Öffentliche Stockschläge Ärzte empfehlen erneute Schonfrist für Blogger Badawi

Eigentlich sollte der saudi-arabische Blogger Raif Badawi am Freitag wieder öffentlich mit einem Stock geschlagen werden. Doch nun hat das zuständige Ärzteteam empfohlen, den 31-Jährigen erneut zu verschonen. Badawi geht es offenbar sehr schlecht.

Raif Badawi: Zu 1000 Stockschlägen verurteilt
Amnesty International

Raif Badawi: Zu 1000 Stockschlägen verurteilt


Berlin - Die öffentliche Prügelstrafe für den saudi-arabischen Blogger Raif Badawi wird wohl auch in dieser Woche ausgesetzt. Der Internetaktivist sollte eigentlich an diesem Freitag in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda die nächsten 50 von insgesamt 1000 Stockschlägen bekommen. Ein achtköpfiges Ärztekomitee habe jedoch nach einer Untersuchung empfohlen, dass Badawi aus gesundheitlichen Gründen nicht geschlagen werden sollte, teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit.

Der Aktivist hatte auf seiner Internetseite Liberal Saudi Network immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der Scharia kritisiert. Seit 2008 wurde er deshalb vom Staat eingeschüchtert, wie jüngst der "Guardian" berichtete. Im vergangenen Mai wurde der 31-Jährige dann wegen angeblicher "Beleidigung des Islam" zu zehn Jahren Haft, einer Geldstrafe und den tausend Stockschlägen verurteilt. Die Schläge sollten auf 20 Wochen verteilt werden.

Die ersten Hiebe bekam Badawi vor zwei Wochen. Danach ging es ihm gesundheitlich so schlecht, dass der zweite Termin kurzfristig verschoben werden musste. Zunächst hatte es so ausgesehen, dass diese Schonfrist in dieser Woche enden und Badawi am Freitag erneut vor einer Moschee in Dschidda öffentlich geschlagen würde. Nun kommt es offenbar anders.

Der internationale Druck auf die saudi-arabische Regierung wird immer größer. Weltweit wird gegen Badawis Strafe protestiert. In Berlin zogen am Donnerstag Demonstranten vor die saudi-arabische Botschaft und forderten die Begnadigung Badawis - unter ihnen auch der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir. Auch die Schauspielerin Katja Riemann hatte sich angekündigt. Organisiert wurde der Protestzug von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

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Auch die EU und die US-Regierung verurteilten das Vorgehen des Königreichs. Am Montag wandten sich 18 Nobelpreisträger in einem Brief an die Öffentlichkeit. Darin forderten sie saudi-arabische Akademiker auf, die Folter Badawis öffentlich zu verurteilen.

Badawi ist Familienvater. Seine Ehefrau Ensaf Haidar und seine drei Kinder leben seit 2012 in Kanada, weil sich die Familie in Saudi-Arabien nicht mehr sicher fühlte. Die Folter ihres Mannes belastet Haidar: "Ich bin am Boden zerstört. Aber ich will nicht in einer Ecke sitzen und weinen", sagte sie dem "Guardian".

In einem Interview mit der "Deutschen Welle" bat Haidar auch um Unterstützung aus Deutschland: "Ich hoffe, dass die deutsche Politik mich nicht im Stich lässt." An den saudi-arabischen König Abdullah gerichtet forderte sie eine Begnadigung ihres Mannes. Ihre drei Kinder hätten "sehr darunter gelitten, als sie in Kanada im Fernsehen gesehen haben, wie mein Mann ausgepeitscht wurde".

jbe/dpa

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