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Reaktion auf Beschwerden: Junge Männer verprügeln Fahrgäste in Münchner U-Bahnhof

Wieder ein Angriff von jungen Männern in einem Münchner U-Bahnhof: Weil es Beschwerden über ihre zu laute Musik gab, griffen sie zwei Fahrgäste an. Die Opfer wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht, die Täter konnten fliehen. Auch in Berlin wurde ein Mann verprügelt.

München - Der Angriff erinnert an die Attacke auf einen Rentner kurz vor Weihnachten: Drei junge Männer hörten am Sonntagmorgen in einem U-Bahn-Abteil der Linie 5 in München über ihren MP3-Player so laut Musik, dass sich andere Fahrgäste belästigt fühlten. Als ein bislang unbekannter Mann forderte, die Musik leiser zu stellen, schlug einer der drei ihm nach Angaben der Polizei mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Das Opfer rettete sich beim nächsten Halt ins Freie.

Münchner U-Bahnhof: Wieder ein Angriff auf Fahrgäste
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Münchner U-Bahnhof: Wieder ein Angriff auf Fahrgäste

Um 4.45 Uhr spitzte sich die Lage weiter zu: Als sich auch zwei 45 Jahre alte Fahrgäste aus Neubiberg und Warngau bei den jungen Männern über die laute Musik beschwerten, sprang erneut einer von ihnen auf und schlug dem Neubiberger mehrfach mit der Faust ins Gesicht.

Die beiden 45-Jährigen verließen daraufhin die U-Bahn an der Station Innsbrucker Ring, im Osten der Stadt. Die etwa 19 bis 20 Jahre alten Männer folgten ihnen bis ins Zwischengeschoss, wo sie den Neubiberger zu Boden schlugen und mit den Füßen auf ihn eintraten.

An der Oberfläche schließlich warf einer der jungen Männer einen Ziegelstein auf den Warngauer, traf ihn am Kopf und fügte ihm damit eine Platzwunde zu. Er wurde wie sein Begleiter, der Prellungen und Schürfwunden erlitt, in ein Krankenhaus gebracht und dort ambulant behandelt. Die Schläger entkamen unerkannt.

Dies ist bereits der dritte Fall von gefährlicher Körperverletzung in der Münchner U-Bahn während der letzten beiden Wochen. Am vergangenen Freitag erst hatten drei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche serbischer, kroatischer und deutscher Nationalität zwei Erwachsene kurz vor Mitternacht im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Frauenhoferstraße angegriffen und verletzt. Ein 29-jähriger schwedischer Student wurde dabei mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen und erlitt eine Platzwunde. Sein 36 Jahre alter Begleiter aus Hamburg trug Prellungen davon. Die Polizei konnte die Schläger kurz darauf ein paar hundert Meter weiter festnehmen, der Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl.

Bereits am 20. Dezember hatten zwei junge Männerin einem U-Bahnhof in München einen Mann angegriffen und niedergeschlagen. Der 76-Jährige erlitt dabei mehrere Schädelbrüche. Der Überfall löste bundesweit eine Debatte über das Jugendstrafrecht aus.

Im Berliner Stadtteil Schöneberg rissen am Silvesterabend ein 17-Jähriger und ein 19-Jähriger einen 51-Jährigen zu Boden, schlugen ihn und traten ihn in die Hüfte, wie die Polizei mitteilte. Das Opfer hatte die Jugendlichen zuvor gebeten, keine Knallkörper mehr auf den Bahnsteig zu werfen, auf dem sich eine Mutter mit ihrer neunjährigen Tochter befand. Die betrunkenen Täter wurden kurz darauf festgenommen. Der Polizei liegt die Aufnahme einer Überwachungskamera vor.

Nach dem neuerlichen Zwischenfall am Wochenende fordert Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) "ein ganzes Bündel von Änderungen": Die Übergriffe in der Münchner U-Bahn "machen für jedermann deutlich, dass unser ausschließlich dem Erziehungsgedanken verpflichtetes Jugendstrafrecht nicht mehr voll geeignet ist, die Menschen vor gefährlichen jugendlichen und heranwachsenden Intensiv- und Gewalttätern zu schützen".

Merk fordert die Erhöhung der Höchststrafe im Jugendrecht von zehn auf 15 Jahre, die Anwendung von Erwachsenenstrafrecht gegen Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren, die Möglichkeit der nachträglichen Sicherungsverwahrung sowie einen "Warnschussarrest" für Jugendliche, deren Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

als/sef/ddp

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