1000 Stockhiebe Höchstes saudisches Gericht bestätigt Urteil gegen Badawi

Das umstrittene Urteil gegen Raif Badawi aus Saudi-Arabien bleibt bestehen, das hat das höchste Gericht des Landes entschieden. Der liberale Blogger muss für zehn Jahre ins Gefängnis und wird mit 1000 Stockhieben bestraft.

Blogger Raif Badawi: Umstrittenes Urteil bleibt bestehen
Amnesty International

Blogger Raif Badawi: Umstrittenes Urteil bleibt bestehen


Der oberste Gerichtshof Saudi-Arabiens hat die Verurteilung des Bloggers Raif Badawi zu 1000 Stockhieben und zehn Jahren Gefängnis bestätigt. Die letztinstanzliche Entscheidung des Gerichts sei "unwiderruflich", sagte Badawis nach Kanada geflüchtete Ehefrau Ensaf Haidar. Sie befürchtet nun, dass ihr Mann schon in Kürze die nächsten Hiebe erdulden muss.

"Dieses Urteil hat mich schockiert", sagte Haidar. Sie sei optimistisch gewesen, dass es mit dem Beginn des Fastenmonats Ramadan und dem Amtsantritt des neuen Königs Salman eine Begnadigung "für politische Häftlinge wie meinen Mann" geben werde.

Das Schicksal Badawis bewegt die weltweite Öffentlichkeit seit Monaten. Der 31-Jährige war wegen Beleidigung des Islams verurteilt worden. Zusätzlich zu Gefängnisstrafe und Peitschenhieben muss er auch noch umgerechnet knapp 240.000 Euro zahlen. Anfang Januar musste Badawi 50 Hiebe erdulden. Weitere Hiebe wurden aus medizinischen Gründen bislang verschoben.

Heftige internationale Kritik

In einem Text,den der SPIEGEL in Auszügen abdruckte, berichtete Badawi von seinen Eindrücken und Erfahrungen. Er schrieb, dass er auf "wundersame Weise fünfzig Peitschenhiebe überlebt" habe, während er umringt gewesen sei "von einer jubelnden Menge, die immerzu Allahu akbar rief".

Die Strafe gegen den liberalen Blogger hatte international Entsetzen ausgelöst, zahlreiche Politiker forderten das ultrakonservative Königreich zur Freilassung Badawis auf. Kritik kam unter anderem von den Vereinten Nationen, den USA, der Europäischen Union und aus Kanada. Saudi-Arabien folgt in seiner Rechtsprechung einer strikten Interpretation der islamischen Scharia.

Badawi war im Juni 2012 festgenommen worden. Sein Vergehen aus Sicht der Herrscher besteht darin, dass er in seinem Blog immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islams kritisierte. Zudem setzte er sich für eine Diskussion darüber ein. Ein von Badawi mitgegründetes Internetforum wurde gesperrt.

Vergleich Strafen IS vs Saudi Arabien Grafik
SPIEGEL ONLINE

Vergleich Strafen IS vs Saudi Arabien Grafik

wit/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kritiker82 07.06.2015
1. Für deutsche Rüstungsexporte...
... scheint dieses klerikalfaschistische Terrorregime immer noch gut genug zu sein. Menschenrechte? Wer braucht die schon in der marktkonformen deutschen Demokratie.
winki 07.06.2015
2. Unfassbar!
Darüber sollten man auf dem G7-Gipfel reden und dann den Saudis druck machen den Mann umgehend ausreisen zu lassen. Nur leider wird sich mit den Saudis niemand anlegen wollen, sind das doch für die Rüstungsinustrie vieler Länder hervorragende Kunden.
seinsenfzugeber 07.06.2015
3. und
nach solchen staaten werden deutsche waffen geliefert.jaja das liebe geld
romaval 07.06.2015
4. Das ist ein letztes Aufbäumen
der Saudis, mit einem sehr schwachen und unerfahrenen Verteidigungsminister( Qualifikation : Sohn des Königs ) und einem dementen König an der Spitze. Man will dem Volk zeigen, dass man sich vom Westen nicht beeinflussen lässt,obwohl man ohne den ( Waffenlieferungen, Logistik ) garnicht mehr lange überlebensfähig wäre. Der Krieg gegen den Yemen verlief ebenfalls ohne greifbaren Erfolg, obwohl in der saudischen Presse täglich Erfolgsmeldungen stehen. Aber das kennen wir Deutsche ja auch aus einer unsäglichen Zeit.
wortmacht 07.06.2015
5.
Lieber oberster Gerichtshof von SA, es gibt keine Götzen. Daher kann man eine Aberglaubensgrundlage auch nicht verunglimpfen. Aber da ihr Öl habt, und es grade schön billig verkauft werden wir mal ein klein wenig schimpfen und dann weiter kaufen. Ach ja wir hätten da grad auch wieder was neckisches zu verkaufen, Panzer, Gewehre (mit klitzekleinen Problemchen) und andere Sachen die ihr gut brauchen könnt. Peitschen dürfen wir Euch leider nicht verkaufen, weil ihr damit solche Sachen macht. So jetzt einmal schimpfen, und bis zum nächsten Geschäft!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.