Besoldungsaffäre Polizeigewerkschafter Wendt legt Bezüge offen

Rainer Wendt, bekanntester Polizeigewerkschafter Deutschlands, steht massiv in der Kritik: Er erhielt Beamtenbezüge, ohne als Polizist zu arbeiten. Nun hat er die Höhe seiner Einkünfte mitgeteilt.

Rainer Wendt
picture alliance / Horst Galusch

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Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, hat seine Einkünfte offengelegt. In einem Papier seines Anwalts, das dem SPIEGEL vorliegt, werden Einkünfte von 124.145,29 Euro brutto pro Jahr genannt.

Die Summe setzt sich aus mehreren Posten zusammen. Als Polizeihauptkommissar erhielt er demnach 3348,68 Euro brutto im Monat. Von seiner Gewerkschaft erhielt er demnach eine Aufwandsentschädigung in Höhe von monatlich 520 Euro brutto. Darüber hinaus kassierte Wendt den Angaben zufolge 77.721,13 Euro brutto im Jahr für fünf verschiedene Gremienposten.

Wendt will Vorsitzender bleiben

"Meine Bezüge sind gemessen an meiner Arbeit angemessen", sagte Wendt dem SPIEGEL. Zu der Kritik an seinen Einkünften und möglichen Auswirkungen auf die Gewerkschaft sagte er: "Der große Zuspruch des überwiegenden Teils meiner Kolleginnen und Kollegen zeigt mir, dass innerhalb der Organisation ein Schaden bislang nicht eingetreten ist. Die Berichterstattung über meine Person wird die Gewerkschaft aushalten, wenn nicht sogar am Ende stärken." Er wolle weiterhin Vorsitzender der DPolG bleiben.

In dem Papier des Anwalts heißt es, Wendt habe die Tantiemen für seinen Bestseller "Deutschland in Gefahr" komplett gespendet. Auch Honorare in Höhe von insgesamt 410 Euro, die Wendt im vorigen Jahr als Referent und Autor in Fachzeitschriften erhalten habe, seien gespendet worden.

Darüber hinaus gab der Anwalt bekannt, die Gewerkschaft stelle Wendt in Berlin eine 46 Quadratmeter große Wohnung zur Verfügung, um Hotelkosten zu sparen.

Disziplinarverfahren in NRW

Am Vormittag war bekannt geworden, dass das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen ein Disziplinarverfahren gegen Wendt einleiten will. Grund ist die Aufwandsentschädigung von 50.000 Euro im Jahr, die Wendt für seinen Posten im Aufsichtsrat des Axa-Versicherungskonzerns erhält. Diesen Nebenverdienst hatte er nicht angegeben. Eine Nachfrage zu diesem Punkt ließ Wendt unbeantwortet. Er sagte dem SPIEGEL lediglich: "Ich kenne bislang kein Disziplinarverfahren."

Der 60-Jährige hatte Ende vergangener Woche eingeräumt, dass er zwar Jahre lang vom Land NRW Beamtensold bekam, aber nicht als Polizist arbeitete. Seither steht er unter steigendem Druck, inzwischen gehen auch DPolG-Kollegen auf Distanz: Der NRW-Landesvorsitzende Erich Rettinghaus erklärte seinen Rückzug aus dem Bundesvorstand der Gewerkschaft, weil er die Entscheidungen der Bundesleitung zu den jüngsten belastenden Ereignissen nicht mittragen könne, wie Rettinghaus in einer E-Mail schrieb.

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