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Verdacht auf Zuhälterei: Neue Razzia bei Ex-V-Mann Tino Brandt

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Tino Brandt (2001): Zeuge im NSU-Prozess Zur Großansicht
Peter Juelich

Tino Brandt (2001): Zeuge im NSU-Prozess

Hat Tino Brandt, Exchef des rechtsextremen "Thüringer Heimatschutzes", minderjährige Jungen ausgebeutet? Die Staatsanwaltschaft Gera verdächtigt ihn der Zuhälterei und ließ jetzt seine Wohnung durchsuchen.

Rudolstadt/Berlin - Gegen den Gründer und ehemaligen Chef des rechtsextremen "Thüringer Heimatschutzes", Tino Brandt, wird wegen des Verdachts der Zuhälterei ermittelt. Das sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Gera, Thomas Villwock, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE und bestätigte damit einen Bericht der "Thüringer Allgemeinen".

Dem Beschuldigten Brandt, so Villwock, werde vorgeworfen, minderjährige Jungen zwecks Prostitution an Freier vermittelt zu haben. Im Zuge der Ermittlungen seien am Mittwoch mehrere Wohnungen in Thüringen durchsucht worden, darunter auch das Domizil Brandts in Rudolstadt. Unter anderem suchten die Fahnder nach Datenträgern, Finanzunterlagen und Bildmaterial mit sexuellen Handlungen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE steht Brandt im Verdacht, bereits seit 2011 mehrere männliche Jugendliche und Heranwachsende, die der Prostitution nachgingen, "ausgebeutet" und von ihnen "Provisionen" von bis zu 60 Prozent ihres Freierlohns gefordert zu haben. Zudem soll er den Jungen mehrere Wohnungen - unter anderem in Rudolstadt und Bad Blankenburg - zur Verfügung gestellt haben.

Brandt will sich nicht äußern

Die Ermittlungen gegen den bekennenden Rechtsextremisten, der von 1994 bis 2001 als V-Mann für das Erfurter Landesamt für Verfassungsschutz arbeitete, kamen offenbar durch ein anderes Strafverfahren ins Rollen: Bereits seit 2012 wird Brandt verdächtigt, einer mutmaßlichen Betrügerbande angehört zu haben, die mit fingierten Arbeitsunfällen größere Versicherungssummen erschlichen haben soll.

Bei entsprechenden Wohnungsdurchsuchungen im März 2012 hatten Fahnder Computer und Datenträger beschlagnahmt, auf denen sich jetzt offenbar Hinweise auf die Prostitutionsgeschäfte fanden. Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte sich Brandt am Donnerstagnachmittag nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern.

In dem von ihm unter den Augen des Erfurter Verfassungsschutzes aufgebauten "Thüringer Heimatschutz" hatten sich in den Neunzigerjahren auch die Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe radikalisiert, die nach ihrem Abtauchen die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" gegründet haben sollen. Im aktuell laufenden Prozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche NSU-Unterstützer ist Brandt als Zeuge gelistet.

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