US-Vorwürfe gegen Rafael Márquez Fußballstar soll Schlüsselfigur in Drogenkartell sein

Rafael Márquez ist Kapitän der mexikanischen Nationalmannschaft. Doch nun wirft ihm das US-Finanzministerium vor, einem Drogenbaron bei der Geldwäsche geholfen zu haben. Der 38-Jährige bestreitet das.

Rafael Márquez
REUTERS

Rafael Márquez


Das US-Finanzministerium hat schwere Vorwürfe gegen Fußballstar Rafael Márquez erhoben. Der Kapitän der mexikanischen Nationalmannschaft sei eine der Schlüsselfiguren des Drogenkartells von Raúl Flores Hernández, teilte die Behörde mit. Der 38-Jährige habe als Strohmann für das Verbrechersyndikat des Rauschgifthändlers fungiert.

Márquez gilt als einer der besten Fußballer Mexikos - jetzt findet er sich gemeinsam mit Drogenbaronen und Terrorhelfern auf der schwarzen Liste des US-Finanzministeriums wieder. Der Verteidiger spielte lange für den FC Barcelona, gewann zweimal die Champions League und steht seit Januar 2016 wieder bei seinem Heimatklub CF Atlas in Guadalajara unter Vertrag. In der Stadt ist auch das Drogenkartell von Raúl Flores Hernández ansässig.

"Ich weise kategorisch jedwede Verbindung zu dieser Organisation und zu den Taten zurück", sagte Márquez auf einer Pressekonferenz auf dem Gelände seines Klubs. Zuvor war er freiwillig bei der Staatsanwaltschaft vorstellig geworden und hatte seine Aussage gemacht. "Das ist das schwerste Spiel meines Lebens, aber ich werde es meistern", sagte er.

Den US-Behörden zufolge soll Márquez seit geraumer Zeit gute Beziehungen zu dem Drogenboss unterhalten und für diesen Geschäfte abgewickelt haben. Nun wird sein Vermögen in den Vereinigten Staaten eingefroren, und US-Bürger dürfen keine Geschäfte mehr mit ihm machen. Zudem wird sein Visum annulliert.

"Seit Jahrzehnten im Geschäft"

Insgesamt setzte das US-Finanzministerium den Angaben zufolge 22 Mexikaner und 43 Unternehmen auf die schwarze Liste. Es war demnach die umfangreichste Einzelsanktion gegen ein mexikanisches Drogenkartell in der Geschichte des Ministeriums.

"Raúl Flores Hernández ist bereits seit Jahrzehnten im Geschäft, weil er Beziehungen zu anderen Drogenkartellen unterhält und Strohleute nutzt, um seine Einkünfte aus illegalen Drogengeschäften zu verschleiern", sagte der Direktor des Büros für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte im Finanzministerium, John Smith.

Flores war vor drei Wochen im Bundesstaat Jalisco festgenommen worden, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Gegen ihn liegt ein Auslieferungsgesuch der USA vor. Dort werden ihm Bildung einer kriminellen Vereinigung und Drogenschmuggel vorgeworfen. In Mexiko wurden mehrere Immobilien von Flores beschlagnahmt, darunter ein Casino in Guadalajara.

Flores soll Geschäftskontakte zum Sinaloa-Kartell und dem Verbrechersyndikat Jalisco Nueva Generación unterhalten haben. Besonders geschickt soll er in der Geldwäsche und dem Anlegen seiner illegalen Gewinne gewesen sein. Nach Einschätzung des US-Finanzministeriums hat ihm Fußballstar Márquez dabei geholfen. Neun seiner Firmen und Organisationen wurden nun auf die schwarze Liste gesetzt, darunter eine Fußballschule und eine Stiftung.

wit/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.