Raif Badawi Islamkritischer Blogger muss neue Stockschläge fürchten

Der saudi-arabische Blogger Raif Badawi soll seiner Ehefrau zufolge bereits in dieser Woche erneut mit einem Stock geschlagen werden. Doch der Druck auf die Regierung steigt: Unter anderem machen sich 18 Nobelpreisträger für den Mann stark.

Unterstützung für Raif Badawi vor der Botschaft Saudi-Arabiens in den Niederlanden: Blogger erwartet weitere Peitschenhiebe
DPA

Unterstützung für Raif Badawi vor der Botschaft Saudi-Arabiens in den Niederlanden: Blogger erwartet weitere Peitschenhiebe


Dschidda - Zu 1000 Stockschlägen und zehn Jahren Haft wurde der saudi-arabische Blogger Raif Badawi wegen angeblicher "Beleidigung des Islam" verurteilt. Trotz internationaler Proteste hat er 50 Schläge bereits bekommen, am Freitag vergangener Woche sollten die nächsten folgen. Doch die Strafe wurde kurzfristig verschoben - wohl weil es Badawi körperlich zu schlecht ging.

Lange Aufschub hat der 30-Jährige offenbar nicht erhalten. Wie die Ehefrau des Bloggers, Ensaf Haidar, der "Bild"-Zeitung sagte, sollen die nächsten Schläge am Freitag folgen. Die Tortur findet in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda statt - öffentlich. Derzeit sitzt Badawi dort in einer Gefängniszelle.

Der Aktivist hatte auf seiner Internetseite Liberal Saudi Network immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der strengen Auslegung des Islams kritisiert. Vor anderthalb Wochen musste Badawi auf einem Platz vor einer Moschee in Dschidda die ersten 50 Stockschläge über sich ergehen lassen.

Der internationale Druck auf die saudi-arabische Regierung wird in dem Fall immer größer. Weltweit wurde gegen Badawis Strafe protestiert. Am Montag fanden sich 18 Nobelpreisträger zusammen, die sich in einem offenen Brief direkt an die Bevölkerung wenden. Darin fordern sie saudi-arabische Akademiker auf, die Folter Badawis öffentlich zu verurteilen.

Dem "Independent" zufolge, dem das Schreiben vorliegt, bauen die Intellektuellen Druck auf, indem sie Saudi-Arabien als Standort für Forschung in Frage stellen. Wissenschaftler, die sich nicht für Meinungsfreiheit stark machten, könnten wohl kaum aus einem aufgeklärten Forschungsland kommen, so der Tenor.

Auch der FC Bayern München wurde kritisiert. Der Bundesligist ist für seinen Testspiel-Ausflug nach Saudi-Arabien von deutschen Spitzenpolitikern kritisiert worden. "Fußballer müssen ja keine Politiker sein, aber sie sollen sich der Menschenrechtslage bewusst sein und durchaus mal ein Zeichen setzen", sagte Dagmar Freitag (SPD) als Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag der "Süddeutschen Zeitung". Auch nach Ansicht des sportpolitischen Sprechers der Grünen, Özcan Mutlu, hat es der deutsche Fußball-Rekordmeister verpasst, mit einer Absage des Testspiels ein "starkes Signal für Demokratie und Menschenrechte zu setzen".

Zuletzt kündigte das britische Außenministerium an, auf hoher diplomatischer Ebene Besorgnis äußern zu wollen.

kis/gam/AFP/dpa



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