Großrazzien in NRW Polizei durchsucht 120 Gebäude der rechten Szene

Mehr als 900 Polizisten sind im Einsatz: Bei Großrazzien in Dortmund und Aachen durchsuchen Beamte zahlreiche Wohnungen und Häuser von Neonazis. Es ist in beiden Städten der bislang größte Schlag gegen die rechte Szene - Hintergrund ist das Verbot mehrerer Kameradschaften.


Dortmund/Aachen - Die Polizei in Nordrhein-Westfalen ist mit Großrazzien gegen die rechte Szene vorgegangen. Mehr als 900 Beamte durchsuchten rund 120 Objekte in ganz NRW, wie das Innenministerium mitteilte. Innenminister Ralf Jäger verbot die Vereine "Nationaler Widerstand Dortmund", "Kameradschaft Hamm" und "Kameradschaft Aachener Land". Laut Innenministerium wurde das Vermögen der Kameradschaften beschlagnahmt, ihr Besitz eingezogen und das Tragen von Symbolen verboten.

In Dortmund sollten 600 Beamte insgesamt 93 Objekte durchsuchen, teilte eine Sprecherin mit. Die Polizeiaktion begann am frühen Morgen und sollte bis in den Vormittag dauern. In Aachen waren mehr als 200 Beamte bei der Großrazzia im Einsatz, um fast 50 Häuser und Wohnungen zu durchsuchen. Betroffen war demnach der Raum um Aachen, Düren und Heinsberg. In beiden Regionen sind die Razzien laut Polizei die bislang umfangreichsten Aktionen gegen Rechtsextreme.

In einer Wohnung in Jülich im Kreis Düren habe die Polizei Gegenstände gefunden, "bei denen es sich wohl um Waffen handelt", sagte ein Sprecher. Spezialisten sollten nun prüfen, ob sie funktionstüchtig sind.

Erst im April waren Polizei und Staatsanwaltschaft gegen die rechte Szene in Nordrhein-Westfalen vorgegangen. Dabei wurden 20 Gebäude in Radevormwald, Düsseldorf, Wuppertal und Essen durchsucht, darunter das Fraktionsbüro der rechtspopulistischen Partei Pro NRW. Außerdem vollstreckten die Beamten Haftbefehle. Mitte Mai hatte die Polizei zudem nach einem Verbot des Kölner Vereins "Kameradschaft Walter Spangenberg" Wohnungen und Haftzellen von Mitgliedern der Organisation in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht.

Nach einer jüngst veröffentlichten Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen ist Kriminalität aus dem rechtsextremen Milieu weiterhin ein Problem in NRW. Mit 1517 rechtsmotivierten Straftaten habe es zwischen Januar und Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 52 Fälle mehr gegeben. Für das Jahr 2011 wurde mit 3015 Straftaten der dritthöchste Wert für rechte Kriminalität in NRW in den vergangenen zehn Jahren registriert.

ulz/dapd/AFP



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