Zwei Stunden Todeskampf US-Doppelmörder stirbt bei qualvoller Hinrichtung

In den USA ist erneut ein Mann grausam hingerichtet worden. Bis Joseph Wood tot war, vergingen zwei Stunden.

Joseph Wood: Hunderte Male im Todeskampf nach Luft geschnappt
REUTERS/Arizona Department of Corrections

Joseph Wood: Hunderte Male im Todeskampf nach Luft geschnappt


Phoenix - Joseph Wood schnaubte, schnappte Hunderte Male nach Luft - eine Stunde, nachdem ihm eine tödliche Injektion verabreicht worden war. Es dauerte eine weitere Stunde, bis der verurteilte Doppelmörder im US-Bundesstaat Arizona tot war. So beschreiben Woods Anwälte die Hinrichtung, die erneut die Frage nach der Verletzung der US-Verfassung durch solche Exekutionen aufwirft. Diese verbietet ungewöhnliche und grausame Bestrafungen.

Woods Verteidiger hatten versucht, die Hinrichtung mit einem Eilantrag vor dem Obersten Gerichtshof der USA zu stoppen; ihrem Mandanten sollten lebensrettende Medikamente verabreicht werden. Der Antrag war nicht erfolgreich. So dauerte Woods Todeskampf von 1.52 Uhr bis 3.49 Uhr.

"Arizona scheint sich in die Gesellschaft einiger anderer Staaten begeben zu haben, die für einen komplett vermeidbaren Horror verantwortlich sind: eine verpfuschte Exekution", sagte Anwalt Dale Baich.

Er spielte damit auf den Fall von Clayton Lockett an. Bei dem 38-Jährigen war im April im US-Bundesstaat Oklahoma bei der tödlichen Injektion eine Vene geplatzt. Er verzerrte das Gesicht, wandt sich und schnappte nach Luft, statt bewusstlos zu werden. Erst 43 Minuten später setzte nach einem Herzinfarkt der Tod ein. Eine Untersuchung ergab später, dass die Spritze nicht korrekt gesetzt worden war.

Im Januar war der Vergewaltiger und Mörder Dennis McGuire in Ohio mit einem bis dahin in den USA noch nie eingesetzten Medikamentencocktail hingerichtet worden. Es dauerte 25 Minuten, bis McGuire tot war; er wand sich und schnappte ebenfalls nach Luft.

Gouverneurin sieht Hinrichtung als rechtmäßig an

Arizonas Gouverneurin Jan Brewer zeigte sich besorgt darüber, wie lange die Hinrichtung in dem neuen Fall gedauert habe. Sie ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an, sagte aber auch, dass Gerechtigkeit geschehen und die Hinrichtung rechtmäßig gewesen sei. Laut Augenzeugen und medizinischen Berichten habe Wood nicht gelitten - im Gegensatz zu den beiden Menschen, die er umgebracht habe.

Wood war 1991 für die Tötung seiner Ex-Freundin und ihres Vaters zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung war zunächst ausgesetzt worden. Das oberste Gericht in Arizona machte diese Entscheidung aber rückgängig. Woods Verteidiger hatten argumentiert, dass der Verurteilte mehr Informationen über seine bevorstehende Exekution benötige, darunter Details über die eingesetzten tödlichen Substanzen.

Der in Arizona verwendete Mix aus dem Schmerzmittel Hydromorphon und dem Medikament Midazolam, mit dem Patienten vor Operationen beruhigt werden, war in den USA erstmals im Januar eingesetzt worden. Nach Zählungen des Death Penalty Information Center gab es seit 1976 bei mindestens 44 Hinrichtungen ernsthafte Probleme.

Die USA haben seit einiger Zeit enorme Schwierigkeiten bei der Beschaffung der für die Giftinjektionen verwendeten Mittel. Der Grund: Europäische Hersteller weigern sich, die Substanzen für diesen Zweck zu liefern. Mehrere Bundesstaaten benutzen für Hinrichtungen neue Substanzen, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind. Der Bundesstaat Tennessee führte aus Mangel an geeigneten Medikamenten den elektrischen Stuhl wieder ein.

Insgesamt sehen 32 der 50 US-Bundesstaaten die Möglichkeit vor, Menschen zum Tode zu verurteilen und hinzurichten. Die Giftspritze ist die am häufigsten verwendete Methode. Daneben sind in einigen Staaten auch Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl, in Gaskammern (Arizona, Missouri, Wyoming) oder durch Erhängen (Delaware, New Hampshire, Washington) erlaubt. Die 18 Staaten, in denen die Todesstrafe abgeschafft wurde, liegen vor allem im Norden und Nordosten der USA.

Hinrichtungen seit 1976

ulz/dpa/AP

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