Quandt-Erbin Sprecher bestätigt Erpressung von Milliardärin Klatten

Susanne Klatten, BMW-Großaktionärin und reichste Frau Deutschlands, ist Opfer einer millionenschweren Erpressung geworden. Der Sprecher der Unternehmerin bestätigte nun, dass Klatten von einem Schweizer Bekannten hinters Licht geführt worden sei.


Hamburg/München - Die Milliardenerbin der Unternehmerfamilie Quandt, Susanne Klatten, ist offenbar von italienisch-schweizerischen Kriminellen erpresst worden. Ein Sprecher der BMW- und Altana-Großaktionärin sagte der "Bild am Sonntag", Klatten habe bereits im Januar 2008 Strafanzeige wegen Betrugs und Erpressung gestellt.

Quandt-Erbin Klatten (Archivbild von 2003): Im Januar erstattete die öffentlichkeitsscheue Milliardärin nach Angaben ihres Sprechers Anzeige
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Quandt-Erbin Klatten (Archivbild von 2003): Im Januar erstattete die öffentlichkeitsscheue Milliardärin nach Angaben ihres Sprechers Anzeige

Nach übereinstimmenden Berichten der "Süddeutschen Zeitung" und der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" soll Klatten dem Schweizer Helg S. etwa 7,5 Millionen Euro gezahlt haben.

Die Erpressungen hätten mit Bildern von gemeinsamen Begegnungen im Herbst 2007 begonnen. Der Mann habe sie über Monate mit kompromittierenden Videos erpresst. S. Komplize Ernano B., 63, gab laut Ermittlungsakten an, aus denen der "Daily Telegraph" zitiert, er habe die Zusammenkünfte heimlich gefilmt. Ob es diese Videos wirklich gibt, ist noch unklar. Bislang ist noch kein Film in die Öffentlichkeit gelangt.

"Zunächst forderte der Erpresser ein Darlehen über mehrere Millionen Euro, später versuchte der Täter, eine weit höhere Summe zu erpressen." Klatten entschloss sich ihrem Sprecher zufolge zur Anzeige, weil sie erkannt habe, dass "die Beziehung zu Herrn S. einen ausschließlich kriminellen Hintergrund hatte". Sein Ziel sei von Anfang an gewesen, sie zu betrügen.

Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt

Der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler bestätigte, dass es ein Ermittlungsverfahren gegen S. gebe. Dieser befinde sich seit einigen Monaten in Haft, inzwischen in Untersuchungshaft in Deutschland. "Wir geben aber über Inhalte keine Auskünfte", betonte Winkler.

Aus Ermittlungsakten der italienischen Polizei, die mit deutschen Kollegen aus München kooperierte, geht laut Medienberichten hervor, dass sich die Mutter dreier Kinder mit dem 41-jährigen Schweizer regelmäßig in Luxushotels getroffen haben soll.

Im November 2007 zahlte Klatten dem Mann offenbar 7,5 Millionen Euro. Im Dezember 2007 soll S. noch einmal 40 Millionen Euro gefordert und gedroht haben, andernfalls die Videos von Klatten zu verbreiten.

Klatten soll sich daraufhin mit S. in Monte Carlo zur Übergabe des Geldes verabredet, aber gleichzeitig die Polizei informiert und Strafanzeige gegen S. und B. gestellt haben. Beim vereinbarten Übergabetermin in Österreich warteten deutsche und italienische Polizisten, die S. wegen Betrugs und Erpressung festnahmen.

Luxusleben mit Erpressungsgeldern

Dass Susanne Klatten nun derart in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, dürfte für die Unternehmertochter einem demütigenden Alptraum gleichkommen. Wie viele andere Milliardäre auch gilt Klatten als zurückhaltend, öffentlichkeitsscheu, unauffällig.

Susanne Klatten gilt als reichste Frau Deutschlands - mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 13 Milliarden Dollar. Sie ist die Tochter von Herbert Quandt und dessen dritter Frau Johanna. Mit dem Tod des Vaters 1982 erbte Klatten gemeinsam mit ihrem Bruder Stephan einen Großteil des Vermögens der Industriellenfamilie Quandt.

Klatten kontrolliert 50,1 Prozent der Aktien des Chemiekonzerns Altana und hält zusammen mit Bruder Stefan Quandt und Mutter Johanna Quandt 46,6 Prozent der Anteil an BMW. Ohne diese Familie geschieht bei diesen Konzernen strategisch nichts.

Auch andere, mit Klatten befreundete Millionärinnen sollen Millionensummen an S. und B. gezahlt haben. Laut "Süddeutscher Zeitung" beschlagnahmte die italienische Polizei Bargeld und wertvolle Güter, deren Wert über die gezahlte Summe von Klatten hinausging.

Zwei Millionen Euro in bar seien unter einem Dach der vielen Gebäude versteckt gewesen, die die Beschuldigten besitzen. Luxusautos wie Lamborghinis, Ferraris und ein Rolls-Royce seien sichergestellt worden. All dies soll mit den sieben Millionen der BMW-Hauptaktionärin und mit weiteren zehn Millionen der Freundinnen finanziert worden sein.

cpa/ddp



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