Berlin-Kreuzberg Polizisten sollen Mann vor Kita verprügelt haben

Prügelvorwürfe gegen die Berliner Polizei: Mehrere Augenzeugen berichten, zwei offensichtlich betrunkene Beamte hätten einen mutmaßlichen Drogendealer vor einer Kreuzberger Kita zusammengeschlagen. Auch Kinder hätten die Szene mit ansehen müssen.

Von Rainer Leurs

Deutsch-französische Kita in Kreuzberg: "Wilde, unartikulierte Laute"
Google Street View

Deutsch-französische Kita in Kreuzberg: "Wilde, unartikulierte Laute"


Berlin - Zwei Beamte in Zivil sollen vor einer Kita in Kreuzberg einen dunkelhäutigen Mann zusammengeschlagen haben - offenbar einen mutmaßlichen Drogendealer. Das berichten mehrere Augenzeugen.

Zugetragen haben soll sich der Vorfall bereits am 2. September gegen halb neun am Morgen. Nach Darstellung der Zeugen hatten sich die beiden Beamten nicht als Polizisten zu erkennen gegeben. Stattdessen seien sie ohne ersichtlichen Grund auf den jungen Schwarzen losgegangen. "Sie waren offensichtlich stark alkoholisiert", heißt es in einem Brief, der SPIEGEL ONLINE vorliegt und in dem fünf Unterzeichner von dem Vorfall berichten.

Einer der Polizisten habe den Mann beschimpft und mit "wilden, unartikulierten Lauten" angebrüllt, offenbar, um ihm Angst zu machen. Schließlich sei es zu einem Handgemenge gekommen, bei dem der Verdächtige geschlagen und getreten worden sei. Auch als er am Boden lag, sei er weiter getreten worden - vor den Augen von Kindern, die in der deutsch-französischen Kita betreut werden.

Erst später als Polizisten ausgewiesen

Mehrere Passanten versuchten nach dieser Darstellung, die beiden mutmaßlichen Angreifer zurückzuhalten. Auch die Polizei sei schließlich wegen des Übergriffs gerufen worden. Erst Minuten später hätten sich die beiden Männer selbst als Polizisten ausgewiesen. Der Angegriffene sei schließlich geflüchtet.

Dass es an diesem Morgen eine "tätliche Auseinandersetzung" gab, hat die Berliner Polizei bestätigt - ansonsten aber schildert sie die Vorkommnisse anders. Die beiden Beamten seien von zwei Männern gefragt worden, ob sie Drogen kaufen wollen. Danach hätten die Polizisten ihre Dienstausweise gezeigt; die mutmaßlichen Dealer seien geflüchtet. Kurz darauf sei es vor der Kita zu der "Auseinandersetzung" gekommen.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte ein Polizeisprecher mit, die beiden Beamten seien an dem Morgen nicht im Dienst gewesen. Bei beiden sei eine Blutprobe vorgenommen worden. Es bestehe der Verdacht, dass sie Alkohol getrunken hatten.

Von "jeder Menge Alkohol" berichtet auch Michael Schneider, Musiker aus Heidelberg, der als Augenzeuge über den Vorfall in seinem Blog schreibt. "Die Aggression der beiden zunächst als entspannt eingeschätzten Typen" habe sich "in sehr handgreifliche Attacken" gesteigert. Der junge Mann sei gestoßen und geschlagen worden, berichtete er SPIEGEL ONLINE, auch am Boden habe einer der Beamten noch auf ihn eingetreten. Von einer Prügelei mit Gegenwehr von beiden Seiten könne keine Rede sein. Er, Schneider, habe schließlich die Polizei gerufen, sei von den eintreffenden Beamten aber abgewimmelt worden. "Das klären wir hier schon", habe er zu hören bekommen.

Anzeigen wurden laut Polizei nach dem Vorfall von beiden Seiten erstattet - gegen den mutmaßlichen Dealer wegen Körperverletzung und Handel mit Cannabis, gegen die Beamten wegen Körperverletzung im Amt. Zu dem Vorwurf, die Polizisten hätten einen am Boden liegenden Mann getreten und misshandelt, wollte der Sprecher unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nichts sagen.

Die beiden Beamten gehen unterdessen weiter ihrem Dienst nach. Vor einem möglichen Disziplinarverfahren müsse zuerst der Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen abgewartet werden, sagte der Sprecher. Ob der mutmaßliche Drogendealer bei dem Vorfall verletzt wurde, sei nicht bekannt.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.