Dies hatte der 23-Jährige auch in seiner ersten Vernehmung direkt nach der Festnahme als Motiv angegeben.

Laut Staatsanwaltschaft war der Mann am 18. Februar mit der Absicht in seine ehemalige Berufsschule gegangen, seinen früheren Mathelehrer umzubringen. Vor einem Klassenraum verwickelte er den 58-Jährigen nach dem Unterricht in ein oberflächliches Gespräch und brachte ihn dazu, mit ihm durch ein menschenleeres Treppenhaus zu gehen. Dort stach er mit einem Kampfmesser mehrfach auf sein Opfer ein. Der Lehrer erlag noch am Tatort seinen Verletzungen.

Der ehemalige Schüler hatte ursprünglich anscheinend den Plan, "dass es nicht bei einem Opfer bleiben sollte", sagte Lothar Liebig, der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal. Nach der Tat zog der 23-Jährige durch die Schule, brannte bengalische Feuer ab, schoss mit einer Schreckschusswaffe auf den Schulleiter und bedrohte mehrere andere Lehrer. Schließlich ergab er sich der Polizei. Weitere Verletzte gab es nicht.

Womöglich hatte der ehemalige Schüler die Gewalttat schon länger geplant. Bei der Durchsuchung der Wohnung des jungen Mannes nach der Tat fand die Polizei zahlreiche Schusswaffen und Chemikalien, die sich zum Bau von Sprengsätzen eignen. Auch Filme über frühere Amokläufe sollen bei ihm entdeckt worden sein. Nur ein Jahr hatte er die Berufsbildende Schule Technik 2 besucht - das lag zum Tatzeitpunkt schon sechs Jahre zurück.

Für den Prozess sind vier Verhandlungstermine anberaumt. Für die ersten beiden Termine hat das Gericht nach Angaben eines Sprechers zunächst 17 Zeugen sowie zwei Gutachter geladen. Einer der Gutachter soll dabei die Schuldfähigkeit des Angeklagten prüfen.

bac/dapd/dpa



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