Qualvoller Gifttod Horror-Hinrichtung in Florida - kippt die Todesstrafe in den USA?

Die verpfuschte Hinrichtung von Angel Diaz in Florida lässt die Debatte über die Todesstrafe in den USA wieder aufleben. Wegen nachgewiesener Grausamenkeit darf die Giftspritze für das Einschläfern von Tieren längst nicht mehr angewandt werden - möglicherweise nun auch bald nicht mehr für Menschen.


Washington - Zumindest vorerst hat der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, die Vollstreckung von Todesstrafen mit der Giftspritze für die kommenden Monate ausgesetzt. Es drohe sonst die Verletzung der Verfassungsrechte, sagte der Bruder des Präsidenten, George W. Bush, laut MSNBC in Miami. Eine Untersuchungskommission soll nun bis Anfang März prüfen, ob Hinrichtungen mit Giftspritzen überhaupt verfassungsgemäß sind. In Florida warten nach Medienberichten derzeit 374 Menschen auf die Todesstrafe in den Gefängnissen.

Trauer bei den Angehörigen: Die Tochter und die Schwester von Angel Nieves Diaz während seiner Hinrichtung vor dem Gefängnis
AP

Trauer bei den Angehörigen: Die Tochter und die Schwester von Angel Nieves Diaz während seiner Hinrichtung vor dem Gefängnis

Hintergrund ist die schwere Panne bei der Hinrichtung des 55-jährigen Angel Nieves Diaz in der vergangenen Nacht. Er war erst nach qualvollen 34 Minuten gestorben. Normalerweise dauere es "wesentlich kürzer", wurde der Gefängnisarzt zitiert. Diaz war 1979 wegen eines Mordes zum Tode verurteilt worden.

Bei Diaz wurden die Injektionsnadeln laut einem medizinischen Gutachten falsch angesetzt, so dass sie die Venen des verurteilten Mörders durchstießen. Die tödlichen Chemikalien gelangten deshalb nicht schnell in die Blutbahn, sondern ganz langsam ins Muskelgewebe. Dadurch erlitt der 55-Jährige nicht nur rund 30 Zentimeter lange Verbrennungen an beiden Armen, er war auch noch lange Zeit bei Bewusstsein. Diaz bewegte sich offenbar nach 24 Minuten noch, atmete und versuchte zu sprechen. Jonathan Groner, Medizinprofessor an der Universität des Staates Ohio, zeigte sich überzeugt, dass der Todeskandidat grauenvolle Schmerzen erlitten haben müsse - so als würden ihm die Arme mit Feuer verbrannt.

Schließlich musste ihm eine zweite Dosis der Giftsubstanzen verabreicht werden, was nach Angaben des Leichenbeschauers William Hamilton sehr ungewöhnlich ist. Ob Diaz starke Schmerzen erlitten habe, wollte Hamilton nicht sagen. Dazu werde er sich erst äußern, wenn die Autopsie beendet sei, sagte der Gerichtsmediziner. Bislang lägen lediglich vorläufige Ergebnisse vor, weitere Tests könnten noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Die Giftspritze wurde erst im Jahr 2000 in Florida eingeführt. Sie galt als humanere und zuverlässigere Methode gegenüber dem bis dahin angewandten Tod durch Stromschlag. Köpfe von Delinquenten hatten auf dem elektrischen Stuhl mehrfach Feuer gefangen.

Die Frage, ob Exekutionen mit der Giftspritze generell große Schmerzen auslösen, steht im Mittelpunkt der juristischen Einsprüche gegen diese Hinrichtungsart. In Missouri wurde sie im vergangenen Monat deshalb ausgesetzt. Auch in Kalifornien hob ein Bundesrichter MSNBC zufolge Todesstrafen vorübergehend auf, weil Todesspritzen möglicherweise verfassungswidrig seien. Die Verfassung verbiete grausame und außergewöhnliche Bestrafungen, so Richter Jeremy Fogel in San Jose.

ler/dpa/AP



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