Mutmaßliches Terror-Netzwerk: Europaweite Razzia gegen rechtsextreme "Werwolf"-Zelle

Von Sven Röbel und Jörg Schindler

Seit dem Morgen durchsuchen Ermittler Wohnungen, Geschäftsräume und Haftzellen in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Unter Verdacht: sechs Neonazis, die ein neues Terror-Netzwerk geplant haben sollen.

Verdächtiger Sebastien N. bei einer Neonazi-Demo (Archivbild): Razzia gegen mutmaßliches Terror-Netzwerk Zur Großansicht
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Verdächtiger Sebastien N. bei einer Neonazi-Demo (Archivbild): Razzia gegen mutmaßliches Terror-Netzwerk

Berlin/Karlsruhe - Die Elitepolizisten kamen in den Morgenstunden: Am Mittwoch haben Fahnder des Bundeskriminalamts, mehrerer deutscher Landeskriminalämter und Anti-Terror-Spezialisten aus den Niederlanden und der Schweiz eine groß angelegte Razzia gegen eine mutmaßlich international agierende Neonazi-Gruppierung gestartet.

In der konzertierten Aktion durchsuchten die Ermittler insgesamt elf Wohnungen, Geschäftsräume und Gefängniszellen in Deutschland, Holland und der Schweiz. Hintergrund ist ein Verfahren der Karlsruher Bundesanwaltschaft, die nach SPIEGEL-Informationen bereits seit Monaten verdeckt ermitteln ließ - wegen des Verdachts der "Bildung einer terroristischen Vereinigung".

Gemeinsam mit noch unbekannten Komplizen sollen sechs Neonazis ein "Werwolf"-Kommando geplant haben, mit dem Ziel, das politische System der Bundesrepublik Deutschland gewaltsam zu beseitigen. Unter anderem hätten die Verdächtigen Bombenanschläge erwogen. Als Vorbild soll ihnen die sogenannte "Werwolf"-Taktik der Nazis im Zweiten Weltkrieg gedient haben, die kurz vor dem Zusammenbruch des NS-Regimes Guerilla-Einheiten in den Kampf schicken wollten.

Spur in die Schweiz, Durchsuchungen in Mecklenburg

Als Führungsfiguren des mutmaßlichen Terror-Netzwerks beschuldigt die Bundesanwaltschaft nach SPIEGEL-Informationen die Schweizer Rechtsextremisten Ueli S., 54, und Sebastien N., 25. Der einschlägig justizbekannte N., dessen Körper mit Nazi-Symbolen tätowiert ist, soll im Mai 2012 in Zürich einen jungen Mann niedergeschossen haben. Nach knapp 48-stündiger Flucht war N. dann auf einem Bahnhof in Hamburg festgenommen und später an die Schweizer Justiz ausgeliefert worden. Neben der Gefängniszelle von N. wurden bei der heutigen Razzia auch der Haftraum seines ebenfalls in der Schweiz inhaftierten Gesinnungsgenossen Roberto K. und die Wohnung von Ueli S. durchsucht.

In Deutschland wurden Fahnder bei dem 29-jährigen Denny R. in Niedersachsen sowie bei Heiko W., 32, in Mecklenburg-Vorpommern vorstellig. Zeitgleich durchsuchten niederländische Ermittler die Wohnung des 19-jährigen Jeroen B. in der Nähe von Rotterdam.

Die Hauptbeschuldigten werden vor allem durch Zeugenaussagen belastet. Die Ermittlungen gegen sie gestalteten sich jedoch schwierig, da sie ihre elektronische Kommunikation offenbar mithilfe eines eigens entwickelten Codierungs-Programms verschlüsselt hatten. Auch konnten die Fahnder bislang keine Erkenntnisse zu konkreten Anschlagsplänen oder -zielen gewinnen.

Bei der Razzia wurden ersten Informationen zufolge zahlreiche Beweismittel - vor allem Datenträger - sichergestellt, die jetzt aufwendig ausgewertet werden müssen. Festnahmen gab es offenbar zunächst nicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, die Wohnung des 29-jährige Joern B. wurde durchsucht. Die korrekte Schreibweise des Vornamens lautet Jeroen. Sein korrektes Alter ist 19. Durchsucht wurde die Wohnung des 54 Jahre alten Ueli S., dessen Vorname zuvor fälschlicherweise als Robert angegeben worden war. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

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