Verdächtiger Druide aus Baden-Württemberg "Keltische und germanische Werte"

Sie sollen Angriffe auf Polizisten und Asylsuchende geplant haben: Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen sechs mutmaßliche Rechtsextremisten - unter ihnen auch der selbst ernannte Druide Burgos von Buchonia.

Polizist bei Einsatz im "Reichsbürger"-Milieu (in Berlin)
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Polizist bei Einsatz im "Reichsbürger"-Milieu (in Berlin)

Von Jan Friedmann, und


Ein älterer Mann läuft durch den Wald, er trägt ein weißes Gewand, hat lange graue Haare und einen Rauschebart. Am Gürtel trägt er eine Tasche, eine Sichel und ein Trinkhorn. Der Mann nennt sich Burgos von Buchonia, nach eigenen Angaben wurde er in einer bitterkalten Winternacht vor 2500 Jahren geboren. Sein Onkel sei Merlin gewesen, der berühmte Druide aus der Artus-Sage.

Die Szene stammt aus einer älteren Fernsehaufzeichnung und ist auf YouTube zu finden. Ein Kauz aus der Provinz? Seit Mittwochmorgen wirken die vielen Fundstücke, die Burgos von Buchonia mit seinen Aktivitäten im Internet hinterlassen hat, weitaus weniger harmlos. Denn gegen Burghard B., wie der selbst ernannte Druide mit bürgerlichem Namen heißt, ermittelt die Bundesanwaltschaft.

Die Ermittler in Karlsruhe sehen B. im Zentrum einer Gruppe, die Angriffe auf Polizisten, Asylsuchende und Menschen jüdischen Glaubens geplant haben soll. Deshalb durchsuchten rund 200 Polizisten insgesamt zwölf Wohnungen und weitere Räumlichkeiten in sechs Bundesländern.

Es besteht der Verdacht, dass sich sechs Beschuldigte zu einer rechtsextremistischen Vereinigung zusammengeschlossen haben. Laut Bundesanwaltschaft kommunizierten sie vor allem über soziale Medien. Ein siebter Beschuldigter soll die Gruppe unterstützt haben. Bei den Durchsuchungen wurden Sprengstoff, Schusswaffen und Munition gefunden. B. und ein weiterer Verdächtiger wurden festgenommen, über den Erlass eines Haftbefehls soll am Donnerstag entschieden werden.

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"Reichsbürger"-Milieu: Razzia in sechs Bundesländern

"Wir sollen umgevolkt werden"

Die Razzien rücken eine möglicherweise gefährliche Gruppe in den Fokus: Die rechtsesoterisch politisierten Neodruiden.

Die Szene der Druiden ist eigentlich unpolitisch, ihre Mitglieder berufen sich auf die Kelten, vertrauen auf diverse Zauberkräfte oder besuchen Kultstätten wie Stonehenge in England. So erinnert auch Burghard B. in den Videos im Internet zunächst an Miraculix, den Druiden aus den "Asterix"-Comics. Ein Sonderling, der auf Mittelaltermärkten unterwegs ist, mit Bekannten am Lagerfeuer Met trinkt, durch den Wald oder die Stadt Schwetzingen läuft und dabei von Passanten beäugt wird.

Doch aus diesem esoterischen Rahmen fiel B. schon länger. Er nahm an einer Kundgebung der Vereinigung "Die Freiheit" in München teil und besuchte auch eine Pegida-Veranstaltung in Frankfurt. Im Jahr 2012 schloss der Steinkreisverein im badischen Brühl - installiert mit dem Ziel, einen solchen Kreis zu errichten - seinen damaligen Vorstand aus, weil B. auf Facebook Muslime beleidigt hatte. Dort hatte er damals das Bild einer brennenden Moschee gezeigt und die Hoffnung geäußert, bald möge auch das islamische Heiligtum in Mekka brennen.

In einem anderen Eintrag vom 4. Mai 2015 fabulierte B. über "keltische und germanische Werte". Deutschland werde seit 130 Jahren "bekriegt", heißt es da: "Wir sollen umgevolkt werden. Wir sollen unserer Identität beraubt werden."

Es folgen krude Sentenzen zur deutschen Geschichte, garniert mit antisemitischen Ausfällen. Der "Zionist Winston Churchill" habe Befehl gegeben, "Millionen Menschen unseres Volkes" zu vernichten. Zwei Weltkriege seien geführt worden, "um die dominante Rolle Deutschlands zu verhindern". Zugleich forderte B. "Friede mit unseren russischen Brüdern". In jüngerer Zeit war er vor allem auf dem russischen VK-Netz aktiv, das gerne von Verschwörungstheoretikern und Extremisten genutzt wird.

Wie konkret war die Gefahr?

Am 20. April 2016 postete B. ein Foto von sich, auf dem er lachend mit langem Haar und Rauschebart zu sehen ist. Dazu der Text: "Vorsicht: Menschenrechtler Tier- und Natürschützer Druide; Nach Ansicht der "BRD Behörden" bin ich ein GEFÄHRDER".

So stand B. schon seit Längerem im Blickpunkt der Behörden. Seit dem Frühjahr 2016 soll die Gruppe Angriffe geplant haben. Allerdings ist noch nicht klar, wie konkret die Gefahr wirklich war. Erkenntnisse zu konkreten Anschlagsplänen lägen nicht vor, heißt es bei der Generalbundesanwaltschaft. Die Ermittler bescheinigen B. eine ideologische Nähe zu den sogenannten Reichsbürgern, die der Bundesrepublik ihre Berechtigung absprechen.

Eine Verbindung zum Fall im fränkischen Georgensgmünd, wo ein "Reichsbürger" einen Polizisten erschoss, gibt es bislang nicht. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) stellte den Einsatz aber in Zusammenhang mit der Reichsbürgerbewegung: "Der Rechtsstaat zeigt, dass er auf Rechtsextremismus, auf rechte Gewalt, auf rechten Hass ein Auge hat und dass er wehrhaft ist."

Das Bundesamt für Verfassungsschutz schätzt, dass rund 10.000 Menschen in Deutschland der "Reichsbürger"-Szene angehören, mehr als 500 davon seien rechtsextrem.



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