Raubmord-Urteil Wüppesahl muss für viereinhalb Jahre in Haft

Der frühere Bundestagsabgeordnete und Kriminalbeamte Thomas Wüppesahl muss wegen Planung eines Raubmordes für viereinhalb Jahre hinter Gitter. Das Hamburger Landgericht sah es als erwiesen an, dass Wüppesahl einen Geldtransporter überfallen und dabei den Geldboten erschießen wollte.


Verurteilter Wüppesahl: Brutalen Raubmord geplant
DPA

Verurteilter Wüppesahl: Brutalen Raubmord geplant

Hamburg - Das Gericht verurteilte den Kripobeamten wegen der Planung eines Verbrechens und Verstoß gegen das Waffengesetz. Mit der Strafe kamen die Richter der Anklage entgegen, die fünf Jahre Haft gefordert hatte. Laut Staatsanwaltschaft plante Wüppesahl, einen Geldboten in Berlin zu überfallen, den Mann zu erschießen und ihm dann mit einem Fleischerbeil den Arm abzuhacken, um an einen festgeketteten Geldkoffer zu kommen. Der Plan flog auf, weil ein Mitwisser zur Polizei ging.Der Mann war im Prozess als Hauptbelastungszeuge aufgetreten und hatte ausgesagt, Wüppesahl habe ihn im September 2004 für den Überfall gewinnen wollen. Zum Schein sei er auf das Angebot des Angeklagten eingegangen. Bei der geplanten Übergabe der Waffe und des Beils wurde Wüppesahl Ende Oktober verhaftet und saß seither in Untersuchungshaft.Wüppesahl hatte dagegen im Prozess jede kriminelle Absicht bestritten. Er habe die Tat nur zum Schein geplant, um dadurch Missstände bei der Polizei aufzudecken und einen aus seiner Sicht auf ihn angesetzt verdeckten Ermittler zu überführen, behauptete der 49-Jährige. Zudem sollte damit jahrelanges Mobbing gegen ihn bewiesen werden. Wüppesahl hatte heute erneut versucht, die Vorwürfe gegen ihn in einem langen Schlusswort zu widerlegen: "Ich erwarte meinen Freispruch."Auch Wüppesahls Verteidiger hatte in seinem Plädoyer einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Sein Mandant habe einen Raubmord "nie ernsthaft geplant", sagte Verteidiger Peter Wulf vor dem Hamburger Landgericht. Auch das Tatmotiv Geldnot sei im Verfahren nicht schlüssig erklärt worden, argumentierte er. Wulf sprach aber auch von einem "abenteuerlichen Plan" seines Mandanten, der an "Naivität kaum zu überbieten" gewesen sei. Wüppesahl war von 1987 bis 1990 zunächst Bundestagsabgeordneter der Grünen und danach fraktionsloser Parlamentarier. Der ehemalige Sprecher der Arbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten war und ist nach eigenen Angaben in 35 Prozesse verwickelt.



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