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Razzia gegen Rechtsextreme in Bayern: "Von Monat zu Monat radikaler geworden"

Waffen und Gegenstände mit verbotenen nationalsozialistischen Symbolen: Rechtsextreme in Bayern sollen Anschlag geplant haben Zur Großansicht
DPA

Waffen und Gegenstände mit verbotenen nationalsozialistischen Symbolen: Rechtsextreme in Bayern sollen Anschlag geplant haben

Sie planten wohl mindestens einen Anschlag auf Flüchtlingsunterkünfte und horteten zahlreiche Nazi-Devotionalien: Ermittler haben gerade noch rechtzeitig eine rechtsextreme Gruppe in Bayern zerschlagen.

Die Polizei in Bayern hat womöglich einen Anschlag auf Flüchtlinge verhindert. "Unter Umständen" wollte eine Gruppe Rechtsextremer am 31. Oktober einen Anschlag auf das in Bamberg liegende Abschiebezentrum für Balkan-Flüchtlinge verüben, teilte der Bamberger Polizeivizepräsident Werner Mikulasch mit. Die Gruppe sei seit Längerem beobachtet worden und "von Monat zu Monat radikaler und gewaltbereiter geworden", sagte Mikulasch.

Bei einer großangelegten Razzia in Franken hatten Ermittler elf Männer und zwei Frauen im Alter von 21 bis 36 Jahren vorläufig festgenommen.

Laut Staatsanwaltschaft planten sie Anschläge auf Asylbewerberheime und Angehörige des linken Spektrums. Die Polizei konnte in der vergangenen Woche eine größere Lieferung mit pyrotechnischen Gegenständen abfangen und beschlagnahmen, die zum Bau selbstgebastelter Sprengsätze hätten benutzt werden können.

Unter den Sprengsätzen befanden sich laut Mikulasch auch sogenannte Kugelbomben. Wenn diese etwa gegen Flüchtlingsheime geschleudert würden, sei durch die starke Kraft der Detonation mit der unmittelbaren Entglasung der Gebäude zu rechnen. Es hätten "Schwerstverletzte und Tote" gedroht.

Kontakte zur Partei Die Rechte und Pegida

Ziel waren laut Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager zwei Bamberger Unterkünfte für Flüchtlinge. Bei den Durchsuchungen von zwölf Wohnungen in Ober- und Mittelfranken stellten die Ermittler außerdem Schusswaffen mit Munition, Baseballschläger, Stichwaffen und rechtes Propagandamaterial sicher - beispielsweise eine große Hakenkreuzfahne. Die Gruppe sei "ernst zu nehmen und gefährlich".

Laut Polizeivizepräsident Mikulasch bestehen bei den Verdächtigen zum Teil Verbindungen zu Ablegern der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung und zu der rechtsextremen Partei Die Rechte. Einzelne Verdächtige sollen Kundgebungen des Nürnberger Pegida-Ablegers Nügida angemeldet haben.

Die Ermittlungen gegen die Gruppe begannen bereits Anfang 2014. Es bestehe der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung, so die Ermittler.

Konkret würden den Verdächtigen auch verschiedene Gewaltdelikte vorgeworfen. So sei es Mitte Mai in der Bamberger Innenstadt zu einem massiven Angriff gegen drei Passanten gekommen, die nach einem vorangegangenen Streit die Polizei rufen wollten. Auch bei Angriffen im Umfeld eines Bamberger Szenelokals sei die Gruppe aufgefallen. Es sei bereits in mehreren Fällen Anklage erhoben worden.

gam/dpa/AFP

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